• Gemeinden einig: Synagogenbau ab Mitte 2012 möglich Staatssekretär Gorholt: Fachleute prüfen nun, ob Kubatur des Haberland-Entwurfs noch ausreicht

Potsdam : Gemeinden einig: Synagogenbau ab Mitte 2012 möglich Staatssekretär Gorholt: Fachleute prüfen nun, ob Kubatur des Haberland-Entwurfs noch ausreicht

Guido Berg
Autoren eines gemeinsamen Papiers: Michail Tkach und Ud Joffe.Alle Bilder anzeigen
Fotos: Andreas Klaer
06.03.2012 22:10Autoren eines gemeinsamen Papiers: Michail Tkach und Ud Joffe.

Innenstadt - Unverhofft klarer Fahrplan für den Bau einer neuen Synagoge in Potsdams Mitte: Nach ersten Erfolgen in der Mediation zwischen Jüdischer Gemeinde und Synagogengemeinde erklärte Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) gestern vor Journalisten: „Bis Mitte des Jahres“ könne die Annäherung der Gemeinden und die Problemklärung soweit vorangetrieben sein, „dass man sagen kann, man kann mit dem Bau beginnen“. Nachdem die Landesregierung Mitte 2011 eine Einigung der beiden Gemeinden zur Vorbedingung für den Synagogenbau erklärte, haben diese sich nun im Rahmen einer Mediation auf die Grundfunktionen einer gemeinsam genutzten Synagoge verständigt und dies Gorholt mitgeteilt. „So einen gemeinsamen Brief hätte ich vor vier Wochen noch nicht vermutet“, erklärte Gorholt erfreut.

„In den nächsten Wochen“, so Gorholt weiter, werde nun von Fachleuten geprüft, ob die von beiden Gemeinden in ihrem siebenseitigen Papier geäußerten Wünsche in der „Kubatur“ des Synagogenentwurfs des Berliner Architekten Jost Haberland zu realisieren sind. Ud Joffe, Vorsitzender der 150 Mitglieder zählenden Synagogengemeinde und Kritiker des Haberland-Entwurfes, spricht dagegen von einer Klärung der Frage, ob die gewünschten Funktionen auf dem vom Land zur Verfügung gestellten Grundstück Schloßstraße 1 untergebracht werden könnten. Joffe: „Das hat nichts mit Haberland zu tun.“ Falls das Grundstück zu klein ist, müsse „eine kreative Lösung“ her. Es könnten Teile des der Stadt Potsdam gehörenden Eckgrundstückes Schloßstraße/Friedrich-Ebert-Straße hinzugezogen werden. „Wir glauben, es braucht noch ein wenig mehr Platz“, erklärte Joffe, „und dann wird der Haberland-Entwurf nicht mehr funktionieren“. Gorholt wollte jüdische Nutzungen für das Eckgrundstück nicht ausschließen, sagte aber: „Die Synagoge sollte auf der Schloßstraße 1 gebaut werden.“ Auch noch diskutiert werden müsste „die optische Gestaltung“ der Synagoge. Von Juden wie Nicht-Juden wird gegenüber dem Haberland-Entwurf eine höhere Erkennbarkeit als jüdisches Gotteshaus angemahnt.

Der stellvertretende Vorsitzende der 380 Mitglieder zählenden Jüdischen Gemeinde, Michail Tkach, erklärte, ihm sei wichtig, dass das Gemeindezentrum gemeinsam mit der Synagoge – dem sakralen Raum – in einem Bau untergebracht wird. Zu den „roten Linien“ – den dringenden Forderungen – der Synagogengemeinde gehört, den Synagogensaal nicht höher als im ersten Obergeschoss unterzubringen. Der Haberland-Entwurf sieht den sakralen Raum dagegen in der zweiten Etage vor. Da den religiösen Juden die Benutzung eines Fahrstuhls an gewissen Feiertagen untersagt ist, wäre daher selbstagierende „Sabbat-Aufzüge“ notwendig, was kritisch gesehen wird.

Dem gemeinsamen Funktionspapier zufolge soll die Synagoge über einen erhabenen Gebetssaal verfügen, ebenso über einen Veranstaltungssaal, Lehrräume, Aktivitätsräume für Kinder- und Frauengruppen oder Chöre, Verwaltungsräume, eine milchige sowie eine fleischige Küche gemäß der jüdischen Religion, eine Bibliothek, ein öffentliches Café sowie ein jüdisches Ritualbad. Joffe ließ die Möglichkeit offen, Teile dieser Funktionen zusammenzufassen oder auch, bei Raumnot, aufzugeben. Joffe erinnerte daran, dass die neue Potsdamer Synagoge „auch eine Bedeutung für die Nicht-Juden haben wird“. Das Haus werde auch Begegnungs- und Versöhnungsort sein; Nicht-Juden sollen Juden in ihrem Alltag erleben.

Während die Gesetzestreue Jüdische Gemeinde in Potsdam jegliche Mitarbeit am Synagogenprojekt verweigert, deutet sich zwischen Jüdischer Gemeinde und Synagogengemeinde sogar mehr als nur Kooperation an. Joffe zufolge ist eine Wiedervereinigung „in ein paar Jahren“ denkbar. Tkach sieht Gründe für die „Existenz beider Gemeinden“ – stellte dem aber das Wörtchen „noch“ voran.