• Freiräume für Potsdamer Jugendliche: Ein Platz für Raves, Skateboards und Hängematten

Freiräume für Potsdamer Jugendliche : Ein Platz für Raves, Skateboards und Hängematten

Jugendliche können bis zum 22. Mai abstimmen, was auf der neuen Freizeitfläche am Nuthepark entstehen soll. Die Finanzierung des Projekt ist jedoch noch nicht gänzlich geklärt.

Aktionstag von Stadtjugendring und der Stadt Potsdam zur Beteiligung und Ideenfindung an der Gestaltung des Nutheparks. 
Aktionstag von Stadtjugendring und der Stadt Potsdam zur Beteiligung und Ideenfindung an der Gestaltung des Nutheparks. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Seit langem fordern Jugendliche und Sozialverbände mehr Freiräume für Jugendliche in Potsdam, nun will die Stadt handeln: Das Areal im Nuthepark gegenüber dem Hauptbahnhof, das derzeit noch als Baustelle eingezäunt ist, soll zu einer großen Freizeitfläche umgestaltet werden. Ursprünglich sollte auf dem rund 1,5 Hektar großen Grundstück lediglich eine Grünfläche entstehen, doch in den letzten Wochen ist die Stadt umgeschwenkt: „Da die Wohngebiete der südlichen Innenstadt mit Spielmöglichkeiten für Jugendliche unterversorgt sind und die Fläche noch im Einzugsbereich liegt, haben wir die Idee aufgegriffen, auf der Fläche Freizeitanlagen speziell für Jugendliche zu integrieren“, sagt Stadtsprecher Markus Klier.

Anders als sonst sollen die Jugendlichen den Ort selbst mitgestalten können: Am Donnerstag fand dazu auf der Freundschaftsinsel eine öffentliche Veranstaltung des Stadtjugendrings (SJR) statt, bei der junge Potsdamer:innen ihre Wünsche und Vorschläge äußern konnten. Das Angebot traf auf viel Gegenliebe: „Ich habe wirklich auf so was gewartet“, sagte die 18-jährige Alisa Genrich. Der Wunsch nach Beteiligung einte alle der rund zwei Dutzend Jugendlichen, die am Donnerstag ihre Vorschläge auf die Pinnwände schrieben. „Man ist immer darauf angewiesen, dass die Stadt einem was hinstellt, man kann nicht einfach selber was organisieren“, sagte auch der 18-jährige Friedrich Kardorf. Er wünschte sich für die neue Fläche einen Ort, wo man unkompliziert Partys veranstalten und Boxen anschließen könne.

Im Internet können weitere Vorschläge gemacht werden

An den Pinnwänden ließen sich einige der Vorschläge ablesen: Skateflächen, Wasserpumpen, Möglichkeiten, um Hängematten aufzuhängen, Flächen zum Tanzen, ein Freiluftkino, Radständer, eine öffentliche Bühne, ein Kiosk, Sitzgelegenheiten mit Schatten, kostenloses WLAN. Über die Webseite www.surveymonkey.de/r/nuthepark können Jugendliche noch bis zum 22. Mai Wünsche nennen und über Vorschläge abstimmen.

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Die Online-Umfrage läuft bereits seit rund einer Woche: „Eine Sache, die mit am häufigsten genannt wurde: Mehr Mülleimer!“, sagte Sylvia Swierkowski vom SJR. Auch Graffitiwände und Beachvolleyballplätze bekamen viele Stimmen, als eher unwichtig wurden Flächen für Fußball, Basketball oder Parcours bewertet. Nach Swierkowskis Wahrnehmung habe die Stadt auf den zunehmenden Nutzungsdruck öffentlicher Flächen reagiert, etwa in der Schiffbauergasse, wo im letzten Jahr regelmäßig Partys mit hunderten Teilnehmer:innen stattgefunden hatten; vergleichbare Partys habe es dieses Jahr laut Stadtverwaltung noch nicht gegeben. „Man will den Druck natürlich auch von umliegenden Orten wie der Freundschaftsinsel nehmen“, so Swierkowski.

