• Freitag, 17. April 2020: Das ist heute in Potsdam wichtig

Freitag, 17. April 2020 : Das ist heute in Potsdam wichtig

Heute wagen wir ein Tänzchen, feiern ein Potsdamer Ehepaar, helfen uns mit Fontane und behalten die aktuellen Nachrichten im Blick. 

Heute empfehlen wir zu tanzen - das macht glücklich.
Heute empfehlen wir zu tanzen - das macht glücklich.Foto: Thilo Rückeis

Potsdam - Beginnen wir heute mit guten Nachrichten: 1070 Brandenburger gelten als von Corona genesen. Diese Zahl wird uns übrigens vom Landesgesundheitsministerium täglich zugeschickt. Als genesen gilt, wer 14 Tage nach der Meldung des positiven Coronatests keine Symptome mehr zeigt. Es ist ja durchaus immer mal wieder Kritikpunkt, dass gute Nachrichten in der Coronakrise zu kurz kommen. Die Zahl der Genesenen ist nicht von Anfang an veröffentlicht worden - dass wir nun aber darüber berichten können, freut uns. 

Trotzdem ist da nach wie vor die andere Seite, über die wir berichten müssen: Derzeit sind 2249 Menschen in Brandenburg laborbestätigt an Covid-19 erkrankt, 214 von ihnen werden im Krankenhaus behandelt, 33 auf der Intensivstation. Sie müssen beatmet werden. Gestorben sind nach einer Coronainfektion bereits 76 Menschen in Brandenburg. 

Weil das Virus als so aggressiv gilt, gelten auch die Kontaktbeschränkungen weiterhin, vorerst bis zum 3. Mai. Allerdings stehen auch einige Lockerungen fest, die auf Länderebene noch ausgestaltet werden. Dazu wird das Kenia-Kabinett heute eine Entscheidung fällen. Kleinere Geschäfte sollen ab Ende April öffnen können, auch der Schulunterricht soll für bestimmte Klassen ab Anfang Mai wieder beginnen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat aber auch deutlich gemacht: "Das Virus hat nichts, aber auch gar nichts von seiner Gefährlichkeit eingebüßt".

Alle Entwicklungen zu Corona lesen Sie wie immer in unserem Newsblog. Übrigens, noch eins in eigener Sache: Unsere Online-Berichterstattung zu Corona stellen wir kostenfrei zur Verfügung. Trotzdem bitten wir jeden Leser, ein Abonnement zu erwägen, um unsere journalistische Arbeit zu unterstützen.

Warum ein Mittagessen jetzt so wichtig ist

Corona hat vielfältige Auswirkungen, aber gerade Familien oder Alleinerziehende mit geringem Einkommen stehen derzeit vor einem großen Problem: Weil sie ihre Kinder nicht in Kitas oder Schulen schicken können, fällt das Mittagessen, was vor Corona in den Bildungseinrichtungen eingenommen wurde, jetzt manchmal aus. Denn viele können es sich schlicht nicht leisten. Glücklicherweise hat die Stadt Potsdam das erkannt und gemeinsam mit der Potsdamer Arche einen Mittagessen-Lieferdienst für rund 2500 Familien eingerichtet. Nach wie vor können sich bedürftige Familien dafür anmelden. Entweder per Telefon unter 0331/289 1865 oder per E-Mail an [email protected]

Offenbar findet das auch Bundesarbeitsminister (und Minister für Soziales) Hubertus Heil (SPD) interessant. Deshalb werden er, Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (ebenfalls SPD) und Potsdams Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) heute um 11 Uhr die Mitarbeiter der Küche am Bisamkiez besuchen. Dort wird nämlich das besagte Mittagessen gekocht.

