• Fähr- und Fischerhaus in Uetz wird restauriert: Im Auftrag des Königs

Fähr- und Fischerhaus in Uetz wird restauriert : Im Auftrag des Königs

Henry Sawade und Sabine Swientek restaurieren seit Jahren liebevoll das einstige Fähr- und Fischerhaus in Uetz. Einst gab es darin sogar eine Teestube – für Friedrich Wilhelm III.

Vom alten Fährhaus in Uetz legt längst keine Fähre mehr ab. Henry Sawade und seine Lebensgefährtin sanieren das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert mit viel Liebe zum Detail.
Vom alten Fährhaus in Uetz legt längst keine Fähre mehr ab. Henry Sawade und seine Lebensgefährtin sanieren das Gebäude aus dem...Foto: A. Klaer

Potsdam - Ein Fährhaus? Doch nicht an dieser Stelle, denkt man unwillkürlich. Kein Fluss ist zu sehen, über den eine Fähre übersetzen könnte. Nicht einmal ein kleiner See. Und trotzdem: Wer im nördlichen Potsdamer Ortsteil Uetz an der Kirche vorbei die Dorfstraße in Richtung Autobahn hinunterfährt, sieht linker Hand ein altes Fachwerkgebäude, das einst ein Fährhaus war. Große Planen an einem Baugerüst versperren zwar noch die freie Sicht aufs historische Gemäuer. An einer Giebelseite jedoch kann man von der Straße aus schon einen Blick auf das Haus erhaschen. Ein Blick, der sofort Lust macht auf mehr.

Eine Dreiecksbeziehung mit dem alten Fährhaus

Hausherr Henry Sawade empfängt seinen Besuch am Gartentor. Schnell sind alle Augen auf das einstige Wohnhaus des Fährmanns und Fischers gerichtet. Auf jenes Liebhaberobjekt, mit dem Sawade und seine Lebensgefährtin Sabine Swientek seit vier Jahren wohl so etwas wie eine Dreiecksbeziehung führen. Die Stunden, die Sawade und Swientek gemeinsam mit Freunden bislang in die Sanierung des etwa 180 Jahre alten Hauses gesteckt haben, sind ungezählt. Immens ist der Aufwand, mit dem die Wiederherstellung des denkmalgeschützten Gebäudes betrieben wird. „Das kannst du im Prinzip nur machen, wenn du ein bisschen verrückt bist“, sagt Sawade. Vom Geld, das er hier investiert hat, will der 50-Jährige nicht sprechen. Dafür umso mehr von seiner Liebe zu dem geschichtsträchtigen Bau. Und von viel Detektivarbeit an Lehm, Ziegelsteinen und Holz.

So hat Sawade in der früheren Fischerstube, rechts vom Hintereingang des Hauses, 28 Farbschichten an der Wand gefunden. Sein Ziel: Die ursprüngliche Farbfassung aus der Zeit, als das Haus erbaut wurde, soll hier eines Tages wieder sichtbar werden – allerdings aufgemalt auf neuem Putz. Das alte Material hat Sawade abgenommen. Einzelne Fragmente wurden eingelagert und bleiben so der Nachwelt erhalten. Den Anblick der Wände in der Fischerstube bestimmen momentan noch die Schläuche der Wandheizung, die Sawade eingebaut hat. Aber irgendwann kommt wieder Putz drauf. Und dann die Malerei – unter anderem ein Eichenlaubfries.

Autobahn der Todesstoß für den natürlichen Wasserlauf

Dass neben dem Anwesen einmal die Wublitz floss, daran erinnert heute nur noch das sumpfige Gelände in der Nachbarschaft – und eben jenes Fähr- und Fischerhaus. „Der historische Fähranleger war ungefähr dort, wo jetzt die Bank steht“, sagt Sawade und zeigt auf ein hölzernes Sitzmöbel am Rand des Grundstücks. Die Wublitz ist schon lange verlandet. Im Jahre 1936 rückten Scharen von Arbeitern an, um hier den Berliner Autobahnring durchzuziehen. Der neue Damm machte den Fluss kaputt. „Die Reichsautobahn war sozusagen der Todesstoß für den natürlichen Wasserlauf“, erklärt Sawade. Seitdem ist auch die Ruhe dahin. Die Autobahn befindet sich gleich neben dem Fährgrundstück. Ohne Lärmschutzwand. Theodor Fontane befand in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ noch, Uetz sei gewiss der stillste Ort im Havelland.

