• Film „Rechenzentrum – Produktion im Provisorium“: Nach der Euphorie

Film „Rechenzentrum – Produktion im Provisorium“ : Nach der Euphorie

Heute hat der zweite Teil des Films „Rechenzentrum – Produktion im Provisorium“ Premiere und zeigt, was im vergangenen Jahr im Kreativkosmos passiert ist. Gezeigt wird der Film am Drehort selbst.

Oliver Dietrich
Stillleben. Seit mehr als 20 Jahren ist am Rechenzentrum nichts mehr gemacht worden. Niemand hat etwas investiert, entsprechend marode ist das Gebäude. Auch das zeigt der zweite Teil des Films „Rechenzentrum – vom Abrissprojekt zum Kreativkosmos“. F.: K. Tschesch
Stillleben. Seit mehr als 20 Jahren ist am Rechenzentrum nichts mehr gemacht worden. Niemand hat etwas investiert, entsprechend...

Potsdam - Was kommt nach der Euphorie? Auf den Tag genau ein Jahr ist vergangen, als die Dokumentation „Rechenzentrum – vom Abrissprojekt zum Kreativkosmos“ im Babelsberger Thalia-Kino ausgestrahlt wurde. Der größte Saal des Kinos war mit 350 Besuchern bis auf den letzten Platz besetzt, Potsdams kreative Oase an der Breiten Straße, direkt neben dem Gelände der geplanten Garnisonkirche, wirkte allzu magnetisch. Es war aber genau diese Euphorie, etwas Neues zu schaffen, ein Refugium zu besetzen für die so arg gebeutelte kreative Szene der Hauptstadt. Und dann auf einmal dieses gebeutelte Gebäude, ein ranziger Bürokomplex in DDR-Blockbauweise – aber voller Büroräume, die den Kreativen zur Verfügung gestellt wurden. Die nahmen das Angebot dankbar an: Über 100 Künstlerinnen und Künstler haben ihre Heimat inzwischen in dem Gebäude gefunden. Aber der Investitionsstau lastet schwer auf den Schultern: Seit über 20 Jahren ist an dem maroden Gebäude nichts mehr gemacht worden.

Niemand investiert in etwas, was zum Abriss freigegeben ist

Ein Jahr ist vorbei. Und genau da setzt der zweite Teil des Films mit dem Titel „Rechenzentrum – Produktion im Provisorium“ an: Was ist passiert, wie geht es drinnen voran? Denn die Nutzungszeit ist beschränkt. Wer jetzt noch einen der begehrten Mietverträge unterschreibt, der setzt seine Unterschrift auch auf das Einverständnis, Ende August 2018 wieder auf der Straße zu stehen – bis dahin ist die Nutzung nämlich befristet. Mit allen Klauseln, die so ein potenzielles Abrissprojekt eben mit sich herumträgt. Das bedeutet etwa rein rechtlich, dass das Objekt nicht saniert werden darf, sondern nur instand gehalten. Das ist durchaus ein Problem: Niemand investiert in etwas, was zum Abriss freigegeben ist.

Genau das zeigt der Film auch, etwa die nicht funktionierenden Aufzüge. Der letzte gab irgendwann im Mai den Geist auf, Ersatzteile waren nur schwer zu beschaffen – aber wie bekommt man denn die schweren Kisten sonst in den vierten Stock? Im August dann die Entwarnung: Ein Aufzug funktioniert wieder. Ein Grund zum Feiern.

Sollte genug Geld für das Kirchenschiff zusammenkommen, wäre das Ende des Rechenzentrums besiegelt

Aber noch kein Grund zum Aufatmen. Denn ein Teil des Gebäudes, das vom städtischen Sanierungsträger verwaltet wird, gehört der Garnisonkirchenstiftung – und man kann es nicht wie aus einem Kuchen herausschneiden. Sollte nur der Turm gebaut werden, gibt es noch Hoffnung für den Weiterbetrieb, aber das Kirchenschiff wäre das Aus für das Rechenzentrum. „Wir haben ein Abrissbegehren, das wir ziehen könnten – wenn das Geld vom Himmel fällt“, sagt Garnisonkirchen-Vorstand Wieland Eschenburg. Im Klartext: Sollte genug Geld für das Kirchenschiff zusammenkommen, wäre das Ende des Rechenzentrums besiegelt. Noch ist alles in der Schwebe. Oder wie Bert Nicke von der Pro Potsdam es formuliert: „Hoffnung gibt’s, aber Sicherheit: nein.“

Soll der Film denn irgendwann einmal ein Dokument der Zeitgeschichte werden? „Wir möchten natürlich nicht irgendwann die Abrissbirne filmen müssen“, sagt Kristina Tschesch, die zusammen mit Elias Franke den Film gedreht hat. „Wenn wir das Damoklesschwert ständig spüren würden, könnten wir ja gar nicht arbeiten“, sagt Franke. Überhaupt: Einen Imagefilm habe man gar nicht machen wollen, sondern eine Dokumentation. „Wir wollen nicht nur die schönen Dinge zeigen, sondern auch die Herausforderungen“, so Franke. Und davon gibt es derzeit noch genug.

Filmpremiere „Rechenzentrum – Produktion im Provisorium“ am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Rechenzentrum, Dortustraße 65. Im Anschluss gibt es eine Diskussionsrunde mit dem Filmteam und ein Konzert der Potsdamer Band mueller-mueckenheimer. Der Eintritt ist frei.

 

Ein erster Vorgeschmack auf den Film: