• Potsdam: Probleme beim Radfahren im Winter

Frust bei Potsdams Radfahrern : Gefährliche Schneehaufen auf dem Radweg

Winter in Potsdam: Radfahrer kritisieren, dass Radwege spät geräumt werden oder dort Schnee von Straßen abgeladen wird. Das kann passieren, denn der Arbeitsablauf ist eindeutig geregelt.

Erik Wenk
Radfahren in Potsdam im Winter – nicht immer ein Vergnügen.
Radfahren in Potsdam im Winter – nicht immer ein Vergnügen.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Im Winter durch die Stadt zu kommen ist ohnehin nicht komfortabel, doch zusätzlich werden die Radstreifen oft noch von Räumfahrzeugen mit dem Schnee der Straßen zugeschüttet. „Am Montag habe ich an keiner Stelle in der Stadt einen Radstreifen gesehen, der frei war“, sagt die Potsdamer Landtagsabgeordnete Marie Schäffer (Grüne). „Radfahren wird dadurch unschön bis lebensgefährlich“, schrieb sie auf Twitter.

Die in Potsdam wohnende Geschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Brandenburg (ADFC), Magdalena Westkemper, bestätigt diesen Eindruck: „Der Winterdienst nutzt die Radwege leider regelmäßig zum Schneeabladen.“ Sie selbst habe das Rad daher am Montag und Dienstag stehen gelassen, habe aber dennoch einige tapfere Radfahrer gesehen, die in der Stadt unterwegs waren.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Das Vorgehen des Räumdienstes ist durch die Straßenreinigungs- und Winterdienstsatzung der Landeshauptstadt Potsdam festgelegt worden, informierte Stefan Klotz, Sprecher der Stadtwerke Potsdam. „Prioritär sind Straßen der Klasse 1, wie Hauptverkehrsstraßen und Brücken zu bearbeiten. Der Schnee ist an die Fahrbahnkante zu räumen, runter von der Fahrbahn.“ Die Radwege würden demzufolge nachrangig behandelt, aber auch dort werde der Schnee an die von der Straße abgewandten Seite geräumt. „Das Prozedere wird so lange wiederholt, bis der Schnee von der Fahrbahn entfernt ist und nachrangig dann auch später vom Radweg“, sagt Klotz.

Winterwetter in Potsdam
Winterwetter in PotsdamFoto: Andreas Klaer

Das heißt konkret: Erst wenn die Straßen frei sind, kommen die Radwege dran. Da aber gerade in den vergangenen Tagen immer wieder neuer Schnee fällt oder auf die Fahrbahn geweht wird, kann das dauern. Jedoch: „Allein aus Sicherheitsaspekten haben Straßen bei der Beräumung Vorrang“, erklärt Pressesprecher Klotz.

Ab auf die Straße

Radfahrern bleibt also nichts anderes übrig, als auf die Straße auszuweichen. Doch das sei gefährlich, sagt Marie Schäffer: Radfahrer könnten beim Bremsen schnell wegrutschen und im schlimmsten Fall unter die Räder des nächsten Autos kommen. Etwas besser seien Radwege auf Gehwegen geräumt: „Hier ist die Situation größtenteils ok“, so Schäffer. Eine langfristige Lösung für das Problem seien daher von der Straße getrennte Radwege. 

Schäffer hat zudem den Vergleich mit Potsdams finnischer Partnerstadt Jyväskylä, wo sie ein halbes Jahr als Auslandsstudentin verbrachte: „Dort konnte ich auch bei deutlich größeren Schneemengen problemlos jeden Tag zur Uni fahren.“ Auf Twitter antwortete daraufhin die Straßenreinigung von Jyväskylä: „Die Reihenfolge der Schneeräumung hängt von der Schneemenge ab: Wenn zwei bis vier Zentimeter Schnee auf den Radweg gefallen ist, pflügen wir sie zuerst. Wenn fünf Zentimeter Schnee auf die Fahrbahn gefallen ist, werden sie zuerst gepflügt und dann die Radwege.“ In der erklärten Fahrradstadt in Mittelfinnland werden in den Wintermonaten die Rad- und Gehwege zweimal täglich gepflügt.


In vielen nordischen Ländern sei es mittlerweile völlig selbstverständlich, dass Radwege genauso schnell geräumt werden, sagt Schäffer: „Doch hier scheint die Mentalität zu herrschen: Wer bei dem Wetter Rad fährt, ist selber schuld“, bemängelt sie mit Blick auf Deutschland und speziell Potsdam. Leider lasse die Winterdienstsatzung der brandenburgischen Landeshauptstadt die Priorisierung der Straße vor den Radwegen zu, sagt Schäffer. Daher ihre Forderung: eine stärkere Gleichberechtigung beider Verkehrswege. 

Doch man muss gar nicht erst nach Finnland oder oder die in die dänische Hauptstadt Kopenhagen schauen, um gut geräumte Radwege zu finden: Auf Twitter postete die Userin Stephanie Krone das Foto eines freigeräumten Radwegs in Richtung Teltow: „Danke @Stadt_Teltow – oder welcher gute Geist sich den Winterradler:innen erbarmt hat!“ Tatsächlich ist für die Räumung der Wege in Mittelmark der kreiseigene Straßenbetrieb verantwortlich.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.