• Förderstopp für Potsdamer Garnisonkirche gefordert

Geplanter Wiederaufbau in Potsdam : Gegner der Garnisonkirche machen mobil

Eine Bürgerinitiative startet eine bundesweite Online-Petition, die den Stopp der Förderung des Projektes durch Steuergelder fordert. Künstler, Wissenschaftler und Architekten fordern ein Umdenken.

Derzeit wird am Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gearbeitet.
Derzeit wird am Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gearbeitet.Foto: Andreas Klaer

Innenstadt - Der Streit um den Wiederaufbau der Garnisonkirche spitzt sich weiter zu. So wollen die Gegner des Wiederaufbaus jetzt die Bundesförderung für das Projekt stoppen. Zu diesem Zweck habe man eine bundesweite Online-Petition auf dem Internetportal openpetition.de gestartet, wie die Bürgerinitiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ am Montag mitteilte. Die Petition mit dem Titel „Keine Steuergelder für die Garnisonkirche“ richte sich an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), hieß es. Ziel sei ein Moratorium sowie ein Förderstopp für das Projekt.
Wie berichtet ist der Bund bislang größter Finanzier des Wiederaufbaus, der ursprünglich komplett aus Spendengeldern bezahlt werden sollte. Als Projekt von „nationaler Bedeutung“ wird die Garnisonkirche, Potsdams einstiges Wahrzeichen, bislang mit zwölf Millionen Euro aus dem Bundesetat bezuschusst. Weil sich der Wiederaufbau wie berichtet verteuert, hatte die Bundesregierung kürzlich bekannt gegeben, für das Vorhaben weitere sechs Millionen zur Verfügung stellen zu wollen. Damit bezahlt der Staat fast die Hälfte des umstrittenen Projekts.

Kritik an fehlender Abgrenzung zu Kaiserreich und Nationalsozialismus

Unterdessen haben Künstler, Wissenschaftler und Architekten ein Umdenken beim Wiederaufbau der Kirche gefordert. Das Projekt ziehe keinen deutlichen Trennstrich zu Kaiserreich und Nationalsozialismus und knüpfe kritiklos an die Geschichte der Kirche als zentralen Identitätsort in der NS-Zeit und der Zeit der deutschen Kolonialkriege an, heißt es in einem Offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Zu den Unterzeichnern gehören die Künstler Thomas Demand, Monika Bonvicini, Hans Haacke und Klaus Staeck, der Kunstsammler Harald Falckenberg, der Historiker Manfred Gailus, der Galerist Kasper König sowie Landtagsarchitekt Peter Kulka und seine Kollegen Matthias Sauerbruch und Philipp Oswalt.

Andere Trägerschaft für das Projekt gefordert

In der Erklärung wird der Abriss des 1991 von der umstrittenen Traditionsgemeinschaft um Ex-Oberstleutnant Max Klaar gestifteten Glockenspiels auf der Plantage mit seinen „revisionistischen, rechtsradikalen und militaristischen Widmungen“ gefordert. Bei dem Nachbau der Kirche sollte weiterhin auf eine Nachbildung des Waffenschmucks verzichtet werden. Zudem fordern die Unterzeichner eine andere Trägerschaft für das Projekt. „Die seit Gründung der Garnisonkirche bestehende, unheilvolle Allianz zwischen Kirche, Militär und autokratischem Staat war eine Basis für Fehlentwicklungen in der preußisch-deutschen Geschichte“, heißt es in dem Brief. In den Gremien der Garnisonkirchen-Stiftung säßen ebenfalls Vertreter von Kirche, Politik und Militär und „manifestieren das Bemühen, auch institutionelle Traditionen wieder aufzugreifen“, kritisieren die Unterzeichner. Im Widerspruch zu dem erklärten Ziel, im Kirchturm ein Versöhnungszentrum unterzubringen, sei im Kuratorium und im Beirat der Stiftung „kein einziger Vertreter einer Friedensorganisation“ zu finden. Die Unterzeichner fordern, auch Vertreter von Menschenrechtsorganisationen aufzunehmen.

Die Stiftung wehrt sich gegen die Vorwürfe

Die Garnisonkirchen-Stiftung wehrte sich gegen die Vorwürfe und reagierte ihrerseits mit Kritik. Durch die „unmittelbare Verknüpfung“ der teils unheilvollen Geschichte des Vorgängerbaus mit der Arbeit der Stiftung, der Fördergesellschaft und Gemeinde werde diese „auf inakzeptable Weise diffamiert“, erklärte Stiftungs-Vorstand Peter Leinemann in einer Mitteilung. „Jeder Blick auf das konkrete Programm in der Nagelkreuzkapelle Potsdam belegt, dass die damit verbundenen Unterstellungen jeder Grundlage entbehren.“ Man habe sich zudem nicht nur aus städtebaulichen Gründen für eine originalgetreue Rekonstruktion entschieden, sondern weil ein „äußerlich wiedererkennbarer Turm“ Fragestellungen befördert, wie sie in dem geplanten Versöhungszentrum diskutiert werden sollen, hieß es. Der Einbau des Carillons auf der Plantage werde indes „nicht in Betracht gezogen“, so Leinemann.
Der Wiederaufbau der knapp 90 Meter hohen Kirche ist umstritten. Die Stiftung will im Neubau den Geist der Versöhnung und des Friedens pflegen. Kritiker reiben sich vor allem an der Geschichte des Bauwerks zur Nazizeit. Am sogenannten Tag von Potsdam am 21. März 1933 hatte Reichspräsident Hindenburg vor der Garnisonkirche Hitler die Hand geschüttelt. (mit dpa)