• Grabungen in Potsdam: Archäologen entdecken spätbarocke Gebäudereste

Grabungen in Potsdam : Archäologen entdecken spätbarocke Gebäudereste

Neben der Hauptpost in Potsdams Mitte sind Archäologen auf Fundamente aus dem Spätbarock gestoßen. Es dürfte nicht der letzte Fund dort gewesen sein.

Louise Wünsche
Auf der Brache neben der Hauptpost in Potsdam legen Archäologen die Fundamente der zerstörten barocken Bebauung frei. 
Auf der Brache neben der Hauptpost in Potsdam legen Archäologen die Fundamente der zerstörten barocken Bebauung frei. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Zustand der Kohlebriketts ist erstaunlich gut. Jahrzehntelang haben sie unter Erde verschüttet auf dem Grundstück an der Ecke Am Kanal und Französische Straße gelegen. Doch noch immer ist der Firmenschriftzug auf ihnen zu erahnen. Das ist vor allem erstaunlich, weil das Haus, in dem die Briketts einst geschützt lagerten, gar nicht mehr steht. Nur dessen Fundamente sind übrig. Sie kamen jetzt bei den Bauarbeiten neben der Hauptpost zutage. Dort haben die Vorbereitungen für den geplanten Hotelneubau begonnen.

Grundstück gehörte zur 1721 gegründeten Neustadt

Doch bevor der Grundstein gelegt werden kann, geht es in die Tiefe – und um die Geschichte des Areals. Nach den Kampfmittelexperten sind Archäologen des Büros ABD-Dressler aus Glienicke für Ausgrabungen vor Ort. Und sie haben bereits mehrere Gebäudereste auf der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefunden, sagte Potsdams Stadtarchäologin Gundula Christl auf PNN-Anfrage. Um- und Ausbauten aus dem 19. Jahrhundert seien ebenfalls erkennbar. „Das Grundstück gehört zur ab 1721 angelegten Neustadt“, erklärte Christl. Unter den Fußböden und im Hofbereich wiederum sei mit noch älteren Spuren zu rechnen, vermutet die Stadtarchäologin. Zeitlich gehörten die Ruinen zum frühen Spätbarock, also die Zeit zwischen 1720 und 1770.

Das Grundstück, dessen ursprüngliche Bebauung bei Potsdams Bombardierung im April 1945 zerstört wurde, liegt seit langem brach. Das in der Nachkriegszeit dort entstandene Fernmeldeamt war 1994 geschlossen und 2004 abgerissen worden. 2006 hatte dann der US-amerikanische Investor Nicolas Berggruen die Fläche von der Post gekauft. Bauträger und Eigentümer ist mittlerweile die UBM Development Deutschland GmbH, die bis Juni dieses Jahres noch als Münchner Grund Immobilien GmbH firmierte. Sie plant zusammen mit dem Architekturbüro Guder Hoffend Berlin dort einen Komplex mit 197 Hotelzimmern und 126 sogenannten Micro-Apartments in einem Boardinghaus, auch eine Tiefgarage soll es geben (PNN berichteten). Baustart sollte früheren Angaben zufolge noch Ende des Jahres sein, Ende 2020 wollen die Bauherren fertig sein. Die Ruinenfunde haben nach derzeitigem Stand keine Auswirkungen auf den Zeitplan für das Projekt, sagte Unternehmenssprecher Sven Hoffmann den PNN. Für die archäologischen Untersuchungen habe man zwei Monate einkalkuliert.

Noch mehr Funde erwartet

Die alten Kellermauern und die Briketts dürften nicht die letzten Funde neben der Hauptpost gewesen sein, wie Stadtarchäologin Christl sagt. Auf dem innerstädtischen Grundstück waren schon in der Vergangenheit immer wieder Überreste früherer Zeiten entdeckt worden. Mittelalterliche Keramikfunde in der Umgebung deuteten darauf hin, dass das sogenannte Grüntor einst in unmittelbarer Nähe lang. Es war bis in das 17. Jahrhundert der nördliche Zugang zur Potsdamer Altstadt. Es sei zudem wahrscheinlich, dass ein Vorgänger des Stadtkanals einst über das Grundstück neben der Hauptpost verlief, erklärt die Stadtarchäologin. Dies sei auf einer Stadtkarte von 1683 verzeichnet. Im Jahr 1963 wurde beim Bau des Fernmeldeamts außerdem ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit gefunden, so Christl. Erst im Herbst hatten Schüler der Montessorischule am Schlänitzsee ebenfalls ein 5000 Jahre altes Steinbeil entdeckt und unlängst dem Landesdenkmalamt übergeben (PNN berichteten).

Spuren des mittelalterlichen Stadtgrabens waren erst im Oktober bei Grabungen an der Schwerdtfegerstraße entdeckt worden (PNN berichteten). Dort fanden Archäologen unter den alten Fundamenten die Reste der hölzernen Stützwand der einstigen Stadtbefestigung, die aus dem frühen 14. Jahrhundert stammen könnte. Auf dem Grundstück will der Berliner Projektentwickler Bürgerstadt AG bis Ende 2019 das sogenannte Musikerhaus errichten – mit neun Eigentumswohnungen, die teils über speziell schallgedämmte Musikerräume verfügen.

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