• Flugrouten-Protest: Aufruhr in der Einflugschneise

Flugrouten-Protest : Aufruhr in der Einflugschneise

Etwa 1000 Potsdamer und Mittelmärker kamen am Montagabend zur bisher größten Demonstration gegen Fluglärm und gegen die Flugrouten für den Großflughafen BBI in der Landeshauptstadt

Hagen Ludwig
In die Luft gegangen. Rund 1000 aufgebrachte Gegner von Flugrouten über Potsdam und das Umland protestierten gestern Abend am Brauhausberg. Anschließend bewegte sich der Zug der Demonstranten zur Staatskanzlei in der Heinrich-Mann-Allee.
In die Luft gegangen. Rund 1000 aufgebrachte Gegner von Flugrouten über Potsdam und das Umland protestierten gestern Abend am...Foto: A. Klaer

Teltower Vorstadt - Es war die bisher größte Demonstration gegen drohenden Fluglärm in der Landeshauptstadt. Etwa 1000 aufgebrachte Potsdamer und Mittelmärker versammelten sich am Montagabend am Brauhausberg, um anschließend über die Friedrich-Engels-Straße und die Heinrich-Mann-Allee vor die Staatskanzlei zu ziehen. Mit Rufen wie „Wir sind das Volk“ forderten sie Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auf, Farbe zu bekennen und Potsdam und die Umlandgemeinden vor dem Lärm des künftigen Großflughafens Schönefeld zu schützen. Organisiert hatten die Demonstration die Bürgerinitiativen „Schützt Potsdam“ und „Fluglärmfreie Havelseen“, die Einwohner von Werder (Havel), Schwielowsee, Michendorf und Nuthetal vereint. Auf Vertreter der Landesregierung warteten die Demonstranten vergebens.

Unterstrichen wurde die zentrale Forderung „Außen rum statt oben drüber“. Demnach sollen An- und Abflüge für den künftigen Großflughafen bis hinter das Dreieck Werder außerhalb des Berliner Autobahnrings geführt werden. So habe eine gutachterliche Stellungnahme des Flughafenexperten Faulenbach da Costa ergeben, dass mit einem Anflugverfahren ähnlich dem in London-Heathrow nicht nur Routen innerhalb des Berliner Autobahnrings vermieden, sondern auch Flugwege verkürzt werden könnten, erklärte Havelsee-Initiativen-Sprecher Peter Kreilinger. Ministerpräsident Platzeck könne sich dem nicht verschließen, wenn er es mit seinem Versprechen, Lärmschutz gehe vor Wirtschaftlichkeit, ernst meine. Auch an einem strengen Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr führe kein Weg vorbei. „Ansonsten macht sich die Landesregierung der vorsätzlichen Körperverletzung an Zehntausenden Menschen im unmittelbaren Flughafenumfeld schuldig“, so Kreilinger. Bisher steht das Land nur zu einer nächtlichen Pause zwischen 0 und 5 Uhr (PNN berichteten). „Anders als immer wieder behauptet, bedeute der nächtliche Lärmschutz nicht einmal wirtschaftlichen Verzicht“, erklärte Kreilinger. „Es ist allgemein bekannt, dass der Nachtflugbetrieb für die Flughafenbetreiber, das heißt letztlich auch für den Steuerzahler, ein Zuschussgeschäft ist und ausschließlich im Interesse der Airlines liegt“, so der Initiativensprecher. Auch wer nur auf Wirtschaftlichkeit achte, müsse zudem gesamtwirtschaftlich denken. „Der massive Überflug über staatlich anerkannte Erholungsorte wie Werder und Schwielowsee vernichtet eine Vielzahl von Arbeitsplätzen im Tourismus und schädigt eine der attraktivsten Regionen unseres Landes massiv.“ Der Ministerpräsident dürfe sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen, denn das Land allein sei für die Planfeststellung zuständig und könne ohne Weiteres eine bürgerfreundlichere Nachtflugregelung schaffen.

„Wir haben den Flugroutenprotest dorthin getragen, wo die fatalen Fehlentscheidungen in Sachen Flughafen Schönefeld getroffen wurden und wo es bis heute kein Umdenken im Sinne der Bürger gibt“, erklärte Markus Peichl, Sprecher der Bürgerinitiative „Schützt Potsdam“, vor der Staatskanzlei. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass gerade die Region Potsdam – neben den direkten Anliegergemeinden rund um Schönefeld – zum großen Verlierer im Flugroutenstreit werden könnte. „Das Land Brandenburg bekommt rund 85 Prozent der Lärmbelastung ab, obwohl es sich um einen Gemeinschaftsflughafen von Brandenburg und Berlin handelt“, so Peichl. Die Landesregierung sehe diesen Entwicklungen tatenlos zu und lasse ihre Bürger im Stich“, erklärte der Initiativensprecher.