Potsdam : Friedrichs vierbeinige Freunde

Von Biche bis Amouretto - 250 Jahre alte Grabplatten der elf auf der Sanssouci-Terrasse beerdigten Windspiele werden gereinigt und konserviert

E. Hohenstein

Von Biche bis Amouretto - 250 Jahre alte Grabplatten der elf auf der Sanssouci-Terrasse beerdigten Windspiele werden gereinigt und konserviert Sanssouci - Gestern Vormittag hob eine Mannschaft der Skulpturenwerkstatt in Sanssouci an der Ruhestätte Friedrichs des Großen auf der obersten Schlossterrasse die elf schweren Sandsteinplatten aus der Erde, auf denen die Namen der Windspiele des Königs verzeichnet sind. An der Statue der Flora waren die vierbeinigen Freunde Friedrichs, beginnend mit der 1752 im Konzertsaal von Sanssouci gestorbenen Biche, der Reihe nach beigesetzt worden. Wie sehr Friedrich an den Hunden hing, geht daraus hervor, dass er Biche durch den Hofmaler Antoine Pesne auf einem Gemälde verewigen ließ. Einem Windspiel wurde sogar die Ehre zuteil, direkt in der für Friedrich bestimmten Gruft bestattet zu werden. Die Namen der Hunde sind auf den rund 250 Jahre alten Sandsteinplatten schwer zu entziffern. In der ersten Reihe liegen Alcmene, Thisbe, Diana, Phillis, noch einmal Thisbe und Alcmene, Bigos oder Gigos, in der zweiten Reihe Diana, Pax, Superbe Hasenf (wird als Hasenfuß gedeutet) und Amouretto. Bei der Konservierung der Grabplatten soll der jetzige Zustand erhalten bleiben. Es werden also keine Buchstaben erneuert. Der Sandstein wird von Moosen, Flechten und Algen befreit und gereinigt. Der Leiter der Skulpturenwerkstatt, Rudolf Böhm, rechnet damit, dass die Namen danach besser erkennbar sind. Der Sandstein hat auch innere Schäden davongetragen. Zwischen Erde und Luft waren die Platten zerstörerischen Witterungseinflüssen besonders stark ausgesetzt. Sie werden deshalb in Scheßlitz bei Bamberg durch die Firma Ibach mit Akrylharz getränkt und so konserviert. Zu Saisonbeginn im Frühjahr sollen die Grabplatten wieder an ihrem Stammplatz sein. Die 23 000 € teure Konservierung wurde durch die testamentarische Verfügung eines in Hamburg verstorbenen Friedrich-Verehrers ermöglicht. Der König selbst musste nach seinem Tode 1786 205 Jahre warten, ehe er in der bereits 1744, also noch vor Fertigstellung des Weinbergschlosses, angelegten Grabkammer die letzte Ruhestätte fand. Entgegen seinem im Testament festgehaltenen Wunsch war er auf Veranlassung seines Nachfolgers, Friedrich Wilhelms II., in der Gruft der Garnisonkirche bestattet worden. Der neue König befand, die enge und zum Teil verfallene Anlage auf dem Weinberg sei des Verstorbenen nicht würdig. 1943 begann mit der Auslagerung des Sarges, der vor Kriegseinwirkung geschützt werden sollte, eine jahrelange Irrfahrt mit dem Bunker in der heutigen Henning v. Tresckow-Kaserne, dem Südharzer Salzbergwerk Bernterode, Marburg und der Burg Hechingen als Stationen. Am 17. August 1991verwirklichte der Chef des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand, die Ankündigung von 1952, seinen großen Vorfahren in der Sanssouci-Gruft beisetzen zu lassen, wenn „Deutschland in Freiheit wieder vereint ist“. Hunderttausende erlebten die Überführung der Särge Friedrichs II. und seines Vater Friedrich Wilhelm I. nach Potsdam mit. E. Hohenstein