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Fachhochschule Potsdam : Studierende klagen über Nervengift in Seminarraum

Studierende der Fachhochschule Potsdam protestieren gegen Naphtalin-Geruch im Seminarraum. Die Hochschule und das Land halten die Belastung für unbedenklich.

Studierende der Fachhochschule Potsdam und haben Protestaktion gestartet.
Studierende der Fachhochschule Potsdam und haben Protestaktion gestartet.Foto: StuRa FB 5

Potsdam - Studierende der Fachhochschule Potsdam klagen über eine Belastung mit dem Nervengift Naphtalin in einem Seminarraum. Betroffen sei der Raum 202 im Haus 2, einem Bestandsbau auf dem Campus Pappelallee, wie der Studierendenrat (Stura) des Fachbereichs am Dienstag mitteilte. Der Stura fordert, dass der Raum nicht weiter genutzt wird, "um die Gesundheit von Studierenden und Lehrenden nicht weiter aufs Spiel zu setzen". Aus Protest haben die Studierenden Schutzanzüge an die Lehrkräfte verteilt und "Warnschilder" an die Tür geklebt. Hochschulsprecherin Steffi Brune sagte den PNN am Dienstag, in dem besagten Raum sei lediglich "eine leicht erhöhte Belastung" festgestellt worden. Dieser werde "als unbedenklich eingeschätzt". Dennoch suche man für den Raum eine Alternative.

Das Problem besteht offenbar seit Renovierungsarbeiten im Februar 2017. Damals sei der Fußboden in dem besagten Raum 202 sowie im benachbarten Raum 201 erneuert worden, erklären die Studierenden: "Seitdem wurden unangenehme Gerüche nach Mottenkugeln in beiden Räumen wahrgenommen." Bei einigen Personen könne das zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen.

Hochschule weist Angaben der Studierenden zurück

Die Studierenden verweisen auf eine Untersuchung durch den Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) im Mai 2018. Dabei sei in der Raumluft ein Wert von 0,024 mg/m³ festgestellt worden. Das liege zwar unter dem Grenzwert zwei, dem sogenannten Gefahrenwert, von 0,03 mg/m³, der eine akute Gesundheitsgefährdung bedeutet, aber deutlich über dem Grenzwert eins, dem sogenannten Vorsorgewert, von 0,01 mg/m³.

Die Fachhochschule weist die Angaben zurück: Laut Hochschulsprecherin Brune wurden in dem Raum lediglich 0,0082 mg/m³ gemessen. Damit seien keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten. Der Brandenburgische Landesbetrieb bestätigte das auf PNN-Nachfrage. Allerdings sei der benachbarte Raum 201 wegen überhöhter Werte - 0,025 mg/m³ Naphtalin - geräumt und gesperrt worden, sagte Hochschulsprecherin Brune: "Der Kollege hat ein anderes Büro bekommen." Vorsorgeuntersuchungen habe es zudem auch im darunterliegenden Raum 101 gegeben, auch dort sei ein unbedenklicher Wert gemessen worden.

Gesperrter Büroraum soll in den Semesterferien saniert werden

Laut BLB wird die Geruchsbelästigung durch Ausdunstungen von Teerpappen versursacht, die früher als Abdichtung verwendet wurden. Wieso es ausgerechnet jetzt zu der Belastung kommt, werde gemeinsam mit dem Landesamt für Arbeitsschutz noch untersucht. Im gesperrten Raum 201 soll der Fußboden komplett saniert werden, sagte Sprecherin BLB-Sprecher Ulrike Rehberg den PNN. Das könne wegen der Lärmbelästigung erst in den Semesterferien ab Februar 2020 passieren. Für die Sanierung sei man aktuell auf der Suche nach Handwerksbetrieben, die Arbeiten seien ausgeschrieben.

Schwangere sollen in dem Raum keine Seminare wahrzunehmen

Die Studierenden stören sich indes an den Lehrveranstaltungen im Raum 202. "Von offizieller Seite wird schwangeren Studierenden empfohlen, an keiner Lehrveranstaltung in diesem Raum teilzunehmen", teilten sie mit. Man habe die Hochschulleitung bereits mehrfach auf das Problem hingewiesen, unter anderem mit einer Unterschriftenliste.

Das Nervengift Naphtalin wurde laut dem Umweltbundesamt früher für Mottenkugeln verwendet und findet sich heute unter anderem in teerhaltigen Bodenaufbauten, vereinzelt auch Kautschuk-Bodenbelägen. Von der EU wird der Stoff als krebsverdächtig eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation hat für Innenraumluft einen Jahresmittelwert von 0,01 mg/m³ festgelegt. Das Umweltbundesamt selbst nennt zwei Grenzwerte: Der sogenannte Vorsorgewert liegt bei 0,01 mg/m³, der Gefahrenwert bei 0,03 mg/m³. Naphthalin wird zudem als Indikator für eine Belastung der Raumluft mit weiteren potenziell problematischen Substanzen gewertet.