• Größtes Innovationszentrum Europas geplant: Kritiker: „Das passt nicht zu Potsdam“

Größtes Innovationszentrum Europas geplant : Kritiker: „Das passt nicht zu Potsdam“

Zu groß und nicht ins Stadtbild passend: Das geplante Digital-Innovationszentrum rund um die RAW-Halle in Potsdam sorgt für Kritik. Es gibt aber auch Lob.

So soll das neue Innovationszentrum in Potsdam einmal aussehen – hier der Blick von der Friedrich-Engels-Straße.
So soll das neue Innovationszentrum in Potsdam einmal aussehen – hier der Blick von der Friedrich-Engels-Straße.Grafik: J. Mayer H. und Partner

Potsdam – Das geplante Digital-Innovationszentrum auf dem Gelände der denkmalgeschützten RAW-Halle an der Friedrich-Engels-Straße gerät in die Kritik – vor allem Dimension und Architektur stoßen auf Unverständnis.

Am Donnerstag meldete sich Wieland Niekisch zu Wort, Chef der CDU in Potsdam-West – und kritisierte den „gigantischen Torriegel“, mit dem die historische Wagenhalle „überzogen“ werden soll. „Das passt nicht zu Potsdam und seinen Maßen“, legt sich Niekisch in Bezug auf die geplante Bauhöhe von bis zu 33 Metern fest. Dem schloss sich auch die bekannte Mitteschön-Aktivistin Barbara Kuster an. „Entweder sind es öde Betonkisten oder futuristisch Diffuses, was da unter dem Deckmantel ,modern’ in unserer Stadt gebaut werden soll“, kritisierte die Kabarettistin. Und: „Modern geht auch anders.“ Besser sollten gute Ansätze wie am Alten Markt aufgenommen werden.

Schon am Mittwoch hatte auch der Potsdamer Architektur-Professor Ludger Brands in einer Erklärung mitgeteilt, bei dem Projekt würden „Identität, Typologie und den Maßstab der Stadt“ missachtet. „Das Denkmal wird überbaut und damit gleichermaßen desavouiert.“ Dem Gestaltungsrat, der die Stadt in Baufragen berät, empfahl Brands eine Ablehnung des Projekts. Es müsse einen städtebaulich-architektonischen Wettbewerb und öffentlichen Diskurs geben, um die für den Ort bestmögliche Qualität zu erzielen. Zugleich erinnerte Brands, dass die unmittelbare Nachbarschaft der Halle schon „geschändet“ sei, „durch das unarchitektonisch und maßstablos entwickelte Semmelhaack-Wohnquartier“.

Stadtverwaltung stellte Pläne für RAW-Halle euphorisch vor

Die Stadtverwaltung hatte sich bei der Vorstellung des 100-Millionen-Euro-Projekts auf rund 3,7 Hektar Fläche noch euphorisch gezeigt. So sprach Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) am Dienstag von einem „einmaligen und herausragenden Projekt“ mit „außergewöhnlicher Architektur“, das sich auch höhenmäßig in das Umfeld einfüge.

Die rund 14 Meter hohe RAW-Halle wird saniert und von neuen Baukörpern umrahmt.
Die rund 14 Meter hohe RAW-Halle wird saniert und von neuen Baukörpern umrahmt.Grafik: J. Mayer H. und Partner

Wie berichtet will eine eigens gegründete RAW Potsdam GmbH den nach ihren Angaben europaweit größten Standort für die Digitalwirtschaft bis Ende 2021 errichten, 1000 Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Der Entwurf kommt von dem renommierten Architekten Jürgen Hermann Mayer – der unter anderem ein Zick-Zack-Dach plant. Dem Plan müssen die Stadtverordneten aber noch zustimmen.

Scharfenberg: Große Chance für Potsdam

Allerdings hatte die Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke bereits erklärt, an der Dimension des Baus habe sie Zweifel. Hingegen nannte Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg das Projekt gegenüber den PNN eine „große Chance“ für Potsdam. Eingebunden in den Planungsprozess ist auch das Landesdenkmalamt: Dessen Chef Thomas Drachenberg machte auf Nachfrage deutlich, dass das Projekt an dem Standort machbar sei – zumindest mit Blick auf Denkmalschutzerwägungen. Selbst bei der Initiative Mitteschön gibt es keine einheitliche Meinung, wie Aktivist Willo Göpel in einer kurzen Mitteilung erklärte: „Wir sollten uns als Mitteschön nicht in Industriegebieten verkämpfen.“

Hingegen kritisierte Architektur-Professor Brands auch die Befürworter des Vorhabens: „Die Claqueure sind von der Vordergründigkeit des Projektes geblendet und beteiligen sich an der weiteren Zerstörung der Stadt.“

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