• Großbrand im Studio Babelsberg: Feuer bei Horrorfilm-Dreharbeiten

Großbrand im Studio Babelsberg : Feuer bei Horrorfilm-Dreharbeiten

Es sollte ein kontrolliertes Feuer für die Dreharbeiten eines Horrorfilms im Studio Babelsberg werden. Doch die Deko fing am Samstagabend Feuer, fast brannte die komplette Halle "Neue Film 2" ab. Nun laufen die Ermittlungsarbeiten.

Stefan Engelbrecht
Feuer im Studio Babelsberg. Per Drehleiter versuchen Feuerwehrleute, den Brand im Dach der Filmhalle zu löschen.
Feuer im Studio Babelsberg. Per Drehleiter versuchen Feuerwehrleute, den Brand im Dach der Filmhalle zu löschen.Foto: Manfred Thomas

Babelsberg - Meterhoch schlugen die Flammen aus dem Dach der Halle 20 im Filmstudio Babelsberg, das Feuer war auch aus großer Entfernung gut zu sehen. Bei Dreharbeiten ist am Samstagabend ein Großbrand ausgebrochen und hat zahlreiche Kulissen zerstört. Erst nach mehr als fünf Stunden hatten die Feuerwehren den Brand unter Kontrolle.

„Bei einem internationalen Filmprojekt sollten Spezialeffekte eingesetzt werden, dabei sind offensichtlich Funken übergesprungen“, sagte der Sprecher des Filmstudios, Eike Wolf, am gestrigen Sonntag. „Es sollten kontrollierte Brände sein.“ Das Feuer könne aber auch andere Ursachen gehabt haben. Verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand.

Studio Babelsberg: Ermittlung wegen fahrlässiger Brandstiftung

Studio-Chef Carl L. Woebcken wollte sich bislang noch nicht zu Details und den Auswirkungen des Feuers äußern. Wie groß der entstandene Schaden ist, konnte Sprecher Wolf noch nicht sagen. Der Brandort werde derzeit von Gutachtern untersucht. Dabei gehe es auch um versicherungstechnische Fragen. An einem Filmset arbeiten laut Wolf bis zu 100 verschiedene Firmen. Erst wenn das Gutachten vorliege, könnten Angaben zu Ursache und Schadenshöhe gemacht werden. Dies dauere aber noch einige Tage. Auch Polizei und Feuerwehr machten am Sonntag keine Angaben zum Schaden. Ein Polizeisprecher sagte den PNN, dass nun wegen des Verdachts auf fahrlässige Brandstiftung ermittelt wird.

Als das Feuer am Samstagabend ausbrach, waren etwa 100 Menschen am Set gewesen. Dabei soll es sich nach PNN-Informationen um Dreharbeiten für den Horrorfilm „A Cure for Wellness“ des bekannten US-Regisseurs Gore Verbinski („Fluch der Karibik“) handeln. Die Kulissen dafür seien vom Artdepartement der Filmstudios gebaut worden, sagte Studio-Sprecher Wolf. Die Arbeiten erfolgten in neuen großen Hallen des Unternehmens in der Nähe der Kopie einer mittelalterlichen Siedlungsstraße, die für den Film „Anonymus“ von Roland Emmerich erbaut wurde.

Rauchwolke über Potsdam sichtbar

Der Brand ereignete sich im Dach des Studio 20 in der Halle „Neue Film 2“ auf dem Gelände der Traditions-Filmstudios an der Ahornstraße. Es entwickelte sich eine große Rauchwolke, die weithin über Potsdam sichtbar war. Zeitweise wurde sogar die Umgebung durch den Feuerschein erhellt. Laut Dirk Häusler von der Feuerwehr Potsdam wurde der Brand um 20.30 Uhr gemeldet. Gedreht worden sei eine Szene, die in einem Bergwerk spielte, hieß es. Dabei sei auch mit offenem Feuer gearbeitet worden. Die Brandsicherheitswache, die das Studio vor Ort über eine Privatfirma stelle, habe die Flammen in der Setdekoration zunächst eindämmen und die Filmcrew in Sicherheit bringen können – doch das Feuer habe sich schnell in die Zwischendecke der 10,50 Meter hohen Halle ausgebreitet.

Insgesamt waren 79 Feuerwehrleute mit 19 Fahrzeugen mehr als fünf Stunden lang im Einsatz. Beteiligt waren neben den zwei Berufsfeuerwehren auch zahlreiche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, da der Brand im Dach schlecht zu erreichen war. So mussten die Einsatzkräfte über Drehleitern von oben das Feuer bekämpfen. Erst nach Mitternacht konnte sich ein Trupp hineinwagen und nach dem Brandherd suchen.

Größter Brand in diesem Jahr in Potsdam 

Vor allem Holz stand laut Dirk Häusler in der Dachkonstruktion auf einer Fläche von 60 bis 100 Quadratmetern in Flammen. Zuletzt musste auch der Strom in der Halle ausgeschaltet werden, da dort das Löschwasser rund zehn Zentimeter hoch stand und die Gefahr eines Stromschlags für die Feuerwehrleute ausgeschlossen werden musste. Ein Übergreifen auf andere Bereiche der Filmstudios konnte verhindert werden. Auch die Dekoration in der brennenden Halle – Polystyrol auf Holz – konnte gesichert werden. Wäre das nicht passiert, so Häusler, „stünde die Halle nicht mehr“. Laut Feuerwehr war der Brand in der Filmhalle der größte in Potsdam in diesem Jahr bislang.

Produktionen nicht betroffen

Studio-Sprecher Wolf betonte, dass aktuelle Produktionen nicht betroffen sind. In Babelsberg entsteht auch die fünfte Staffel der US-Serie „Homeland“. Außerdem wird der dritte Teil der US-Comic-Verfilmung „Captain America – Civil War“ gedreht. Die Studio Babelsberg AG arbeitet als Dienstleister für internationale Filmproduktionen und besitzt einen sehr guten Ruf in Hollywood. Auf dem Gelände in Babelsberg, auf dem einst der „Blaue Engel“ mit Marlene Dietrich entstanden war, drehten in den vergangenen Jahren zahlreiche weltweit bekannte Filmstars. Gleichsam kämpft das Studio immer wieder um seine Existenz.

In den Ausbau der Neue Film 1 und 2 hatte Studio Babelsberg vor knapp zehn Jahren zunächst rund zwei Millionen Euro investiert; es war eigens eine Spezial-Schallisolierung aus Hollywood eingebaut werden. Beide Hallen gemeinsam haben eine Fläche von rund 15 000 Quadratmetern. Mit ihrer Erschließung auf dem Areal zwischen Großbeeren- und Wetzlarer Straße hatte das Unternehmen seine Kapazitäten verdoppelt. (mit dpa)

 

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