Potsdam : Für mehr Selbstvertrauen

Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder im KuZe

Viktoria Schiller

Sahar Galamdin weiß, was sie in ihrem Leben erreichen will: „Erst mal Abi machen und dann studieren, vielleicht Jura oder Medizin.“ Die 19-Jährige kam im Jahr 2000 aus Afghanistan nach Deutschland, mit ihrer Familie flüchtete sie vor den Taliban. Eine Schule hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie betreten, denn „das war Mädchen verboten“. Heute, acht Jahre später, spricht sie fließend Deutsch und besucht die 11. Klasse an der Lenné-Schule. Wenn sie in Mathe nicht mehr weiter weiß, geht die junge Frau ins Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße. Dort hilft eine Gruppe von Studenten an drei Nachmittagen in der Woche Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben.

Seit fast drei Jahren gibt es die Hausaufgabenbetreuung im KuZe, zehn bis zwölf Schüler aus der 5. bis 11. Klasse kommen regelmäßig. Betreuerin Andrea Piec ist von Anfang an dabei. Warum sie sich ehrenamtlich engagiert? „Viele Jahre habe ich im Flüchtlingsheim Lerchensteig Kinderfreizeiten organisiert. Dabei sind Freundschaften entstanden. Und ein bisschen Helfersyndrom ist auch dabei“, erklärt die 29-Jährige. Zwei Kinder besuche sie ab und zu sogar zu Hause. Wie wichtig ihre Arbeit ist, weiß die Sprachtherapeutin: „Die Eltern möchten ihren Kindern helfen, aber oft fehlt das Geld für Nachhilfe. Und der eigene Bildungsstandard reicht oft nicht aus.“

Unter den Jugendlichen im KuZe scheint Bildung einen hohen Stellenwert zu haben. Auch Sahar Galamdin ist sich über den Wert einer guten Schulbildung im Klaren. „Wenn man gebildet ist, kann man an den Gesprächen in der Gesellschaft teilnehmen“, sagt die 19-Jährige.

Bei denjenigen, die wie Sahar regelmäßig ins KuZe kommen, stellt Andrea Piec positive Veränderungen fest. „Die Kinder trauen sich, sich zu melden, weil sie wissen, dass ihre Hausaufgaben richtig sind. Durch diese Erfolgserlebnisse gewinnen sie Selbstvertrauen dazu.“ Und auch die Noten verbesserten sich. So auch bei Sahar. „In der letzten Woche habe ich in Mathe an der Tafel eine Hausaufgabe vorgerechnet und eine Eins bekommen“, erzählt sie nicht ohne Stolz.

Für Andrea Piec und ihr Team bleibt aber ein Wermutstropfen: Aus dem Asylheim am Lerchensteig kommt kein einziges Kind. Und Andrea Piec weiß auch, warum: „Der Bedarf ist da, aber der Weg einfach zu weit.“ Viktoria Schiller

Die Hausaufgabenbetreuung findet dienstags, mittwochs und donnerstags von 15.30 bis 17.30 Uhr statt. Wer das Team verstärken möchte, ist willkommen