• Geständnisse vor Gericht: Junge Männer finanzieren teuren Lebensstil mit Raubzügen

Geständnisse vor Gericht : Junge Männer finanzieren teuren Lebensstil mit Raubzügen

Über Monate hinweg überfielen drei junge Männer Wettbüros, eine Postfiliale, eine Spielhalle und sogar einen Pizza-Lieferservice. Jetzt müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Foto: Robert Schlesinger/dpa

Potsdam - Bei einem Prozess gegen drei mutmaßliche Räuber haben die Angeklagten vor dem Potsdamer Landgericht ein Geständnis abgelegt. Zuvor hatten sich die Beteiligten auf eine noch nicht näher beschriebene Vereinbarung geeinigt, um die Beweisaufnahme abzukürzen, bestätigten Gericht und die Verteidiger am Montag.

Den jungen Männern werden gemeinschaftliche Raubüberfälle in unterschiedlicher personeller Zusammensetzung vorgeworfen. Betroffen waren laut Anklage zwei Wettbüros, eine Postfiliale, eine Filiale der Lieferkette „World of Pizza“ sowie eine Spielhalle, die teils mit Waffengewalt ausgeraubt wurden, meist waren die Täter dabei maskiert. Dabei wurde laut Anklage im Zeitraum von Juli 2016 bis Februar 2017 im Raum Potsdam insgesamt rund 26.500 Euro Bargeld erbeutet, die Taten hatten für Schlagzeilen gesorgt.

Im Prozess sagte zuerst der Hauptangeklagte Mirko V. (*Namen geändert) aus. So räumte der heute 21 Jahre alte Potsdamer den Überfall auf eine Poststelle in Wilhelmshorst am 17. Februar 2017 ein: Zu dem Tatort sei er mit einem Kumpel von der gemeinsam besuchten Oberschule gefahren, den er zuvor zu der Tat überredete und der vor allem Schmiere stehen sollte. Er habe die erhoffte Beute für die Reparatur eines angemieteten Audi A5 benötigt, der Lackkratzer abbekommen hatte, so V. weiter. So betrat V. die Poststelle mit einem Messer in der Hand und forderte von der dortigen Angestellten Bargeld. Ihm sei nicht bewusst gewesen, welche Tragweite seine Handlungen hätten: „Ich habe vor allem das Geld gesehen.“ Nach dem Überfall, bei dem mehr als tausend Euro erbeutet wurden, fuhren beide wieder weg, am Audi hatten V. gestohlene Kennzeichen angebracht. Komplize Vladislav H. sagte, die Taten würden ihm „unendlich leid tun“. Und: „Ich werde so etwas nie wieder machen“. Aber damals sei es eben auch „cool“ gewesen, nach der Schule mit einem Audi durch die Gegend zu fahren.

Von der Verteidigung hieß es auch, der Hauptangeklagte habe mit den Überfällen seinen teuren Lebensstil finanzieren wollen, unter anderem regelmäßige Restaurant- und Casino-Besuche. So räumte V. auch einen gemeinsamen Überfall mit dem Angeklagten Omar F. (*Name geändert) auf ein Babelsberger Wettbüro ein – mit einer Gas- und einer Spielzeugpistole. Die 3800 Euro Beute habe man später geteilt, hieß es. Ein gestohlenes Handy des Wettbüro-Angestellten habe er noch ins Wasser geworfen, sagte der Hauptangeklagte. Ferner bestätigte V. einen allein begangenen Raubüberfall auf einen Kiosk im Ortsteil Eiche, nahe seines Elternhauses. Auch ein Angriff auf den besagten Pizza-Service kam zur Sprache. Dabei hatte V. auch einen Angestellten zu Boden geschlagen, nachdem ein mitgebrachter Elektro-Schocker nicht funktionierte. Zu zwei bisher unbekannten Mittätern bei diesem Fall machte V. keine Angaben. Der Prozess wird im September fortgesetzt. Für schweren Raub sieht das Gesetz mindestens drei Jahre Haft vor.