• Gewässer auf der Kippe: Aradosee: Vom Müllsee zum Biotop

Gewässer auf der Kippe : Aradosee: Vom Müllsee zum Biotop

Der Zustand des Aradosees hat sich deutlich verbessert, unter anderem dank des Wetters. Dennoch könnte der See in der Teltower Vorstadt bei Hitze und Trockenheit wieder umkippen.

Reingewaschen. Der Regen der vergangenen Monate hat der Wasserqualität des Aradosees gutgetan. Die Ufer wurden von Müll befreit und aufgearbeitet.
Reingewaschen. Der Regen der vergangenen Monate hat der Wasserqualität des Aradosees gutgetan. Die Ufer wurden von Müll befreit...Foto: Andreas Klaer

Potsdam/Teltower Vorstadt - Regen, Regen, Regen – viele Potsdamer schimpfen über den nassen Sommer, es gibt aber auch manche, die ihm etwas Positives abgewinnen können: „Wetterbedingt hat sich die Wasserqualität im Aradosee sehr verbessert“, sagt Jochen Woller. „Viel Regen und kühle Temperaturen – das ist optimal.“ Der Biologielehrer des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums in Babelsberg beschäftigt sich seit Langem mit dem kleinen See an der Nuthe, der in den vergangenen Jahren vor allem durch seine schlechte Wasserqualität aufgefallen war: Regelmäßig im Sommer steigen die Nitrat- und Phosphatwerte des stehenden Gewässers stark an, was zum Umkippen des Sees führt. Besonders im August kommt es dann immer wieder zu massenhaftem Fischsterben. Zudem war auch das Ufer des Sees oft verwildert und vermüllt.

Nicht nur Woller, sondern auch der Naturschutzbund Deutschland und die Stadtfraktion Die Andere hatten sich wiederholt kritisch dazu geäußert – mit Erfolg: Im Mai wurde ein Antrag von Die Andere von der Stadtverordnetenversammlung angenommen, den See als naturnahes Biotop zu schützen und zu pflegen. „Aus meiner Wahrnehmung hat sich seitdem einiges verbessert“, sagt Woller.

Bemühen um den Schutz des Biotops zeigt Wirkung

„Es liegt kein Müll mehr rum und auch der Schilfgürtel hat sich ausgebreitet.“ Tatsächlich wirkt der See überaus idyllisch: Malerisch beugen sich grüne Baumkronen über den Wasserspiegel, hier und da steht ein Graureiher am Ufer. Der Eindruck trügt nicht: „Die Landeshauptstadt hat vor Ort Müll eingesammelt, Wegränder wurden von Unkraut und Wildwuchs befreit und auf die ursprüngliche Breite wieder hergestellt“, sagt Stadtsprecherin Friederike Herold auf Anfrage der PNN. Abgesackte Uferabschnitte seien aufbereitet und mit Holzstämmen gesichert worden. Weiterhin wurden ein Uferabschnitt mit Steinwalzen gesichert sowie abgebrochene Äste und Bäume beseitigt. Ende September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, die Baumpflegemaßnahmen werden noch bis Ende des Jahres andauern.

Zudem arbeitet die Stadt an einer Machbarkeitsstudie, in der untersucht werden soll, ob der See für die Regenwasserreinigung genutzt werden kann. Die Ergebnisse sollen im Oktober 2017 vorgestellt werden.

Schüler des Suttner-Gymnasiums kartieren die Biberpoulation, eingeschleppte Pflanzen und Nistplätze von Vögeln

Eine sehr erfreuliche Entwicklung für Woller, der sich zusammen mit Schülerinnen und Schülern des Suttner-Gymnasiums seit Jahren um den See kümmert, Aufräumaktionen durchführt und das Biotop als Forschungsobjekt für den Unterricht nutzt. Auch derzeit führt Woller zusammen mit einer elften Klasse wissenschaftliche Untersuchungen am See durch: So werden etwa die Biberpopulation, eingeschleppte Pflanzen – sogenannte Neophyten – und Nistplätze von Vögeln in alten Bäumen kartiert. Auch die Nitrat- und Phosphatwerte werden gemessen, die dieses Jahr aufgrund der Wetterlage im Normalbereich liegen, so Woller.

All diese Aktionen sind mit der Stadt abgestimmt worden: Die Verwaltung wird parallel dazu eigene Untersuchungen anstellen und diese zusammen mit den Ergebnissen der Schülerinnen und Schüler auswerten. Dabei können die Jugendlichen sogar auf hochmoderne Ausrüstung zurückgreifen: Das Suttner-Gymnasium hat eine Kooperation mit der Technischen Universität Wildau und kann deren Labore benutzen.

Nur dreieinhalb Meter tief: Aradosee kann bei heißem Wetter leicht wieder umkippen

Doch auch wenn sich die Lage am Aradosee gebessert hat: Wenn wieder ein heißer und trockener Sommer kommt, kann der See jederzeit erneut umkippen. Grund dafür ist zum einen die geringe Tiefe von nur etwa dreieinhalb Metern. Zum anderen ist da der spärliche Wasseraustausch, denn der See ist nur durch einen kleinen Durchstich mit der Nuthe verbunden. Woller fordert daher nach wie vor einen zweiten Durchstich, um die Wasserzirkulation in Gang zu bringen.

Für Tiere ist der See jetzt schon ein kleines Paradies: Neben Bibern findet man hier auch Graureiher, Mandarin-Enten und Schildkröten. Zudem gibt es viele Güster, Karauschen, Plötze, Bleie und Hechte im Wasser. Aufgrund seines Fischreichtums wird der See häufig von Anglern aufgesucht. Früher, in den 1930er- und 1940er-Jahren, wurde der ehemalige Baggersee sogar von Anwohnern zum Baden genutzt. Davon rät Woller derzeit jedoch ab: „Es gibt bislang keine Untersuchung, ob es Blaualgen im See gibt, die für Menschen giftig sind.“ Zudem habe der Aradosee keinen festen Untergrund, sondern nur eine etwa einen Meter dicke Faulschlammschicht: „Auch darin können sich giftige Algen befinden, die Gase wie Schwefelwasserstoff oder Methan produzieren.“ Eine solche Schlammschicht zu entfernen ist sehr aufwändig und teuer: Entweder müsste der Schlamm abgesaugt und gesondert deponiert werden, oder es müsste Sauerstoff hineingepumpt werden, damit sich die Schlammschicht auflöst.

Dennoch: Die bisherigen Erfolge am See sind beachtlich. Mit etwas Glück erhält das Suttner-Gymnasium wegen seiner Aktionen rund um den Aradosee sogar den Brandenburger Naturschutzpreis, der mit 4000 Euro dotiert ist – um den hat sich Woller nämlich zusammen mit der Schule beworben. Aber Woller bleibt bescheiden: „Wir als Schule können den See natürlich nicht alleine retten, den Anspruch haben wir nicht.“

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