• Freiwillige Feuerwehren: Voll einsatzbereit

Freiwillige Feuerwehren : Voll einsatzbereit

Von einem Mitglied ist die Feuerwehr in Uetz-Paaren auf ein Dutzend angewachsen.

Foto: Sarah Stoffers

Uetz-Paaren - Zischend schießt eine rot-gelbe Stichflamme hoch in die Luft, als der Feuerwehrmann Ralf Schelk in Vollmontur den kleinen Ölbrand mit Wasser ablöscht. Zusammen mit seinen Kollegen demonstriert er anschaulich, warum Brände im Haushalt schnell außer Kontrolle geraten können. Beim Fest der Freiwilligen Feuerwehr von Uetz-Paaren am Samstag zeigten die Männer und Frauen der Wehr verschiedene Brandarten und erklärten an Dummys Erste Hilfe.

Die Einheit stand vor ein paar Jahren kurz vor dem Aus. Seit 2010 gab es nur noch ein aktives Mitglied. Einsätze waren somit unmöglich. Ab 2014 bemühte sich der Fachbereich Feuerwehr in Potsdam gemeinsam mit dem Feuerwehrangehörigen Dennis Kroop, eine neue Wehr aufzubauen. Im März 2015 wurde Kroop, der seit 20 Jahren in freiwilligen Wehren aktiv ist und sich vor seinem Umzug in der Einheit in Bornstedt engagierte, zum neuen Ortswehrführer von Uetz-Paaren ernannt. Dank seines Einsatzes und mithilfe des von Manuela Meltzer im vergangenen Jahr gegründeten Fördervereins konnte eine Einheit mit derzeit zwölf aktiven ehrenamtlichen Mitgliedern aufgestellt werden – bei 420 Einwohnern.

Uetz-Paaren hatte lange mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Doch in vielen Freiwilligen Feuerwehren in Potsdam, so berichtet es Rainer Schultz, Bereichsleiter der Gefahrenabwehr bei der Potsdamer Berufsfeuerwehr, sehe es sehr gut aus. „Wir haben genug Bewerber. Vor allem Kinder und Jugendliche wollen gerne mitmachen. Einige Wehren, wie die von Babelsberg-Klein Glienicke, haben etwa 20 aktive Mitglieder. Es hängt natürlich auch immer mit der Einwohnerzahl der Gemeinde zusammen.“ In Potsdam gibt es insgesamt um die 350 ausgebildete aktive Mitglieder in den freiwilligen Wehren, wie Potsdams Feuerwehrchef Wolfgang Hülsebeck erklärt. Dazu kämen noch die Jugendfeuerwehren und die Alters- und Ehrenmitglieder.

Mit Personalmangel hatte hingegen vor allem die Potsdamer Berufsfeuerwehr in den vergangenen Jahren Probleme. Aber auch dort gibt es positive Entwicklungen. Im letzten Monat urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zugunsten der 14 Feuerwehrleute aus Potsdam, Cottbus und Oranienburg, die wegen unbezahlter Überstunden vor Gericht gegangen waren. Die Wochenarbeitszeit der Feuerwehrleute ist bereits auf unter 50 Stunden gesunken. Und mittlerweile seien auch die von Ordnungsdezernent Mike Schubert (SPD) versprochenen zusätzlichen 20 Stellen geschaffen worden. „Es sind noch nicht alle besetzt“, sagt Hülsebeck. „Aber wir sind auf einem guten Weg, die Belastungen für die Berufsfeuerwehr zu vermindern.“ Im März kommenden Jahres soll außerdem die neue große Wache in Babelsberg fertig gebaut sein. In den kommenden ein bis zwei Jahren soll dann mittels Gutachten die Versorgung im Potsdamer Norden untersucht werden.

„Die Zusammenarbeit zwischen der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr ist sehr wichtig für uns. Wir versuchen, das zu befördern“, sagt Hülsebeck. Für die Wehr Uetz-Paaren brachte der Feuerwehrchef auch einen Transporter als Geschenk mit. „Wir freuen uns, dass wir gemeinsam die Durststrecke überwunden haben, sagte er in der Dankesrede an die Wehr. Im Doppelort seien die Mitglieder wieder voll einsatzbereit. Sechs der Freiwilligen könnten Atemschutzgeräte tragen und somit bei Bränden die Gebäude betreten. Außerdem seien die Mitglieder als sogenannte First Responder ausgebildet und können noch vor Eintreffen der Rettungswagen Erste-Hilfe-Maßnahmen leisten.

Seit einem halben Jahr ist die 18-jährige Abiturientin Julia Weniger Mitglied. Die junge Frau ist Anwärterin und beginnt im nächsten Jahr ihre Ausbildung zur Feuerwehrfrau. „Ich hab mich schon als Kind für die Feuerwehr interessiert, ich möchte anderen helfen.“ Weniger möchte später vielleicht Zollbeamtin werden. „Hier kann ich schon interessante und aufregende Erfahrungen sammeln.“

Von Anfang an ist der Einzelhandelskaufmann Ralf Schelk Mitglied der Wehr. Er ist einer derjenigen, die dafür gesorgt haben, dass die Wehr wieder aufgestellt werden konnte. Gereizt habe ihn die Brandbekämpfung schon immer. „Ich bin ein Mensch, der für andere da ist und helfen möchte. Hier gab es aber leider früher keine Dorffeuerwehr.“ Die Ausbildung habe er im Schnelldurchlauf gemacht, erzählt er lächelnd. Mittlerweile habe er auch die Nebenausbildung zum Atemschutzträger absolviert.

Zwölf Mal musste die Feuerwehr von Uetz-Paaren in diesem Jahr bereits ausrücken. Die meisten Einsätze waren Unfälle auf der naheliegenden Autobahn 10, erzählt Dennis Kroop. Für ihn ist sein Einsatz eine Herzensangelegenheit. Von den Bürgern wünsche er sich aber mehr Akzeptanz und Anerkennung. „Jeder nimmt es als selbstverständlich hin, was wir machen. Viele wissen gar nicht, wie wenig Berufsfeuerwehren es in Deutschland gibt und dass die Freiwilligen bestimmt über 80 Prozent ausmachen.“ Der nächste Rettungswagen steht in Neu Fahrland, und bis die Berufsfeuerwehr aus Potsdam vor Ort sei, könnte ein halbe Stunde vergehen, erklärt Kroop. „Ohne die Freiwillige Feuerwehr geht es in Orten wie Uetz-Paaren nicht.“