• Für eine humane Flüchtlingspolitik: Potsdam will Patenschaft für Seenotretter

Für eine humane Flüchtlingspolitik : Potsdam will Patenschaft für Seenotretter

Die Stadt Potsdam will einen Verein für die Seenotrettung von Flüchtlingen finanziell unterstützen. Die Stadtverordneten soll das bald beschließen.

Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt einen Seenotretter, der zu einem Flüchtlingsboot schaut. Potsdam will den Verein nun unterstützen.
Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt einen Seenotretter, der zu einem Flüchtlingsboot...Foto: dpa

Potsdam - Die Stadt Potsdam will eine Patenschaft für Missionen der zivilen Seenotrettung der Hilfsorganisation Sea-Eye übernehmen. Einen entsprechenden Beschluss sollen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am kommenden Mittwoch fällen. Laut der Vorlage von Rathauschef Mike Schubert (SPD) ist die Patenschaft zunächst für zwei Jahre vorgesehen, in dem Rahmen will Potsdam mit insgesamt 20 000 Euro den Verein mit Sitz in Regensburg unterstützen. Damit solle das Thema Seenotrettung in der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden, etwa mit gemeinsamen Veranstaltungen, heißt es in der Vorlage.

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Zur Begründung beruft sich die Stadtspitze auch auf mehrheitlich gefasste Grundsatzbeschlüsse der gewählten Stadtverordneten für solche Patenschaften, womit sich Potsdam auch zur freiwilligen Aufnahme von geretteten Flüchtlingen verpflichtet hatte. Seit Ende 2018 waren so laut Rathaus circa 80 Personen zusätzlich in Potsdam aufgenommen worden.

"Dem Sterben im Mittelmeer nicht länger tatenlos zusehen"

Der Verein Sea-Eye e. V. ist nach eigenen Angaben eine zivile Hilfsorganisation, die sich 2015 gegründet hat, „um dem Sterben im Mittelmeer nicht länger tatenlos zuzusehen“. Das Agieren sei „eine Antwort auf die gescheiterte Migrationspolitik der Europäischen Union, die sich ihrer Verantwortung für die tausenden Todesfälle im Mittelmeer verweigert“, so der Verein. Die italienischen Behörden hatten zuletzt ein Schiff der deutschen Seenotretter im Hafen der sizilianischen Stadt Palermo festgesetzt. Als Grund hatten die Behörden laut dem Verein unter anderem angeführt, dass zu viele Menschen auf dem Schiff „Sea Eye 4“ transportiert wurden. Die Crew des Schiffs hatte bei ihrem zurückliegenden Einsatz im Mai nach eigenen Angaben 408 Bootsmigranten aus dem zentralen Mittelmeer gerettet und sie nach Pozzallo auf Sizilien gebracht.

Schubert zu Gast in Palermo

Ende der kommenden Woche ist auch Oberbürgermeister Schubert zu Gast in Palermo. Dort findet am 25. und 26. Juni ein Treffen statt: "From the Sea to the City - Eine Konferenz der Städte für ein einladendes Europa“. Schubert teilte im Vorfeld mit: "Wo Nationen versagen, schaffen Städte Lösungen. Potsdam ist ein sicherer Zufluchtsort für Menschen, die vor Krieg und Diskriminierung fliehen. Seit mehr als zwei Jahren koordinieren wir das Bündnis 'Städte Sicherer Häfen'. Bereits 100 Städte haben sich zum sicheren Zufluchtsort erklärt. Wir kämpfen für humanitäre Werte und das Menschenrecht auf Asyl. Dabei lassen wir uns von moralischem Pragmatismus und der Suche nach Lösungen leiten, sowie der Möglichkeit, diese in einem wachsenden Städtenetzwerk zu finden." (mit dpa)


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