Kontaktloses Tauschen in Drewitz

Der Tauschschrank in Drewitz.
Der Tauschschrank in Drewitz.Foto: SC Potsdam

Alle Kinderbücher zu Corona sind ausgelesen, alle Spiele gespielt? Dann hätten wir einen Tipp, wie man an Neues kommt, gleichzeitig noch einen Spaziergang macht und Nachhaltigkeit walten lässt: Der Kinderclub des SC Potsdam hat in der Robert-Baberske-Straße 6/8 einen roten Tausch-Schrank eingerichtet, der rund um die Uhr zugänglich ist. Dort können Spiele, Puzzles oder Bücher abgelegt oder mitgenommen werden, wie Kinderclub-Leiter Mathias Selbach den PNN sagte: "Wir möchten damit Familien unterstützen, denen zuhause vor Langeweile die Decke auf den Kopf fällt." Auf einem Aushang gibt es zudem Hygienehinweise: Mitgenommenes solle am besten zuhause desinfiziert und ein bis zwei Tage liegen gelassen werden, zudem sollen sich Tauscher die Hände waschen. Das Angebot werde gut angenommen, sagte Selbach. 

Fair verpackte Lieferungen

Wer das Haus doch lieber nicht verlassen möchte, kann sich Essen, Getränke oder Bücher natürlich auch liefern lassen. >>Eine Übersicht dazu für Potsdam findet man hier.<< Seit Kurzem ist ein neuer Lieferdienst dabei: Der Unverpackt-Laden "Kathi & Käthe FairVerpackt". Es ist nach "MaßVoll" am Luisenplatz der zweite Potsdamer Unverpackt-Laden, der im Dezember 2018 eröffnet hat. Bis Corona vorüber ist, wollen die Inhaberinnen von "Kathi & Käthe" liefern. Dazu muss man ihnen eine Einkaufsliste mit Produkt und Grammangaben an [email protected] oder die Einkäufe auf der Internetseite zusammenstellen. Bestellungen, die bis 12 Uhr mittags eingehen, werden am nächsten Tag zwischen 14 und 18 Uhr geliefert - man kann sie aber auch selbst abholen. Geliefert wird in Pfandbehältern (2 Euro Pfand). Ausgeliefert wird mit dem Lastenrad. Das übernimmt die "Flotte Potsdam" umsonst. 

Ein Blick über Ländergrenzen

Themawechsel: Derzeit tut man sich ja beizeiten selbst ein wenig leid. Kontakte beschränkt, der Home-Office-Platz bietet bis auf den eigenen Kaffee auch nichts Angenehmes mehr (sagt der Rücken) und das Leben läuft langsam vor sich hin. Da ist es doch ein guter Zeitpunkt sich zu vergegenwärtigen, dass man zumindest seine Lieben um sich hat. So geht es aber nicht jedem. Viele ausländische Studierende können derzeit nicht nach Hause - abgesehen davon, dass ihr Uni-Leben ohnehin auf den Kopf gestellt ist. Das Potsdamer Studentenwerk schaut hin und stellt ab und an einen dieser Studierenden vor, verbunden mit der Frage: Wie geht man eigentlich in dieser Situation mit Corona um?

Derzeit sind die kleinen Interviews auf der Instagram-Seite des Studentenwerks zu lesen, aktuell das Interview mit Anna aus Brasilien, die sich vor allem Sorgen um ihre Oma macht, die zwar quietschgesund ist, aber dennoch zur Risikogruppe gehört, und um die Gesundheitsversorgung in ihrem Heimatland.

