• Großprojekt in der Teltower Vorstadt: Ein neuer Stadtteil für Potsdam

Großprojekt in der Teltower Vorstadt : Ein neuer Stadtteil für Potsdam

In der Teltower Vorstadt wird bald Potsdams größtes innerstädtisches Neubaugebiet entstehen. Die Planer sehen mehrere Vorteile für diesen Standort - und denken schon an neue Arbeitsplätze.

Später. So oder so ähnlich soll es nach diesem Entwurf des Architekturbüros Müller-Reimann auf dem Tramdepot einmal aussehen. Das Modell ist von August 2015.Alle Bilder anzeigen
Foto: B. Stelley
05.11.2017 21:14Später. So oder so ähnlich soll es nach diesem Entwurf des Architekturbüros Müller-Reimann auf dem Tramdepot einmal aussehen. Das...

Potsdam - So viel ist schon klar: Potsdam wird einen neuen Stadtteil bekommen. In Innenstadtnähe soll ab 2020 ein komplett neues Wohnviertel für rund 1300 Bewohner entstehen – inklusive Gewerbeflächen für Nahversorger, einem Stadtplatz und einer Kindertagesstätte. Auf dem alten Tramdepot zwischen Heinrich-Mann-Allee und der Kleingartenkolonie Daheim soll ein städtisches Wohnquartier mit Mehrgeschossern entstehen. Im Jahr 2022 könnten die ersten Bewohner einziehen.

Es wird das größte zusammenhängende Neubauprojekt der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam werden, denn das städtische Unternehmen hat vor, die rund 750 Wohnungen komplett selbst zu errichten. Derzeit wird von einer Investitionssumme in Höhe von rund 175 Millionen Euro ausgegangen. Damit wird ein großer Teil des bis zum Jahr 2025 laufenden Neubauprogramms der Pro Potsdam in der Teltower Vorstadt realisiert. Angesichts der großen Nachfrage nach Wohnungen in der Stadt drängt man bei der Pro Potsdam zu Eile. Man wolle so schnell wie möglich loslegen, heißt es.

Erschließung in der Nähe der Innenstadt erzeugt laut Experten weniger Verkehrslärm, Luftverschmutzung und Flächenverbrauch

Im Rathaus preist man die Vorzüge des Areals: „Der Standort liegt in günstiger Lage zur Innenstadt und zum Hauptbahnhof und ist gut durch den öffentlichen Nahverkehr erschlossen“, heißt es auf Nachfrage. Deshalb sei der Standort prädestiniert für ein urbanes Wohngebiet mit hoher städtebaulicher und landschaftsgestalterischer Qualität.

Tatsächlich spart die innenstadtnahe Lage auch Geld, denn die Erschließung ist billiger. Nachverdichtung nennt man die Bebauung von brachliegenden innerstädtischen Flächen. Befürworter verweisen darauf, dass Nachverdichtungen weniger Pendelverkehr erzeugt als Neubauten am Stadtrand. Es gebe weniger Verkehrslärm, Luftverschmutzung und Flächenverbrauch. Kritiker führen an, dass durch Nachverdichtungen wichtige innerstädtische Ruhezonen und Grünflächen verloren gehen.

Acht Millionen Euro soll die Erschließung des Areals die Pro Potsdam kosten

Nachdem mehrere Jahre über eine Wohnbebauung auf dem Areal gesprochen wurde, folgen nun konkrete Schritte. Am Mittwoch sollen sich die Stadtverordneten erstmals mit dem Auslegungsbeschluss zum Bebauungsplan beschäftigen. Wahrscheinlich wird die Vorlage direkt in die Ausschüsse verwiesen. Kommt es dort nicht zu Verzögerungen, wäre ein Beschluss schon im Dezember möglich. Im Januar oder Februar soll es nach den Plänen der Stadtverwaltung dann eine Bürgerversammlung geben. Im kommenden Jahr könnte der Bebauungsplan dann nach dem Satzungsbeschluss in Kraft treten. Parallel treibt die Pro Potsdam die Erschließungsarbeiten voran. Acht Millionen Euro sollen dafür inklusive der Planungskosten ausgegeben werden.

Das Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Die Aufstellung eines Bebauungsplans hatten die Stadtverordneten nämlich schon Anfang 2012 beschlossen. Doch so einfach war es nicht: Zunächst musste einen neues Quartier für die Tennisplätze gefunden werden. Fast zwei Jahre dauerte es, bis der B-Plan für die Ausweichfläche an der Wetzlarer Bahn stand. Mittlerweile ist der Tennisclub Rot-Weiß umgezogen. Zwei Millionen Euro soll die Verlagerung gekostet haben – inklusive Abriss der alten Sportanlagen und Neubau von zehn Tennisplätzen am neuen Standort. Bezahlt hat die Pro Potsdam.

Pro Potsdam denkt bereits an soziale Infrastruktur

Los gehen soll es mit den Bauarbeiten im hinteren Bereich des Areals – dort, wo früher die Tennisplätze beheimatet waren. Schaffen die kommunalen Gremien rechtzeitig Baurecht, könnte die Pro Potsdam schon im Frühjahr 2018 mit dem Bau beginnen. Im ersten Bauabschnitt sollen insgesamt 340 Wohnungen errichtet werden. Bereits im Dezember 2016 war die Planung für vier Gebäude mit zusammen 135 Wohnungen ausgeschrieben worden. Laut Ausschreibung waren barrierefreie Zwei- bis Vierzimmerwohnungen geplant. In dem neuen Stadtviertel solle es auch Sozialwohnungen geben. „Im ersten Bauabschnitt sind rund 190 geförderte Wohneinheiten geplant“, sagte Pro-Potsdam-Sprecherin Jessica Beulshausen auf PNN-Anfrage. Für die weiteren Bauabschnitte könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen.

Auch an die soziale Infrastruktur wird bereits gedacht. „In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich bereits eine Kindertagesstätte“, so Beulshausen. Auf dem Areal ist eine weitere Baufläche für eine Kita ausgewiesen. Im näheren Umfeld ist außerdem eine Grundschule mit Hort geplant, die der Kommunale Immobilienservice (Kis) errichten soll. Die Kosten dafür werden wohl nicht auf den Bauherren umgelegt. Das sieht zwar die Richtlinie zur sozialgerechten Baulandentwicklung vor, laut Beschlussvorlage soll die Pro Potsdam jedoch davon entbunden werden, weil sie deutlich mehr Sozialwohnungen plant als in der Richtlinie gefordert.

In dem neuen Stadtviertel sollen auch Arbeitsplätze entstehen

In dem neuen Stadtviertel soll nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet werden. Entlang der Heinrich-MannAllee ist in dem Entwurf auch eine Fläche für Büro und Dienstleistungen vorgesehen. Die Fläche ist auch im Gewerbeflächensicherungskonzept reserviert. Eine konkrete Planung liege derzeit noch nicht vor, so Beulshausen. Allerdings haben die Pro Potsdam und die Wirtschaftsförderung der Stadt über die Entwicklung des Mischgebietes eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen.

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