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Garnisonkirche in Potsdam : Evangelischer Kirchenkreis gegen originalgetreuen Wiederaufbau

Die Evangelische Kirche in Potsdam positioniert sich vor der Sondersitzung des Hauptausschusses sehr klar. Auch die Gegner des Wiederaufbaus stecken ihre roten Linien ab.

Yvonne Jennerjahn epd
Die Baustelle der Garnisonkirche in Potsdam.
Die Baustelle der Garnisonkirche in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Im Ringen um eine Positionierung der Stadt zum Projekt Garnisonkirche spricht sich der Evangelische Kirchenkreis Potsdam gegen ein originalgetreues Kirchenschiff aus. "Einen historisierenden Wiederaufbau des ehemaligen Kirchenschiffes kann sich der Kreiskirchenrat nicht vorstellen", heißt es in der den PNN vorliegenden Stellungnahme des Kirchenkreises für die Sondersitzung der Stadtpolitik zur Garnisonkirche, die für den Freitag angesetzt ist. Und weiter: "Es gibt mit der Erlöserkirche, Friedenskirche und St. Nikolai eine ausreichende Zahl von Kirchengebäuden im Zentrum Potsdams, die fußläufig erreichbar ist." Aus Sicht des Kreiskirchenrates wäre auch zu überlegen, ob anstelle eines Gebäudes die in Rede stehende Fläche am im Bau befindlichen Turm der Garnisonkirche "als offene Anlage gestaltbar ist".

Gleichwohl stellt der Kirchenkreis unter Superintendentin Angelika Zädow klar, dass man das Projekt bereits unterstütze - etwa mit einem Darlehen über 250.000 Euro. "Die bereits jetzt im Rahmen der Möglichkeiten begonnene Bildungsarbeit für alle Generationen begrüßt der Kreiskirchenrat ausdrücklich." Weiter heißt es in der Stellungnahme: "Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtiger Strömungen scheint dem Kreiskirchenrat der sogenannte 'Dreiklang' - Geschichte erinnern, Verantwortung lernen, Versöhnung leben - geeignet, um demokratisches Bewusstsein zu fördern und zu stärken."

Erste Stellungnahmen gab es bereits am Montag

Gegner des Bauprojekts haben bereits am Montag mehrere Stellungnahmen veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem, die Frage nach dem Kirchenschiff müsse zukünftigen Generationen überlassen werden. Die Stadt Potsdam sollte dafür zudem „eine Teilrückgabe des Grundstücks fordern“, heißt es in der Stellungnahme der Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“. Die demokratiefeindliche Geschichte der Militärkirche vor 1945 müsse deutlich stärker thematisiert werden als bisher.

Die Stadtverordneten sollten den Oberbürgermeister „weiterhin damit beauftragen, die Stiftung unter Druck zu setzen und auf ihre Auflösung hinzuwirken“, fordert die Bürgerinitiative. Dies hatte das Stadtparlament vor einigen Jahren nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren gegen die Garnisonkirche beschlossen.

Architekturexperte fordert modernes Kirchenschiff

Der Architekturexperte und frühere Leiter der Dessauer Bauhaus-Stiftung, Philipp Oswalt, forderte, dass neben dem neuen Garnisonkirchturm statt eines historisierenden Kirchenschiffs ein modernes Ausstellungsgebäude errichtet wird.

Für einen solchen Lernort werde eine weit größere Fläche benötigt als die derzeit im Turm geplanten Ausstellungsräume, sagte Oswalt Um einen Bruch mit der Geschichte der früheren Militärkirche zu vollziehen, müsse zudem das in unmittelbarer Nähe errichtete DDR-Rechenzentrum erhalten werden, das derzeit von Künstlern genutzt wird. Am historischen Standort der Garnisonkirche müssten „Bau und Gegenbau“ zu einem neuen Ensemble vereint werden. Die Gelder, die derzeit in den Turmbau fließen, müssten deshalb umgelenkt werden. In der Architektur und in den Inhalten von Turm und Lernort müsse ein „doppelter Bruch“ mit der Geschichte vollzogen werden.

"Die Nächsten" wollen Änderung der Baupläne

Die christliche Profilgemeinde „Die Nächsten“ forderte unter anderem einen Baustopp für den Turm, der seit 2017 wiedererrichtet wird. Ziel sei eine Änderung der Baupläne, „um die Stadt und die Christen zu befrieden und rechte Nationalisten und Militaristen mit einem verwandelten Äußeren zu befremden“. Solange die Turmfinanzierung nicht gesichert sei, sei zudem „jede Debatte über ein Jugendbegegnungszentrum realitätsfremd“.

Dies hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) für den historischen Standort des Kirchenschiffs vorgeschlagen - nämlich eine internationale Jugendbegegnungsstätte für Bildung und Demokratie.

Die Diskussion über die Geschichte der Kirche werde „häufig auf ihre Symbolik für das verbrecherische nationalsozialistische Regime reduziert“, heißt es in der Vorlage von Schubert für das Stadtparlament. In anderen Städten wie Nürnberg, München, Köln und der Gemeinde Berchtesgaden werde an Orten mit ähnlicher Geschichte „eine aktive Auseinandersetzung in Mitverantwortung der Stadt geführt“. Dies sei auch in Potsdam wichtig. Die Garnisonkirche wurde 1945 bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und 1968 in der DDR abgerissen. Seit 2017 wird am historischen Standort ein Nachbau des Turms errichtet. Das Bauprojekt ist vor allem wegen der Geschichte der preußischen Militärkirche umstritten. Kritiker sehen sie als Symbol des preußischen Militarismus und des NS-Regimes. Befürworter argumentieren unter anderem mit der Bedeutung für das Stadtbild.

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