So können sich die Zeiten ändern. Auch der König kommt hier nicht mehr vorbei. Friedrich Wilhelm III. setzte beim Fährmann in Uetz über die Wublitz, wenn er zum Schlösschen nach Paretz wollte oder von dort zurückkehrte. Für den Monarchen war im Fährhaus extra eine Teestube eingerichtet worden. Ob sie Friedrich Wilhelm III. wirklich genutzt hat, kann man nur vermuten. Sawades Forschungen zufolge entstand das Fährhaus in der zweiten Hälfte der 1830er-Jahre. Kurze Zeit später, im Jahre 1840, starb der König. Bei Fontane liest sich das etwas anders. Er datiert den Bau des Hauses auf die Zeit bis 1810. Offenbar irrte der wandernde Literat in diesem Punkt. Friedrich Wilhelms im Volk so überaus beliebte Gattin Luise, die bereits 1810 verstarb, hat das Haus demnach nicht mehr kennengelernt. Sie wird noch den Vorgängerbau, eine alte Fährmannshütte, gesehen haben.

Jeden Stein einzeln herausgenommen, kartiert, gereinigt

Auftraggeber für das reich verzierte neue Fähr- und Fischerhaus war laut Sawade der König selbst oder sein Sohn, der Kronprinz. Als Architekt fungierte wohl kein Geringerer als Ludwig Persius. Sawade hat bereits die Kopie eines Planes vom Haus mit der Unterschrift des Architekten gesehen. Um allerletzte Zweifel an der Urheberschaft von Persius auszuräumen, will sich Sawade irgendwann auch noch das Original des historischen Papiers ansehen. Genauigkeit ist für den 50-Jährigen Ehrensache. Und mit eben jener Exaktheit geht der Bauherr auch bei den Restaurierungsarbeiten vor – immer in Abstimmung mit der Denkmalpflege, wie er versichert. Jeder Stein in den Außenmauern des Hauses wurde laut Sawade im Verlaufe der Sanierungsarbeiten herausgenommen, kartiert, gereinigt und wieder eingesetzt. Kleingetier hatte sich über die Jahrzehnte in den Mauern eingenistet. Das Holz des Fachwerks war stark angegangen. „Wir haben zum Teil alte Holzbalken besorgt“ – als Ersatz für nicht mehr zu rettende Holzteile. „Es gab eine Schwelle – das war Blumenerde“, beschreibt der Bauherr den desolaten Zustand des Hauses vor dem Beginn der Restaurierung. Inzwischen sind Swientek und Sawade mit den Arbeiten schon so weit vorangekommen, dass sie im Dachgeschoss des Hauses eingezogen sind.

Ursprünglich war das ganze Haus von außen bemalt. Diese prächtige Zier will Sawade, der beruflich bei einem Träger der Freien Jugendhilfe tätig ist, wieder herstellen. Die Fensterläden waren einst mit ochsenblutroten Linien auf eierschalenfarbenem Untergrund verziert. Sawade hat bereits damit begonnen, diese Farbgebung zurückzubringen. „Für mich ist das eher Meditieren“, sagt der Bauherr über seine eigenhändigen Malerarbeiten. Die außen liegenden Kiefernholzbalken waren einst so bemalt, dass sie wie Eichenholz wirkten. Auch diese aparte Pracht mit ihren floralen Verzierungen hat Sawade zu einem kleinen Teil bereits wieder hergestellt. Er hofft, in fünf bis sechs Jahren mit der Sanierung des Gebäudes fertig zu sein. Liebevoll blickt er auf das Haus. „Es ist Teil unseres Lebens geworden.“

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