• Garnisonkirche: Dritter Musik-Protest am Glockenspiel

Garnisonkirche : Dritter Musik-Protest am Glockenspiel

Am Sonntag haben sich erneut rund 40 Potsdamer zum musikalischen Protest am abgeschalteten Garnisonkirchen-Glockenspiel getroffen.

Andreas Klaer
Am Sonntag wurde zum dritten Mal am Glockenspiel gesungen - als Protest gegen die Abschaltung.
Am Sonntag wurde zum dritten Mal am Glockenspiel gesungen - als Protest gegen die Abschaltung.Foto: Andreas Klaer

Innenstadt - Am gestrigen Sonntag trafen sich zum dritten Mal Potsdamer zum gemeinsamen Singen am abgeschalteten Glockenspiel auf dem Plantagenplatz. Geschätzt 40 Teilnehmer trafen sich mittags auf Einladung des Vereins Musik an St. Nikolai, um gemeinsam christliche Lieder zu singen – unwesentlich weniger als am Sonntag davor. Die Teilnehmer protestieren gegen die Abschaltung des Glockenspiels vor zweieinhalb Wochen.

Auf die Abschaltung hatte sich wie berichtet Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) mit den Vereinen für den Wiederaufbau der Garnisonkirche verständigt. Vorangegangen war ein Offener Brief von Künstlern, Wissenschaftlern und Architekten, in dem diese im August den Abriss des Ensembles mit „revisionistischen, rechtsradikalen und militaristischen Widmungen“ gefordert hatten. Das Glockenspiel war 1991 von der „Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel“ unter dem rechtsnationalen Ex-Oberstleutnant Max Klaar der Stadt geschenkt worden und hatte zu jeder vollen Stunde das Lied „Lobet den Herrn“ und zu jeder halben Stunde „Üb immer Treu und Redlichkeit“ gespielt.

Glocken-Inschriften sollen wissenschaftlich geprüft werden

Die Inschriften am Glockenspiel sollen nun unter anderem durch den wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Garnisonkirche geprüft werden. Danach soll der Umgang mit dem einstigen Geschenk öffentlich debattiert werden. Ein Einbau in den Kirchturm ist laut Garnisonkirchenstiftung nicht geplant.

Die Protestsänger kritisieren, dass mit der Abschaltung christliches Liedgut aus dem öffentlichen Raum verbannt werde. Am Sonntag gab es auch wieder ein Protestsingen gegen das Protestsingen, initiiert von der Satirepartei Die Partei. Sie intonierten den David-Hasselhoff-Hit „I’ve been Looking for Freedom“. Harald Geywitz vom Nikolai-Musikverein begrüßte die Gegeninitiative und drückte den Wunsch auf ein gedeihliches Miteinander aus.


In einer früheren Version des Textes hieß es, das Protestsingen gegen das Protestsingen sei von den Piraten initiiert gewesen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.