• Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten: Potsdam wird wieder eigene Kitas betreiben

Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten : Potsdam wird wieder eigene Kitas betreiben

Rund 20 Jahre schon gibt es keine städtischen Kitas mehr in Potsdam. Jetzt werden sie wieder eingeführt - auch erste Standorte sind schon im Gespräch.

Henri Kramer
Mindestens sechs Kitas will die Stadt bald wieder betreiben. 
Mindestens sechs Kitas will die Stadt bald wieder betreiben. Foto: Monika Skolimowska

Potsdam - Die Stadt wird möglichst schon ab dem nächsten Sommer wieder eigene Kitas betreiben. Diese Grundsatzentscheidung haben die Stadtverordneten am Mittwochabend ohne längere Debatte getroffen. Gegenstimmen gab es nur von der FDP, deren Vertreter noch einmal in den Ausschüssen debattieren wollten. Allerdings habe man im Jugendhilfeausschuss schon lange genug debattiert, dass Potsdam wieder eigene Kitas betreiben müsse, wies Linke-Fraktionschef Stefan Wollenberg dies zurück.

Damit haben die Stadtverordneten nun das Ziel ausgegeben, „langfristig“ in jedem der sechs Potsdamer Sozialräume „mindestens eine Kindertagesstätte, einen Hortstandort und eine Kindertagespflegestelle zu betreiben“ – das wären also 18 Einrichtungen. Die Entscheidung hat finanzielle Folgen, weil eben auch Leitungs- und Erzieherpersonal gesucht und auch bezahlt werden müssten. Genaue Zahlen wurden auch am Mittwoch nicht genannt. Es gehe zunächst um Personal- und Sachkosten für zwei Standorte mit insgesamt 180 Plätzen, heißt es in dem Beschluss. 

Einmal wird der mögliche Standort Herrmann-Mattern-Promenade genannt, den der städtische Entwicklungsträger für das Bornstedter Feld bauen muss. Dazu wird noch der Bau einer Einrichtung in der Karl-Marx-Straße ins Spiel gebracht, wofür mittelfristig aber noch kein Geld eingeplant sei.

Seit 20 Jahren gibt es keine städtischen Kitas mehr

Die Entscheidung leitet einen Paradigmenwechsel ein: Ab der Jahrtausendwende hatte die Stadt Potsdam ihre einst fast ausnahmslos städtischen Einrichtungen privatisiert und an freie Sozialträger vergeben, auch aus Kostengründen und für mehr Trägervielfalt. Als Vorteile wurden zuletzt angeführt, dass die Stadt zum Beispiel nun als Wettbewerbsvorteil für Mitarbeiter auch Betriebskitaplätze vorhalten könnte. Dazu seien Impulse für „effektive und effiziente Qualitätsstandards“ sowie die Erprobung von „flexiblen Betreuungsangeboten“ möglich, so das Jugenddezernat – zumal angesichts des Wachstums der Stadt ein weiterer Bedarf für neue Kitas besteht. 

Bisher gibt es in Potsdam mehr als 120 Einrichtungen, die von rund 50 unterschiedlichen Trägern betrieben werden, die Zusammenarbeit mit dem Rathaus hatte sich nicht immer einfach gestaltet, gerade weil mehrfach über Finanzierungsfragen gestritten wurde. Auch hier sieht das Rathaus Vorteile: Mit eigenen Kitas erhält die Stadt das Satzungsrecht zur Festlegung stadtweiter Kita-Beiträge – bislang kann sie nur beraten und empfehlen.

Bis Dezember soll nun der konkrete Zeitplan feststehen. Ebenso die Details zur Umsetzung - so steht etwa die Gründung eines städtischen Eigenbetriebs zur Debatte.