• Fahrradklima-Test des ADFC: Potsdams Radfahrer verteilen schlechtere Noten

Fahrradklima-Test des ADFC : Potsdams Radfahrer verteilen schlechtere Noten

Potsdam rutscht beim Fahrradklima-Test weiter ab. Besonders schlechte Noten bekommt die Landeshauptstadt für fehlende Maßnahmen in der Coronakrise.

Potsdam bekommt die Note 3,69 in Sachen Fahrradfreundlichkeit.
Potsdam bekommt die Note 3,69 in Sachen Fahrradfreundlichkeit.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Befriedigend bis ausreichend - so bewerten Radfahrerinnen und Radfahrer das Fahrradklima in Potsdam. Beim Fahrradklima-Test des ADFC rutschte die Landeshauptstadt, Gründungsmitglied der AG Fahrradfreundliche Kommunen in Brandenburg, erneut ab. Eine Gesamtnote von 3,67 bekommt Potsdam von den Radfahrern ausgestellt - vor zwei Jahren war es noch 3,62, vor vier Jahren 3,57. Unter den deutschlandweit 41 Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern liegt Potsdam jetzt nur noch auf Platz 8, ein Abstieg um drei Plätze im Vergleich zur letzten Umfrage. Sieger Göttingen kommt auf eine Note von 3,27, der Bundesdurchschnitt liegt bei 3,9. An der Umfrage, die der ADFC alle zwei Jahre durchführt, haben sich diesmal den Angaben zufolge 991 Radfahrer und Radfahrerinnen in Potsdam beteiligt - rund 240 weniger als vor zwei Jahren.

Schulnote 4,2 für Sicherheit und Komfort beim Radfahren

Besonders schlechte Noten bekommt Potsdam für die Falschparkkontrolle auf Radwegen und beim Problem Fahrraddiebstahl - jeweils 4,7. Auch die Breite der Wege wird nur mit 4,6 bewertet. Als Ärgernisse werden zudem Konflikte mit dem Kfz-Verkehr sowie die Ampelschaltungen für Radfahrer wahrgenommen. Sowohl bei der Sicherheit als auch bei der Frage nach dem Komfort beim Radfahren kommt Potsdam nur auf jeweils 4,2.

Lediglich in sechs von 32 abgefragten Kategorien steht eine 2 vor dem Komma, darunter für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, das zügige Radfahren und öffentliche Fahrräder. Immerhin als gerade noch gut (2,6) wird die Infrastruktur des Radwegenetzes bewertet.

Potsdam hat Coronakrise nicht für Stärkung des Radverkehrs genutzt

Auf den Fahrradboom in der Coronakrise hat die Landeshauptstadt nach Einschätzung der Befragten nicht angemessen reagiert. Das geht aus den Ergebnissen der Sonderbefragung "Corona" hervor. Hier erhielt Potsdam eine Schulnote von 3,99. "Handfeste Rad-Signale" wie Pop-Up-Radwege sahen die Radfahrer mehrheitlich nicht - es gab die Note 5,2. Wie berichtet hatte die Stadt die Einrichtung solcher temporären Radwege nach Berliner Vorbild als überflüssig abgelehnt. Der benachbarten Bundeshauptstadt verlieh der ADFC einen Corona-Sonderpreis.

Auf Landesebene fallen die Ergebnisse nicht besser aus: "Das Fahrradklima in Brandenburg ist unverändert schlecht, Radfahrer fühlen sich auf Brandenburgs Straßen und Radwegen nicht wohl", bilanziert ADFC-Landeschef Stefan Overkamp. Die Entwicklung beim Radverkehr stagniere: "Keine einzige Brandenburger Kommune konnte die Zufriedenheit unter den Radfahrenden in den letzten zwei Jahren steigern", so Overkamp. Trotz Corona und Fahrradboom hätten die Menschen nicht das Gefühl, dass sich ihre Situation verbessert hätte.

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ADFC-Landeschef Overkamp beklagt den fehlenden Willen für eine Verkehrswende in den Kommunen und beim Land. Overkamp verweist auf die vom ADFC mit ins Leben gerufene Volksinitiative Verkehrswende, über die der Landtag am 24. März abstimmt. Darin wird unter anderem ein Mobilitätsgesetz und ein landesweiter Radverkehrsplan gefordert.

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