Potsdam : Für mehr Integration

Selbst organisierte Flüchtlingsorganisationen wie „Women in Exile“ kämpfen um Gerechtigkeit

Diskriminierung, Gewaltübergriffe, Isolation. Viele Geschichten von Menschen, die aus ihrem Heimatland nach Deutschland geflüchtet sind, erzählen von dramatischen Situationen in den Auffangstationen oder den Flüchtlingsheimen. Wie Elisabeth Ngari, Gründerin der Flüchtlingsorganisation „Women in Exile“, sagt, berichteten insbesondere Frauen immer wieder von traumatischen Erlebnissen. „Sehr häufig erfahren sie sexuelle Belästigung oder sind körperlicher Gewalt ausgesetzt“, so Ngari, die selbst aus politischen Gründen ihre Heimat Kenia verlassen musste und seit 1996 in Deutschland ist. Ihre Organisation, die mit der Brandenburger Flüchtlingsfrauengruppe „Women in Exile & Friends“ auch in Potsdam einen Sitz hat, unterstützt die Betroffenen. Sie setzt sich dabei nicht nur für mehr Rechte von Flüchtlingsfrauen ein, sondern klärt sie auch über ihre Möglichkeiten auf.

„Die meisten Menschen kommen hier völlig gebrochen an und sprechen kein oder nur wenig Deutsch, manche nicht mal Englisch“, erklärt Ngari. „Sie wissen nicht, an wen sie sich bei welchen Problemen wenden können oder trauen sich auch nicht.“ So erzählt sie von einer Frau, die HIV-positiv ist und nicht wusste, dass sie mit dem entsprechenden Schein von der Leitung ihres Flüchtlingsheimes Anspruch auf kostenfreie Arztbehandlungen gehabt hätte. Wie Ngari vermutet, hätte sie sich auch einfach nicht getraut, ihre Krankheit im Heim zu thematisieren – aus Angst vor Diskriminierung. Ein Problem, das laut Ngari sehr häufig auftritt. „Die Flüchtlinge vertrauen im Prinzip niemandem und schon gar nicht irgendwelchen Autoritäten“, sagt sie. Von daher seien die Flüchtlingsorganisationen so wichtig, da sie dort ein Verhältnis zu Menschen aufbauen könnten, die Ähnliches wie sie durchgemacht hatten. Aus diesem Grund versucht „Women in Exile“, auch in Kooperation mit anderen Organisationen Projekte auf die Beine zu stellen, die von Flüchtlingen selbst organisiert werden.

So hat „Refugees Emancipation“ beispielsweise in Potsdam ein Internetcafé am Magnus-Zeller-Platz eingerichtet, das die Anwohner eigenständig betreuen. Wie Chu Eben, Mitarbeiter der Organisation, sagt, schaffe das ein Selbstbewusstsein, das unbedingt benötigt würde. „Alle kommen hier mit so vielen Hoffnungen her, die sie dann schnell wegfliegen sehen“, sagt er. „So bekommen sie eine Aufgabe, die ihnen das Gefühl gibt, Teil der Gesellschaft zu sein.“ Mit dem Zugriff auf das Internet sei es für sie außerdem viel leichter, sich Informationen zu beschaffen, ohne eine Sprachbarriere überwinden zu müssen.

Wichtig für die Flüchtlinge ist Elisabeth Ngari zufolge, dass ihre Perspektive stärker in politische Diskussionen mit eingebunden wird. „Es kann einfach nicht sein, dass immer von außen über uns diskutiert wird“, sagt sie. „Man muss uns mehr zuhören, das ist schließlich auch ein Teil von Integration.“ Um eine solche zu erreichen und gleichzeitig den Frauen mehr Schutz bieten zu können, setzt sich „Women in Exile“ verstärkt für die Unterbringung in eigenen Wohnungen ein. In diesem Zusammenhang lobt Ngari die Bemühungen in Potsdam, Flüchtlinge in Wohnblöcken zusammen mit Potsdamern unterzubringen. Die geplanten Wohncontainer in der David-Gilly-Straße bezeichnet sie jedoch eher als Rückschritt, den sie sehr bedauere, wie sie sagt. Sarah Kugler