• Fast vergessenes Handwerk: Potsdamer Studentin beherrscht die Strohmarketerie

Fast vergessenes Handwerk : Potsdamer Studentin beherrscht die Strohmarketerie

Die Potsdamer Studentin Irene Meneghetti hat ein 100 Jahre altes Stadtgemälde restauriert - aus Stroh.

Dieses Bild, aus zahlreichen Strohstücken geflochten, zeigt die bayerische Stadt Schillingsfürst auf der Frankenhöhe.
Dieses Bild, aus zahlreichen Strohstücken geflochten, zeigt die bayerische Stadt Schillingsfürst auf der Frankenhöhe.Foto: Irene Meneghetti

Potsdam - Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Gemälde aus vielen Gelb- und Brauntönen: Doch wer näher an das Bild herangeht, das die bayerische Stadt Schillingsfürst auf der Frankenhöhe zeigt, erkennt, dass die komplette Stadt bis zum kleinsten Schornstein aus filigranen Strohstückchen zusammengelegt wurde. Strohmarketerie nennt sich diese fast vergessene Technik, die kaum noch jemand beherrscht. Die Potsdamer Studentin Irene Meneghetti restaurierte damit über zwei Jahre lang das rund 100 Jahre alte Bild, so dass es heute wieder in altem Glanz erstrahlt. Derzeit ist es im Ludwig-Doerfler-Museum in Schillingsfürst zu sehen.

Das Projekt fand im Rahmen des Studiengangs Konservierung und Restaurierung der Fachhochschule (FH) Potsdam statt. „Es gab an dem Bild viele lose Teile, die gesichert und gereinigt werden mussten, einige Stellen waren beschädigt, vor allem in der Mitte und im Himmel über der Stadt“, sagt die 30-jährige Restauratorin, die mittlerweile ihr Studium abgeschlossen hat. Schlechte klimatische Bedingungen hatten dazu geführt, dass sich das Trägerholz verformt und aufwölbt hatte, dadurch hatten sich einige der Strohintarsien gelöst.

Irene Meneghetti.
Irene Meneghetti.Foto: Irene Meneghetti

Bild besitzt großen lokalgeschichtlichen Wert

Die Stadt Schillingsfürst hatte sich deshalb an die FH gewandt, um das 80 mal 60 Zentimeter große Bild zu retten. Denn die historische Stadtansicht, die vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist, besitzt großen lokalgeschichtlichen Wert. „Der Bürgermeister hatte ein großes Interesse an der Restaurierung des Bildes“, sagt Meneghetti. Entstanden ist es wahrscheinlich im Auftrag des Ehrenbürgers Anton Roth durch den Künstler J. Schuh, wie die Stroh-Signatur verrät. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass solche Bilder überhaupt signiert sind“, sagt Meneghetti.

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Die Restaurierung und Konservierung des Objektes gestaltete sich aufwändig: Nach einer Reinigung des stark verstaubten Bildes klebte Meneghetti lose Marketerieteile mit einem Methylcellulose-Leim wieder an. Alte Restaurierungen, die mit einem farblich nicht passenden Kitt vorgenommen worden waren, ersetzte sie. Die Verformung wurde belassen, da eine Glättung des Trägerholzes vermutlich zu weiteren Schäden am Strohbild geführt hätte. 

Ein einzigartiges Objekt

Durch UV-Untersuchungen wurden zudem Fehlstellen sichtbar, die Meneghetti ebenfalls ersetzte. Lose Stuckteile am Rahmen wurden wieder aufgeleimt oder mit Vergoldermasse ergänzt und retuschiert. Zum Schluss wurde ein neuer Kastenrahmen angefertigt, der den Ansprüchen des Objektes besser gerecht werden soll, als der schwere, alte Goldrahmen.

„Es ist ein einzigartiges Objekt“, sagt Meneghetti, die neben der handwerklichen Arbeit an dem Objekt auch die historische Recherche zum Strohmarketeriebild gereizt hatte. „Die Landschaftsszenen sind sehr genau nach der Natur beobachtet. Herausragend ist die Verwendung geometrischer Formen zur Darstellung von Vegetation“, schreibt sie in ihrer Projekt-Beschreibung. Inspiriert wurden diese Techniken vermutlich durch französische Produktionen, wie es heißt.

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