• Potsdam: Garnisonkirche fünf Monate in Verzug

Garnisonkirche in Potsdam : Garnisonkirche fünf Monate in Verzug

Der Bau der Garnisonkirche wird wohl noch länger dauern. Schuld sind Probleme mit dem Baugrund.

Rechts ist das Ziegelfundament des Garnisonkirchenschiffs zu sehen, links stehen die Bohrpfähle für den neuen Kirchturm.
Rechts ist das Ziegelfundament des Garnisonkirchenschiffs zu sehen, links stehen die Bohrpfähle für den neuen Kirchturm.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Alt und Neu liegen auf der Baustelle der Garnisonkirche nur ein paar Meter auseinander. Am Rande der Baugrube ist das mächtige, inzwischen fast 300 Jahre alte Ziegelfundament zu sehen, auf dem einst das Kirchenschiff errichtet wurde. Unmittelbar daneben ragen jetzt die Spitzen der 38 jeweils 38 Meter langen Bohrpfähle in die Höhe, die in den letzten Monaten ins Erdreich getrieben wurden. Auf ihnen soll künftig die Last des neuen Garnisonkirchturms ruhen.

Die Erleichterung darüber, dass die Löcher endlich alle gebohrt und mit Beton gefüllt sind, ist Peter Leinemann deutlich anzusehen. Als kaufmännischer Vorstand der Garnisonkirchen-Stiftung ist er dafür verantwortlich, dass die Zahlen stimmen. Und im Moment stimmen sie nicht.

Inzwischen gibt es einen Zeitverzug von fünf Monaten

Auf fünf Monate sei der Zeitverzug beim Wiederaufbau inzwischen angewachsen, sagt Leinemann am Montag bei einem Vor-Ort-Termin mit den PNN. Verantwortlich dafür seien die Schwierigkeiten bei der Gründung. Wie berichtet mussten die Arbeiten zum Jahreswechsel für mehrere Wochen eingestellt werden, weil es Schwierigkeiten mit dem Baugrund gab. Erst blieb ein Bohrer stecken, dann brach einer sogar ab. Neue, aufwendigere Bohrverfahren wurden getestet und eines davon schließlich angewandt, was den abermaligen Zeitverzug zur Folge hatte. Bislang hatte es geheißen, das Projekt hinke dem Zeitplan drei Monate hinterher. Wie hoch die Mehrkosten dafür sind und wer sie schließlich bezahlt, ist immer noch offen. Die Verhandlungen mit der beauftragten Firma seien noch nicht abgeschlossen, so Leinemann.

Der schwerste Teil der Gründung scheint mit dem Setzen der Pfähle indes geschafft. In den nächsten 14 Tagen sollen die Arbeiter noch drei Untergrundschichten aufbringen, darüber kommt ein Gitter aus je 1,35 Meter dicken Stahlbetonbalken. Auf diesen Rost wiederum soll schließlich die 35 mal 25 Meter große und einen halben Meter starke Fundamentplatte gegossen werden. Bis November sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Dann kann es an den Hochbau gehen. Die Maurer-, Gerüst- und Sandsteinarbeiten seien ausgeschrieben, Ende September sollen die Aufträge vergeben werden, sagt Leinemann. Eigentlich hatte zum Jahresende bereits der Unterbau der Kirche bis zur Höhe des eigentlichen Turmschafts inklusive der Anbauten stehen sollen, in denen im Original die Treppenhäuser untergebracht waren und die künftig einen Ticketshop sowie ein Café beherbergen werden. 2019 sollte dann der eigentliche Turm aufgemauert werden – bis zu seiner vorläufigen Höhe von 60 Metern, dort, wo auch die Aussichtsplattform geplant ist, für deren Bau TV-Moderator Günther Jauch eineinhalb Millionen Euro gespendet hatte.

Die Garnisonkirchen-Stiftung glaubt, den Zeitverzug aufholen zu können

Trotz der Verzögerung ist Leinemann optimistisch, dass der Zeitverzug aufzuholen ist. „Wir haben ein paar Puffer eingebaut“, sagt er. Man wolle versuchen, mehr Gewerke parallel arbeiten zu lassen als ursprünglich geplant. Sobald die Maurer ein Geschoss fertig haben, soll möglichst auch schon der Innenausbau erfolgen. Bis zu 25 Maurer sollen täglich montags bis samstags von 7 bis 21 Uhr im Zweischichtsystem Potsdams einstiges, knapp 90 Meter hohes Wahrzeichen wieder ganz klassisch aufmauern – wie ihre Vorgänger das bei der originalen Barockkirche gemacht haben. Nur die Decken werden aus Beton gegossen. Zweieinhalb Millionen Ziegel werden vermauert, die Hälfte sponsert ein namhafter Ziegelhersteller. Die von Privatpersonen gespendeten und daher mit deren Namen versehenen bislang 3500 Ziegel sollen im Treppenhaus eingesetzt werden, wo sie für die Besucher zu sehen sind.

Für den Fall, dass der Zeitverzug doch nicht aufzuholen ist, hatte die Stiftung wie berichtet einen neuen Bauantrag gestellt. Die alte läuft nämlich 2019 aus, nach brandenburgischem Baurecht hätte der Turm ein Jahr später fertig sein müssen. Eine neue Baugenehmigung gilt dann wieder sieben Jahre. So lange soll es zwar möglichst nicht dauern. Aber noch immer ist bislang nur eine gut 26 Millionen Euro teure abgespeckte Variante des Turms ausfinanziert, bei der Turmhelm, Glockenspiel und barocke Verzierungen noch fehlen. Um den Turm fertigzubauen, müssen noch etwa zehn Millionen Euro an Spenden eingeworben werden. Leinemann hofft dabei auf die Signalwirkung des Hochbaus. Sind erstmal die Maurer am Werk, sodass auf der Baustelle auch überirdisch etwas zu sehen ist, steige auch die Spendenbereitschaft, ist Leinemann sich sicher.

Der Wiederaufbau des Garnisonkirchturms, in dem ein Versöhnungszentrum entstehen soll, ist in Potsdam seit Jahrzehnten umstritten. Kritiker argumentieren hauptsächlich mit dem Missbrauch des Gotteshauses am 21. März 1933, dem sogenannten Tag von Potsdam, als die Nazis dort die Reichstagseröffnung zelebrierten und sich Hitler und Hindenburg vor der Kirche die Hand schüttelten. Die Befürworter führen vor allem die Bedeutung des Gebäudes, das einst als schönste Barockkirche Norddeutschlands galt, für das Stadtbild ins Feld.