Potsdam : Haarige Drehs für Hanna

Die Babelsberger Koproduktion „Wer ist Hanna“ feierte Premiere. Erinnert wurde an harte und aufwendige Tage

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08.05.2011 22:35

Es müssen mörderische Dreharbeiten gewesen sein – was auch durchaus zum Endprodukt des stellenweise blutigen Actionfilms „Wer ist Hanna“ passt. Mehr als einmal wurde gestern Vormittag zur Berliner Team-Premiere der Studio-Babelsberg- Koproduktion an die „schwierigen Drehbedingungen“ und „harten Tage“ zwischen Januar und April 2010 erinnert. Dem Film, der unter Regie des Briten Joe Wright („Abbitte“) entstanden ist, merkt man diese Umstände nicht an – kurzweilig, mit jeder Menge Action, überraschend viel Humor, einer spannenden Story und hervorragenden Schauspielleistungen präsentiert sich der Streifen.

Dabei war die Stimmung insbesondere bei Babelsbergs Verantwortlichen gelöst, schließlich eroberte der Action-Streifen bereits Platz eins in Amerika, in Deutschland kommt der Film am 26. Mai in die Kinos. Wright schildert das Leben des Teenagers Hanna (Saoirse Ronan), die von ihrem Vater (Eric Bana), einem ehemaligen CIA-Agenten, zur Kampfmaschine ausgebildet wird. Hannas erster Auftrag führt sie auf die Suche nach ihren Wurzeln durch Nordafrika, Südeuropa bis nach Berlin in den einstigen Vergnügungspark im Plänterwald. Verfolgt wird sie dabei von CIA-Agenten, die von der skrupellosen Geheimdienstleiterin Marisa Wiegler (Cate Blanchett) gelenkt werden. Denn die hat ein ganz besonderes Interesse an dem Mädchen. „Der Spitzenplatz in den US-Kinocharts macht ihn bereits zu einem besonderen Film für uns“, sagt Henning Molfenter, einer der Babelsberger Koproduzenten. Allerdings sei der Dreh auch für die erfahrenen Studio-Filmemacher „eine Herausforderung gewesen“. Allein die unterschiedlichen Drehorte – neben Marokko und Finnland gab es Filmarbeiten in ganz Deutschland, so in Bayern, Hamburg und in Berlin – hätten eine Besonderheit dargestellt. Molfenter erinnert sich an lange Nächte im Hamburger Containerhafen, dort wurde eigens ein riesiges Container- Labyrinth aufgebaut. „Haarig war auch der Helikopter-Einsatz im Wald“, sagt Molfenter, denn direkt über den Baumwipfeln kreiste der Hubschrauber in dunkelster Nacht. „Auch die riesigen Studiobauten in Babelsberg, die das CIA-Gefängnis darstellten, aus dem Hanna flieht, machen den Film zu einer außergewöhnlichen Produktion für uns“, so Molfenter. Knapp 13 Meter hoch seien die Kulissen gewesen, erinnert sich Art-Department-Geschäftsführer Michael Düwel. Für „Hanna“ wurde der oberste Kulissenbauer des Studios Babelsberg auch zum Vergnügungspark-Designer. „Viele der Elemente im Spreepark waren stark verfallen, sodass wir sie nachbauen mussten.“ Darunter war auch ein riesiges Wolfsmaul, Teil einer Fahrattraktion, das zum Schauplatz des Showdowns zwischen Hanna und Gegenspielerin Marisa alias Blanchett wird.

Der australische Superstar gab indes bei der deutschen Schauspielerin Gudrun Ritter den Ausschlag, am Film mitzuwirken. „Es war ein großer Anreiz für mich, dass ich mit Cate Blanchett spielen konnte“, sagte das bekannte deutsche Filmgesicht („Haus und Kind“). Dabei, so gab die 75-Jährige zu, hatte sie Bedenken ob der Fremdsprachenbarriere: „Mein Englisch ist nicht so gut.“ Doch Regisseur Wright wollte Ritter unbedingt, nachdem er sie in Matti Geschonnecks „Boxhagener Platz“ – ebenfalls in Babelsberg entstanden – gesehen hatte. „Nach der Premiere von ,Boxhagener Platz’ kam er auf mich zugestürmt, um mich für seinen Film zu gewinnen“, erinnert sich Ritter. Und auch Cate Blanchett nahm der Charaktermimin die Sprachenangst. Auf Wunsch des Regisseurs wurden die Szenen der beiden in der Berliner Plattenbauwohnung sowohl in Englisch als auch in Deutsch gedreht – erst in der Nachproduktion wollte Wright über die Endfassung entscheiden. „Blanchett sagte beim Dreh zu mir: ,Ich leide genauso wie Sie’“, erinnert sich Ritter. Joe Wright hat sich nunmehr entschieden: Im fertigen Film hört man Cate Blanchett erstmals Deutsch sprechen.