Flüchtlinge in Potsdam : Unerwünscht

Auf Hermannswerder protestieren Anwohner gegen die Unterbringung von Flüchtlingen. Doch die Initiative bekommt Gegenwind

Ein Idyll - doch ist Hermannswerder tatsächlich bedroht? Repro: PNN
Ein Idyll - doch ist Hermannswerder tatsächlich bedroht? Repro: PNN

Gegen das geplante Flüchtlingsheim auf Hermannswerder formiert sich massiver Widerstand von zum Teil prominenten Anwohnern. Selbst mit Klage wird gedroht. Den PNN liegt ein Schreiben einer neuen Bürgerinitiative „Pro Tornow – für eine nachhaltige Entwicklung“ an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) vor, in der der von den Stadtverordneten bereits bestätigte Asylstandort Tornowstraße als ungeeignet bezeichnet wird. Angefügt ist eine von 177 Anwohnern signierte Unterschriftenliste, darunter bekannte Potsdamer wie Kanu-Urgestein und -Olympiasieger Jürgen Eschert oder der Chef der Seminaris-Hotel-Gruppe, Hartmut Pirl.

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Wie berichtet soll das Gebäude Tornowstraße 51 der Stadt zunächst nur als Reservestandort für ein Flüchtlingsquartier mit maximal 100 Plätzen dienen, sollte die Zahl der Asylbewerber in Potsdam so schnell steigen wie befürchtet. In dem Haus ist das Magazin des Potsdam Museums untergebracht. Für 500 000 Euro soll das Haus nun bis Juli umgebaut werden, hatte die Stadtverwaltung ausgeführt.

Mit dem nötigen Umzug des Magazins und den damit verbundenen Kosten argumentiert auch die Initiative, dies alles sei „unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten“ nicht tragbar. Unter anderem sei in das Haus zuletzt erst eine hochwertige Klimaanlage eingebaut worden, so ein Argument. Sorgen bereitet der Initiative aber vor allem, dass das „über Jahre gewachsene Gleichgewicht“ auf Hermannswerder zwischen Anwohnern, Schulen sowie den dort befindlichen Sozialeinrichtungen für Behinderte und Suchtkranke durch ein neues Flüchtlingsheim erheblich gestört würde, wie es in dem Schreiben heißt. Das Konzept, kranken und behinderten Mitbürgern aufgrund der Insellage einen „geschützten Raum“ zu bieten, würde mit einem Flüchtlingsheim „mehr als konterkariert“, so die Initiative.