Potsdam : Fundgrube über Bornstedter Feld

Buch von Hartmut Knitter und Rainer Lambrecht zur Geschichte des Potsdamer Nordraums

Günter Schenke

Kasernen, Exerzierplätze, Reithallen und Proviantämter gehören ebenso zum Bild der ehemaligen Residenzstadt Potsdam wie Schlösser, Villen und Parkanlagen. In einzigartiger Weise haben der Stadthistoriker Hartmut Knitter und der Militärhistoriker Rainer Lambrecht diesen Zusammenhang in ihrem Buch „Rund um das Bornstedter Feld“ beschrieben. Die Autoren sichteten hunderte Dokumente, haben zahlreiche Spuren verfolgt und viele zum Teil seltene Abbildungen für das 191 Seiten starke Werk ausgesucht.

Auf dem Einband ist das Bild einer Bombardiermütze der friderizianischen Artillerie, ein Relief der Fassade der vor einigen Jahren abgerissenen Hohenlohe- Kaserne, mit der Jahreszahl 1745 abgebildet. Die militärische Nutzung des Bornstedter Feldes begann jedoch bereits früher. 1734 nämlich übereignete Friedrich Wilhelm I. das Gut Bornstedt nebst weiteren Liegenschaften dem von ihm gestifteten Großen Militärwaisenhaus. Die Güter Bornstedt und Grube lieferten die notwendigen Lebensmittel für damals schon mehrere Hundert Kinder des Waisenhauses. Zu den Erzeugnissen gehörte auch ein „nahezu alkoholfreies Speisebier“, das die Kinder zu allen Mahlzeiten tranken.

Zu den Anfängen der militärischen Nutzung der Bornstedter Feldmark gehört die Gründung einer „Schießhütte“, in welcher die in der Potsdamer Gewehrfabrik gefertigten Waffen auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft wurden. Das „Probir-Haus“, wie die Schießhütte in Potsdam hieß, entstand auf dem an der Jägerallee gelegenen kurfürstlichen Fasanengarten. Zweihundert Gewehre stellte die Potsdamer Manufaktur damals innerhalb einer Woche her, fast ein Viertel davon war „Ausschuss“ und bestand die Feuerprobe nicht.

Knitter und Lambrecht beschreiben das Exerzieren zwischen Schloss Sanssouci und Ruinenberg zurzeit Friedrichs II. ebenso wie die Entwicklung der Bornstedter Feldmark unter Friedrich Wilhelm IV. zum Exerzierplatz „Bornstedter Feld“. Es war eine seltsame Mischung aus Militärnutzung und Landschaftsgestaltung. Für Letztere zeichneten Peter Joseph Lenné und Hermann Sello im Auftrag des Königs verantwortlich. Sie erdachten und entwickelten den Plan zur Verschönerung und Umgestaltung der Insel Potsdam. Auf Postkarten der Kaiserzeit wird Bornstedt als Ort „zwischen Kronengut und Exerzierplatz“ verewigt. Anfang des 20. Jahrhunderts mutierte das Gelände gar zum Flugfeld. Im Buch ist unter anderem das Foto eines Doppeldeckers der Siemens-Schuckert-Werke um 1910 abgedruckt. Zwar schreiben die Autoren, dass sie beim Abfassen des Buches den „Mut zur Lücke“ haben mussten, insgesamt ergibt sich jedoch ein geschlossenes Bild über die Entwicklung des Potsdamer Nordraumes, der in den nächsten zehn Jahren zum Hauptentwicklungsgebiet des Wohnungsbaus in Potsdam gehört.

Der erste Teil des Buches beschreibt die Historie über einen Zeitraum von über dreihundert Jahren und der zweite stellt einzelne Einrichtungen und Ereignisse dar. Letztere reichen vom Bornstedter Friedhof über die Siedlung „Vaterland“ bis zu den Behelfsheimen bei der Einsiedelei. Der Prachtsaal des Ausflugslokals „Elysium“ ist ebenso abgebildet wie die Geschossfanganlage im Katharinenholz. Nur gestreift ist die Geschichte des halben Jahrhunderts russischer Besatzung. Immerhin ist ein Foto des sowjetischen Militärgefängnisses in der Garde-Ulanen-Kaserne abgedruckt.

Für die vielen Bewohner im Bornstedter Feld gibt das Buch einen bemerkenswerten Aufschluss über den geschichtsträchtigen Boden, der nach dem Abzug der Russen 1994 zum Bauland wurde. Die damals begonnene Entwicklungsmaßnahme für einen neuen Stadtteil soll in zehn Jahren abgeschlossen sein.

Hartmut Knitter und Rainer Lambrecht: „Rund um das Bornstedter Feld“ – Streiflichter zur Geschichte des Potsdamer Nordraumes. Knotenpunkt Verlag 2006. ISBN: 3-939090-01-8. Preis: 34,95 Euro.

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