Glückwünsche zur Diamanthochzeit

Wo wir gerade bei Großeltern sind: Der Potsdamer Astrophysiker Ewald Gerth und seine Frau Gisela sind heute seit 60 Jahren verheiratet und wir schicken an dieser Stelle Glückwünsche. Eigentlich sollte das groß mit 30 Gästen gefeiert werden - das fällt nun wegen Corona aber aus. Auch die Hochzeit 1960 fand unter schwierigen Bedingungen statt - das kann man in der Kirchenpost der Erlöserkirchengemeinde Potsdam nachlesen: Nicht in Potsdam, sondern in der Hoffnungskirche in Berlin-Pankow ließ sich das Paar trauen, damit die Westberliner Verwandtschaft mit Passierschein am Fest teilnehmen konnte. Der Kirche blieb Gisela ein Leben lang treu - bereits als 13-Jährige ließ sie sich - gegen den Willen ihrer Eltern - taufen und konfirmieren, arbeitete lange Zeit für die Erlöserkirchgemeinde in Potsdam. Ihr Mann Ewald arbeitete als Astrophysiker auf dem Telegrafenberg, 1968 setzte er sich gegen die Sprengung der Garnisonkirche ein. Gerth, damals noch Oberstufenlehrer, richtete damals gemeinsam mit dem Architekten Günter Vandenhertz, dem Geophysiker Jörg Byl und dem Vermessungsingenieur Joachim Rauhut am 25. April 1968 eine Protestresolution an die Stadtverordnetenversammlung. 

Linke Füße und in Ruhe sortierte Gliedmaßen für zu Hause

Wer Ewald und Gisela Gerth zumindest im Geiste mit gratulieren möchte, kann das ja mit dem tun, was man an einem Jubiläumstag machen sollte: Einem kleinen Tänzchen. Entweder ganz für sich oder aber mit Anleitung. Das geht zum Beispiel beim Tanzhaus Potsdam. Dort werden inzwischen Online-Tanzkurse angeboten, zum Beispiel klassische Gesellschaftstänze, aber auch Hip Hop oder Babytanzen. Anmelden kann man sich hier. Voraussetzungen zu Hause sollte man schaffen, indem man Sofatisch und Co. ein wenig beiseite rückt, damit man nicht in einer fetzigen Drehung die Vasen auf den Boden fegt. 

Mithilfe des Videokonferenz-Tools "Zoom" bietet auch die fabrik in Potsdam Kurse an. So zum Beispiel heute zwischen 15 und 16 Uhr unter dem Motto "Baby, lass uns tanzen". Wie der Titel schon erahnen lässt, wird die Tanzstunde für Eltern mit Kindern zwischen drei und 18 Monaten angeboten. Das ganze ist kostenlos, allerdings wird um einen freiwilligen Beitrag und eine Spende für die fabrik Potsdam gebeten. Wie das funktioniert, wird erklärt, wenn man sich eingewählt hat. Das geht hier (wer kein "Zoom" hat, wird vorher in einen Download-Bereich geleitet). 

Wer zwei linke Füße hat, der darf natürlich trotzdem tanzen, oder kann einfach Yoga und Pilates machen. Das geht schön langsam und die Gliedmaßen können in Ruhe sortiert werden. Eine Möglichkeit ist ein weiterer Onlinekurs (12 Euro pro Stunde) beim Potsdamer Yogastudio hinterm Nauener Tor. Dort begibt man sich natürlich NICHT physisch hin, sondern nur virtuell. Zum Ganzkörper-Workout heute von 17 bis 18 Uhr kann man sich noch immer anmelden und zwar hier

Aus ausgefallenen Terminen das Beste machen

Ein Jammer: Eigentlich hätte es heute am Hans Otto Theater eine weitere Vorstellung von "Der Vorname" gegeben - ein höchst vergnügliches Kammerspiel rund um den Namen eines Babys, das noch nicht geboren ist und "Adolphe" heißen soll. Die Familienzusammenkunft, bei der dies verkündet wird, eskaliert - denn ob ein Kind den Namen des größten Kriegsverbrechers aller Zeiten tragen soll, ist natürlich in Frage zu stellen. Nun ist im Zuge von Corona die Premiere natürlich ausgefallen, auch die Vorstellung heute wurde abgesagt. Das HOT versucht es mit Fassung zu tragen und erfreut uns derzeit täglich mit wunderbaren Lesungen auf der Instagram-Seite des Theaters. Wie die entstehen, kann man hier nachlesen.

