• Forderungen an Landesregierung und Oberbürgermeister: Kita-Elternbeirat gegen Schließung von Kitas und Schulen

Forderungen an Landesregierung und Oberbürgermeister : Kita-Elternbeirat gegen Schließung von Kitas und Schulen

Potsdams Kitas sind ab Montag dicht, in den Schulen gibt es fast keinen Präsenzunterricht. Der Kita-Elternbeirat kritisiert diese Linie und schlägt neue Maßnahmen für einen Betrieb in der Corona-Pandemie vor. 

Ab 4. Januar gilt wieder Distanzunterricht.
Ab 4. Januar gilt wieder Distanzunterricht.Foto: imago images/MiS

Potsdam - Der Potsdamer Kita-Elternbeirat setzt sich gegen die Schließung von Grundschulen, Horten und Kitas in der Corona-Pandemie ein. Damit die Bildungseinrichtungen offen bleiben können, fordert der Elternbeirat tägliche Corona-Schnelltestes des Personals, eine Erleichterung der freiwilligen Kinderbetreuung zu Hause und den Einsatz von Lüftungssystemen. In einem offenen Brief, adressiert an Ministerpräsident Dietmar Woidke, Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD), Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) und Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), datiert vom 31. Dezember, kritisiert der Beirat die Position des Landes und der Stadt Potsdam. 

Es fehle "eine klar erkennbare Linie"

Zwar stehe man zu dem Ziel, die medizinischen Kapazitäten zu schonen, so der Beirat. "Als Maßnahme, um dieses Ziel zu erreichen, halten wir eine flächendeckende Schließung von Kitas, Horten und Grundschulen vor allem mit Blick auf die Bildungsgerechtigkeit, die sozialemotionalen Auswirkungen innerhalb der Familien und die gesundheitsgefährdende Doppelbelastung der Eltern für falsch", heißt es jedoch weiter. Es fehle "eine klar erkennbare Linie", eine Strategie für die Bildungseinrichtungen - eine Kritik, die der Elternbeirat auch im ersten Lockdown schon geäußert hatte. 

Wie berichtet hat die Landeshauptstadt angekündigt, alle Kitas in der Stadt zunächst vom 4. bis zum 8. Januar zu schließen, es wird eine Notbetreuung angeboten. Grund für die Entscheidung war das Ansteigen der Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in Potsdam am 24. Dezember auf einen Wert über 300. Die Stadt hat daraufhin eine Allgemeinverfügung erlassen. An dieser hält die Stadt fest, auch wenn der Inzidenzwert von 300 nur an Heiligabend überschritten wurde. Seither lag dieser einige Tage zwischen 200 und 300, seit 30. Dezember wieder unter 200. 

Potsdam entscheidet neu über Kita-Schließungen

"Die Allgemeinverfügung ist nun nicht mehr an bestimmte Zahlen gebunden", erläuterte eine Stadtsprecherin am Freitag auf PNN-Anfrage. Sprich: Mit der Verfügung hat man auf das Überschreiten der 300er-Marke reagiert, jetzt steht der Beschluss. Allerdings, so betonte die Sprecherin, gelte die Verfügung zunächst nur für die eine Woche. Anfang kommender Woche (4.1.) solle die Lage neu bewertet und eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden.

Der Kita-Elternbeirat kritisiert, dass das Land die Entscheidung zu den Kitas an die Kommunen übertragen habe. "Diese können dadurch nahezu willkürlich agieren und ohne die Prüfung alternativer Maßnahmen Kitas und Tagespflegestellen schließen", heißt es im offenen Brief. 

Die Grundschulen sind landesweit wie berichtet ab 4. Januar für Präsenzunterricht geschlossen und die Kinder im Homeschooling, zunächst ebenfalls für eine Woche. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass es nicht bei der diesen fünf Tagen bleiben wird. Ministerpräsident Woidke sagte am Silvesterabend in der rbb-Sendung "Brandenburg Aktuell", er nehme an, dass bis zu den Winterferien, die in Brandenburg in der ersten Februarwoche liegen, "wir erstmal im Distanzunterricht bleiben werden". Für Lockerungen der Corona-Beschränkungen gebe es keinen Grund, dazu seien Infektions- und Todeszahlen zu hoch. 

Auch der Kita-Elternbeirat geht davon aus, dass die Schüler zumindest bis Ende Januar im Heimunterricht bleiben - und wirft dem Land Wankelmut vor. "Bei den Grundschulen ist das Land Brandenburg von seinem eigentlichen Konzept abgewichen", schreibt der Beirat in dem Brief.  Für den Distanzunterricht mangele es jedoch weiterhin "an technischer Ausstattung der Schulen und Kinder" zudem fehle oftmals die Qualifikation der Pädagogen.

Mitarbeitende sollen sich täglich testen lassen müssen

Um Schulen und Kitas trotz Pandemie offen zu halten, schlagen die Eltern eine Reihe von Maßnahmen vor. So sollten die Antigen-Schnelltests, wie sie bereits in Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden, auch in Kitas und Grundschulen genutzt werden. Mitarbeiter sollten ab sofort täglich und verpflichtend getestet werden. Für Eltern, die beispielsweise in Elternzeit oder arbeitssuchend sind, soll eine unkomplizierte Befreiung von Elternbeiträgen und Essensgeldern angeboten werden, wenn sie ihre Kinder zu Hause betreuen. "Wenn sich nur zehn Prozent der Eltern für dieses Modell entscheiden, verringert sich das Risiko einer Ansteckung in den Kitas auch um zehn Prozent." Kinderbetreuung und Homeoffice solle jedoch nicht kombiniert werden, heißt es in dem Brief. 

Räume in Theatern oder Museen sollen genutzt werden

Als zusätzliche Maßnahmen regt der Elternbeirat den temporären Einsatz von Personal aus artverwandten Branchen ein, etwa Musikpädagogen oder Sportpädagogen. Auch zusätzliche Räume in Theatern oder Museen könnten genutzt werden. Es müsse, so die Argumentation, jetzt die Voraussetzung geschaffen werden, um Kitas und Schulen offen halten zu können. Denn eine weitere längere Periode mit geschlossenen Einrichtungen, so die Befürchtung würden viele Kinder und Eltern "sozial-emotional oder wirtschaftlich nicht unbeschadet überstehen". 

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