• Fusion auf Kosten der Mieter?: Sorgen wegen wachsender Marktmacht

Fusion auf Kosten der Mieter? : Sorgen wegen wachsender Marktmacht

Vonovia und Deutsche Wohnen könnten Potsdams größter privater Vermieter werden. Das sorgt für Kritik.

Vonovia und Deutsche Wohnen haben derzeit rund 4000 Wohnungen in Potsdam.
Vonovia und Deutsche Wohnen haben derzeit rund 4000 Wohnungen in Potsdam.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Mit dem Zusammenschluss von Vonovia und Deutscher Wohnen entsteht auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt ein großer privater Vermieter. Schon jetzt haben sie zusammen fast 4000 Wohnungen im Bestand und es wird weiter gebaut. Als die Fusionspläne im Mai publik wurden, waren die Reaktionen in Potsdam noch zurückhaltend. Nun mehren sich kritische Stimmen.

Wie berichtet hatte das Bundeskartellamt am Montag mitgeteilt, keine Einwände gegen den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen zu haben. „Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigen keine wettbewerbsrechtliche Untersagung“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt in Bonn. 

Die Wettbewerbsbehörde habe deshalb grünes Licht für die geplante Übernahme gegeben. Vonovia will die Deutsche Wohnen für rund 18 Milliarden Euro kaufen. Durch den Zusammenschluss würde Europas größter Wohnimmobilienkonzern mit mehr als 500.000 Wohnungen entstehen.

Mieterbund Brandenburg warnt 

Der Mieterbund Brandenburg warnt vor einer wachsenden Marktmacht des börsennotierten Konzerns in Potsdam: „Wir haben erhebliche Bedenken“ sagte Rainer Radloff, Vorsitzender des Brandenburger Mieterbunds, den PNN. Derartige Zusammenschlüsse gingen in der Regel auf Kosten der Mieter, so seine Befürchtung. Börsennotierte Unternehmen seien in erster Linie dem Gewinn der Aktionäre verpflichtet und versuchten deshalb Kosten zu sparen und Einnahmen zu erhöhen. 

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Er verwies auf Erfahrungen mit Vonovia im Kirchsteigfeld. Dort hatte der Konzern vor Jahren rund 1600 Wohneinheiten von der Convert Immobilien übernommen. Bei Mieterhöhungen habe das Unternehmen dort häufig das zulässige Maximum ausgeschöpft. Außerdem hätten den Mieterbund oft Beschwerden über mangelnde Instandsetzungen erreicht.

Soziale Wohnungswirtschaft stärken

Der Zusammenschluss sollte aus Sicht des Mieterbundes für die Stadt ein weiterer Grund sein, die soziale Wohnungswirtschaft zu stärken – also die städtische Holding Pro Potsdam und die Genossenschaften. Wie berichtet fordert der Mieterbund, dass die kommunale Pro Potsdam ihren Anteil am Potsdamer Wohnungsbestand nicht nur halten, sondern weiter ausbauen soll. 

Das könnte durch Neubau und durch Zukäufe geschehen. „Die Stadtpolitik müsste entscheiden, ob die Stadt auch eigenes Geld dafür einsetzt“, so Radloff. Ein größerer Bestand würde die Mietentwicklung insgesamt dämpfen, so die Idee. Derzeit hält die Pro Potsdam von den rund 91 000 Wohnungen in Potsdam etwa 20 Prozent. Das entspricht rund 17 000 Wohnungen. In etwa so viel entfällt zusammen auch auf die Genossenschaften.

Als größter privater Vermieter gilt die Firma Semmelhaack, deren Bestand nach eigenen Angaben derzeit Wohnungen „im niedrigen vierstelligen Bereich“ umfasst. Durch die Fusion könnten Vonovia und Deutsche Wohnen nun zu Semmelhaack aufschließen oder sogar darüber hinaus wachsen.

Knapp 2000-Vonovia Wohnungen in Potsdam

Aktuell hat Vonovia nach eigenen Angaben in Potsdam knapp 2000 Wohnungen im Bestand. „Unsere Mietpreise liegen dort durchschnittlich bei knapp 8 Euro pro Quadratmeter“, so Sprecher Matthias Wulff. Man plane künftig gemeinsam den ohnehin eingeschlagenen Weg weiterzugehen: „Unsere Quartiere im Einklang mit Bewohner:innen weiterentwickeln und in Neubau und klimaschonende Modernisierungen investieren.“

Der börsennotierte Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ist immer wieder das Ziel von Kritik – in Berlin trägt sogar das Volksbegehren zur Enteignung großer Immobilienunternehmen den Namen „Deutsche Wohnen enteignen!“. In Potsdam hat er in den vergangenen Jahren seinen Bestand ausgebaut. Die Durchschnittskaltmiete liegt nach Unternehmensangaben bei 6,95 Euro pro Quadratmeter. 

Zuletzt hatte das Unternehmen 164 Wohnungen in neu gebauten Mehrfamilienhäusern in der Steinstraße erworben. Außerdem errichtet der Projektentwickler Quarterback derzeit im Horstweg 138 frei finanzierte Mietwohnungen und 26 Gewerbeeinheiten für die Deutsche Wohnen. Ein weiteres Projekt der beiden Partner ist auf der Insel Neu Fahrland geplant und dort umstritten.

Immer wieder Kritik an der Deutschen Wohnen

Außerdem plant das Unternehmen wie berichtet gemeinsam mit der Stadt Potsdam in Krampnitz den Bau eines völlig neuen Quartiers. 2017 war die Deutsche Wohnen in Krampnitz eingestiegen und beabsichtigt, vor allem die denkmalgeschützten Altbauten auf dem früheren Kasernenareal zu sanieren. Insgesamt will sie dort 1800 Wohnungen schaffen. 

In der Stadtpolitik hatte es immer wieder Kritik an der Deutschen Wohnen gegeben, weil diese zum Beispiel keine Sozialwohnungen neu errichten, sondern derzeit vor allem Bestandbauten sanieren will. „Wir gehen nach jetzigem Planungsstand davon aus, dass die ersten Mieter:innen frühestens im Jahr 2024 einziehen werden“, so Pressesprecherin Romy Mothes. Mit der Fertigstellung des Projektes rechne man im Jahr 2030.

Kritik kommt nicht nur vom Mieterbund. Auch die Initiative Stadt für alle hatte am 19. Juni im Kirchsteigfeld einen Aktionstag „Mietenstopp“ veranstaltet. Das Geschäftsmodell von Vonovia bestehe vor allem darin, die Verwaltung, technische und betriebliche Aufgaben durch eigene Tochter- und Subunternehmen vornehmen zu lassen, heißt es auf der Webseite der Initiative. Im Gegensatz dazu würden in den letzten Jahren immer weniger Mittel für Modernisierungen ausgegeben, Reparaturen blieben aus, Hausmeisteraufgaben blieben liegen.

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