Ebenfalls nicht heute stattfinden kann die Poetry Slam Meisterschaft Brandenburg-Berlin. Sie ist auf den September verschoben worden. Auf der Facebook-Seite des Slams ist dafür aber ein vergnügliches Video des Finales von 2017 zu sehen, mit dem man sich vorübergehend trösten kann. Darin liest der Wiener Slammer Elias Hirschl den Text "Als Anna Clara traf". Was sich erstmal wenig spektakulär anhört, ist ein Wortkunststück - komponiert aus Wörtern, die lediglich den Vokal "A" in sich tragen. 

Auch Fans von Michael Hatzius' Echse kommen heute im Lindenpark nicht in den Genuss des Puppenspiels: Der Auftritt wurde auf den 4. November verlegt, Karten behalten ihre Gültigkeit. Für die, die es nun interessiert, in aller Kürze: Die Echse ist ein weises Reptil, das Fragen rund um die tierische Welt beantwortet, wie zum Beispiel, ob ein Huhn spirituelle Erfahrungen machen kann oder ob Schweine mobben. 

Wem all das zu aufregend ist, dem empfehlen wir übrigens die Instagram-Seite der Defa-Stiftung. Dort gibt es nahezu täglich wunderbare Bilder aus dem Archiv zu sehen. Derzeit auch gern mit aktuellem Bezug - zum Beispiel zum Heimwerken, das ja derzeit hoch im Kurs steht. Wer gern stöbert und Fotos mag, ist hier richtig.

Einige Worte zum Thema Social Distancing

Gerade durchzuhalten, fällt schwer. Vor allem, wenn man wenig Menschen sieht und sich nach Nähe sehnt. Da hilft vielleicht ein Blick in die Geschichte jener, die sich ebenfalls in die Einsamkeit aufmachten. Am 17. April 1970 zum Beispiel wasserte Apollo 13 erfolgreich auf dem Pazifik - jene Raumfahrt-Mission der NASA, die eigentlich zum Mond gehen sollte. Dann allerdings explodierte ein Sauerstofftank und die Astronauten Jim Lovell, Jack Swigert und Fred Haise mussten in einer spektakulären Rettungsaktion zur Erde zurückkehren. Wie lang mögen ihnen diese (nur) sechs Tage nach ihrem Start vorgekommen sein? Wohl wie die längsten ihres Lebens. 

Ebenfalls heute jährt sich die Landung von Jerrie Mock, die am 17. April 1964 mit ihrer Cessna 180 allein in 29 Tagen um die Erde flog - als erste Frau übrigens. Vielleicht fällt angesichts solcher Geschichten die soziale Distanzierung etwas leichter. 

Gen Ende ein Gedicht

Wem die Historie nicht hilft, der kann als Brandenburger (und natürlich auch als Nicht-Brandenburger) ja immer und stets auf Fontane zurückgreifen. In einem Tweet zitiert das Fontane-Archiv aus dem Gedicht "Von der schönen Rosamunde", dessen wohlklingende Worte hervorragend zu Coronazeiten passen: Der Trennung Zeit ist böse Zeit. // Doch sie wird drum verrinnen. // Traun, wer nicht will von dannen gehn, // Der bringt sich selbst ums Wiedersehn – // All Leid hat seine Freude.

Zum Schluss das Wetter

Allen Corona-Beschränkungen zum Trotz können wir uns heute an der frischen Luft bewegen und das sollten wir auch: Denn 13 Stunden Sonne sind angesagt, dazu frühlingswarme 17 Grad. Bekanntlich steigert das die körpereigene Vitamin-D-Produktion, die wiederum Wohlfühl-Stoffe im Gehirn freisetzt. Diese Erklärung mag jetzt nicht wirklich wissenschaftlich sein, aber die daraus resultierende Botschaft ist ebenso leicht verständlich: Rausgehen und spazieren, Nase in die Sonne halten, um die Corona-Schwermut zu vertreiben!

In eigener Sache: Sie haben selbst Veranstaltungen, News, Tipps oder Anregungen, die an dieser Stelle veröffentlicht werden sollten? Immer her damit! Einfach eine E-Mail an [email protected] schreiben.

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