Fläche hat Potenzial - zentrale gelegen und am Wasser

Dafür würde sich das Areal am Nuthepark gut eignen: „Die Fläche ist nicht schlecht, sie ist zentral und sie liegt am Wasser“, sagte die 18-jährige Micha Kühn. Sie wünscht sich vor allem mehr Möglichkeiten für Jugendkultur, etwa eine Bühne für Theaterprojekte. „Und ganz wichtig: Toiletten und Mülleimer!“ Auch Jochen Schley vom Grünflächenamt sieht das Potenzial der neuen Fläche, wo es trotz der zentralen Lage keine direkten Anwohner:innen gebe, die man abends stören könnte: „Der Ort stellt eine große Chance dar.“

Vor allem die Größe des Grundstückes birgt viele Möglichkeiten: „Ich selbst skate, daher wäre mir eine Skateanlage natürlich wichtig“, sagte der 18-jährige Hans Sommerhäuser. Dabei sollte es aber nicht bleiben: „Es wäre toll, wenn drumherum noch andere Sachen sind, damit nicht jeder nur seinen Kram macht, sondern Interaktion entsteht. Und es wäre wichtig, dass auch abends was los ist.“ Er selbst halte sich oft am Bassinplatz auf, werde jedoch regelmäßig von der Polizei vertrieben, weil es Lärmbeschwerden gebe. „Es gibt einfach zu wenig Plätze, wo man gut chillen kann, ohne jemanden zu stören“, so Sommerhäuser.

Lärm ist häufig ein Konfliktherd zwischen Jugendlichen und Anwohner:innen: „Wir haben letztens mit einer größeren Gruppe im Neuen Garten gesessen und wurden um 17 Uhr von den Parkwächtern weggescheucht, weil es eine Lärmbeschwerde gab. Dabei hatten wir nicht mal Musik an“, sagte Alisa Genrich. „Man fühlt sich an vielen Orten in der Stadt nicht willkommen.“

Partys in Welterbeparks aufgelöst

Mit Beginn des warmen Frühlingswetters registriert auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) vermehrt größere Gruppen, die sich abends in den Welterbeparks aufhalten: Am 24. April, am 4. und am 7. Mai seien jeweils größere Ansammlungen von Feiernden aufgelöst worden.

Die Stiftung hat seit Beginn des Jahres ihr Personal aufgestockt, aktuell sind sieben Ordnungskräfte in den drei Parks in Sanssouci, Babelsberg und im Neuen Garten unterwegs. Doch es gibt auch Gespräche zwischen der Stiftung, dem Jugendamt und den Jugendlichen: „Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen“, sagte SPSG-Sprecher Frank Kallensee. „Sondiert werden im Rahmen der Parkordnungen mögliche Aufenthaltsoptionen für junge Menschen.“

Bis Ende Juni sollen die Ergebnisse der Online-Umfrage zur Freizeitfläche am Nuthepark ausgewertet werden, sagte Jochen Schley: „Bis Ende des Jahres wird das Grundstück beräumt, so dass man theoretisch ab 2023 bauen könnte.“ Das ist jedoch unrealistisch, da noch unklar ist, was genau auf dem Areal entstehen soll. 

Ein Teil der Gelder ist immerhin schon vorhanden: „Die Mittel für die ursprüngliche Planung – Rasen, Wege, Bäumchen – sind im Haushalt eingeplant“, sagte Markus Klier. Laut Sylvia Swierkowski seien dies rund 400.000 Euro; sie rechne jedoch damit, dass die Neugestaltung der Fläche mindestens das Doppelte kosten werde. „Der zusätzliche Mittelbedarf ist tatsächlich noch aufzubringen. In welcher Höhe konkret, können wir aber noch nicht benennen“, sagte Klier.

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