• Flüchtlingsunterkunft an Feuerwache in Potsdam: Flüchtlinge können eher aus Notbleibe ausziehen

Flüchtlingsunterkunft an Feuerwache in Potsdam : Flüchtlinge können eher aus Notbleibe ausziehen

Potsdam - Gute Nachricht für die Flüchtlinge an der alten Feuerwache in der Werner-Seelenbinder-Straße: Sie müssen doch nur bis Ende Mai in der Notunterkunft in den spartanischen Containern bleiben. Im Juni sollen die rund 50 Menschen dann in eine neue Unterkunft aus moderneren Wohncontainern in der Pirschheide umziehen, wie Stadtsprecher Stefan Schulze am Montag den PNN bestätigte. Wie berichtet hatte die Stadt zwischenzeitlich wegen der Platzprobleme bei der Unterbringung neuer Flüchtlinge einen Weiterbetrieb des Provisoriums bis Jahresende erwogen. Über die neue Unterkunft, die derzeit errichtet wird und die vom Internationalen Bund (IB) betrieben werden soll, waren die Anwohner bereits an einem ersten Abend durch Vertreter der Stadt informiert worden. Am heutigen Dienstag 18 Uhr folgt in der Mensa der Sportschule der zweite Infoabend.

Sicherheitsgefahr durch rechtsextreme Anschläge?

Zur geplanten neuen Unterkunft in der David-Gilly-Straße gab es am Montagabend ein zweites Treffen mit Anwohnern. In dem Neubau, der ebenfalls vom IB betrieben wird, sollen 50 Menschen unterkommen, auch zehn Notbetten wird es geben. Rund 200 Anwohner waren dazu in die Sporthalle der Foerster-Grundschule gekommen. Carol Wiener vom IB erläuterte das Konzept der Einrichtung, die am 1. Juni eröffnen soll. 50 Flüchtlinge sollen dort von drei Sozialarbeitern betreut werden. An Wochenenden und in den Nachtstunden werde ein Sicherheitsdienst vor Ort sein – auch als Ansprechpartner für Anwohner. Aus dem Publikum gab es Fragen nach der Möglichkeit ehrenamtlichen Engagements, aber nach einer möglichen Sicherheitsgefahr durch rechtsextreme Anschläge. In Potsdam gebe es nach der mit der Polizei vorgenommenen Gefahreneinschätzung „bis dato keine solche Entwicklung“, sagte Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos). Man werde die Situation aber beobachten und sei für Hinweise auf Auffälliges dankbar.

Nach Stadtangaben leben damit momentan 626 Flüchtlinge in Potsdam. 522 sind in diesem Jahr neu dazugekommen, 20 davon aus Frankfurt/Oder, das wegen des Potsdamer Platzproblems zwischenzeitlich ausgeholfen hatte. Damit hat Potsdam die geforderte Kapazität für dieses Jahr bereits erreicht. „Wir richten uns aber darauf ein, dass es möglicherweise noch mehr werden könnten“, sagte Stadtsprecher Stefan Schulze. 2016 sollen nach derzeitigen Vorhersagen erneut 600 Flüchtlinge aufgenommen werden. Deshalb würden momentan auch neue Standorte für Flüchtlingsunterkünfte geprüft. Hintergrund der gestiegenen Anzahl von Asylbewerbern sind die zahlreichen Kriege und Krisenherde weltweit.

Kosten für die Stadt noch unklar

Derzeit hat die Stadt derzeit acht Gemeinschaftsunterkünfte mit insgesamt etwa 640 Plätzen: die beiden größten Standorte sind das Wohnheim An der Alten Zauche, wo 180 Flüchtlinge leben, und die neue Unterkunft am alten Heimstandort Lerchensteig, wo Platz für 200 Flüchtlinge ist. Weitere Unterkünfte gibt es in der Hegelallee, in der Haeckelstraße, am Staudenhof, in der Dortustraße, in der Grotrianstraße sowie an der alten Feuerwache. Jährlich ziehen laut Stadt rund 100 Flüchtlinge aus den Gemeinschaftsunterkünften in eigene Wohnungen, ihre Plätze werden sofort neu besetzt. Wegen des angespannten Wohnungsmarktes blieben die Flüchtlinge im Durchschnitt anderthalb bis zwei Jahre in den Unterkünften, sagte Sozialdezernentin Müller-Preinesberger.

Welche Kosten die Stadt insgesamt durch die Unterbringung der Flüchtlinge hat, ist derzeit unklar. „Das muss noch durchgerechnet werden“, so Stadtsprecher Schulze. Die Kosten unterschieden sich je nach der Unterkunft. Dabei sei etwa die Notunterbringung an der Feuerwache wegen der hohen Mietkosten für die Container – 14 Euro pro Quadratmeter – deutlich teurer.

Alle Infos zu Flüchtlingen in Potsdam unter www.potsdam.de/asyl