Grube : Kampf gegen Lastwagen

Vertreter des Ortsteils Grube fordern weniger Durchgangsverkehr. Die Stadt reagiert zurückhaltend.

Schluss mit dem Lkw-Verkehr: Das fordert der Ortsbeirat Grube. „Gesundheitsschutz und Gefahrenabwehr müssen absoluten Vorrang haben“, sagt Ortsvorsteher Rolf Sterzel. Es geht um den Verkehr von und zur Autobahn 10, der durch den Ortsteil geführt wird.
Schluss mit dem Lkw-Verkehr: Das fordert der Ortsbeirat Grube. „Gesundheitsschutz und Gefahrenabwehr müssen absoluten Vorrang...Foto: A. Klaer

Grube - Mit dem Versprechen „Radfahren, Wandern, Angeln und Reiten in unberührter Natur“ wirbt die Stadt Potsdam auf ihrer Internetseite für den Ortsteil Grube. Doch mit der Ruhe ist es in dem seit 1993 eingemeindeten 450-Seelen-Dorf längst vorbei. „Das Einzige, was sich bei uns entwickelt, ist der Durchgangsverkehr schwerer Lastkraftwagen“, teilte Ortsvorsteher Rolf Sterzel (SPD) am Dienstag in einer Erklärung mit. Daher müsse ein Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht ausgesprochen werden. Eine entsprechende Forderung an die Potsdamer Stadtverwaltung werde der gewählte Ortsbeirat am nächsten Dienstag beschließen.

Auf PNN-Nachfrage sagte der Jurist, insbesondere die Zahl der Tieflader und Baufahrzeuge habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die langen und schweren Laster rollten alle auf der Wublitzstraße mitten durch Grube, die in einer engen S-Kurve durch den nördlichen Ortsteil führt. Das führe zu Gefahren, etwa für Radfahrer oder Schulkinder, die an der dortigen Haltestelle auf den Bus warten müssten. Denn die engen Kurvenradien führten auch dazu, dass Lastkraftwagen auf den Straßenrand oder – wenn vorhanden – auf Gehwege ausweichen würden. Die bestehende Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 reiche jedenfalls nicht aus, um die Gefahren hinreichend einzudämmen, erklärte Sterzel und verwies zudem auf einen nahe gelegenen Spielplatz.

Mehr noch: Auch dauerhaft verursache der Lkw-Verkehr eine gesundheitsschädliche Lärmbelastung für Anwohner, weil an vielen Stellen Häuser direkt an die Fahrbahn grenzten. Die Erschütterungen durch den Schwerlastverkehr seien immens, so Sterzel. „Dies setzt morgens bereits gegen 3 Uhr ein und hat in den letzten Jahren stark zugenommen – für die Anwohner ist an Durchschlafen nicht mehr zu denken.“ Selbst Gebäudeschäden seien bereits registriert worden. Auch das Ortsbeiratsmitglied Stefan Gutschmidt sagte gegenüber den PNN, einige Anwohner klagten bereits über Risse in ihren Häusern. Ebenso würden regelmäßig größere Fahrzeuge in Richtung der Bundeswehr-Fahrschule in Potsdam-Eiche durch die Gruber Ortsmitte fahren, so Gutschmidts Beobachtung – die wiederum auch Sterzel bestätigte.

Der Ortsvorsteher schlägt auch deswegen Alarm, weil er für die Zukunft noch mehr Verkehr erwartet – etwa durch den schnell wachsenden Wissenschaftsstandort Golm, der von der Autobahn 10 aus am schnellsten über die Ausfahrt Leest und in der Folge eben mit der Fahrt durch Grube zu erreichen ist. Zudem fürchtet Sterzel, dass die als Landesstraße ausgewiesene Strecke durch den Ortsteil ab dem Jahr 2018 noch beliebter wird, wenn für alle andere Bundesstraßen voraussichtlich Maut gezahlt werden muss (siehe Kasten). Daher sei auch die bestehende Tonnage-Beschränkung von zehn Tonnen auf der Wublitzbrücke zwischen Grube und Leest nicht mehr ausreichend – zumal verhindert werden müsse, dass der durch die enge Fahrbahn überdies stauanfällige Durchgangsverkehr durch einen möglichen Neubau der Brücke noch vermehrt wird. Ebenso verwies Sterzel auf den Neubau des Kreisels auf der Landesstraße am Abzweig Wublitzstraße/Golmer Chaussee – auch dieser werde den Durchgangsverkehr durch Grube weiter verschärfen.

Die für eine Begrenzung zuständige Stadtverwaltung gibt sich allerdings Zurückhaltend. Stadtsprecher Jan Brunzlow sagte den PNN auf Anfrage, die Straße durch Grube besitze „neben der Erschließungsfunktion für diesen Ortsteil eine übergeordnete Verbindungsfunktion“ – also eben als Zubringer an die Anschlussstelle Leest der Bundesautobahn 10. „Eine weitergehende Tonnagebeschränkung ist daher schon aufgrund der Bedeutung für den überregionalen Verkehr nicht ohne Weiteres möglich“, sagte Sprecher Brunzlow weiter.

Unterstützung erhält Sterzel dagegen aus dem benachbarten Leest, das über Töplitz zur Stadt Werder (Havel) gehört – und ebenfalls mit dem Durchgangsverkehr zu kämpfen hat. Daher werde man mit Grube gemeinsam an einem Strang ziehen, um eine Verkehrsberuhigung zu erreichen, sagte der Töplitzer Ortsvorsteher Frank Ringel den PNN: „Der Verkehr wird nicht weniger.“ Henri Kramer

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