• EWP Potsdam: Abwasser marsch: Das Hauptpumpwerk am Stern ist fertig umgebaut

EWP Potsdam : Abwasser marsch: Das Hauptpumpwerk am Stern ist fertig umgebaut

Der Umbau des Hauptpumpwerks Am Stern dauerte anderthalb Jahre länger als geplant. Der Grund sind Verstopfungsprobleme durch Feuchttücher in der Toilette

Das Hauptpumpwerk am Stern leitet das Abwasser von rund 30000 Potsdamern zum Klärwerk nach Stahnsdorf.
Das Hauptpumpwerk am Stern leitet das Abwasser von rund 30000 Potsdamern zum Klärwerk nach Stahnsdorf.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Es stinkt nicht. Das ist insofern erstaunlich, als durch die dicken silbernen und blauen Rohre tausende Liter Abwasser gepumpt werden. Mit lautem Brummen arbeiten die mächtigen Pumpen. Das Vibrieren ist im ganzen Gebäude des nach vier Jahren Bauzeit – statt zweieinhalb – frisch sanierten Hauptpumpwerks am Stern deutlich zu spüren. Wer in Drewitz, Am Stern oder im Kirchsteigfeld duscht, zur Toilette geht oder die Waschmaschine anstellt, dessen Abwasser landet in einem von außen unauffälligen grauen Gebäude in der Schwarzschildstraße. Dazu kommt bei Niederschlag auch noch das Regenwasser. Von hier aus wird das Abwasser von 30 000 Potsdamern dann acht Kilometer weit zur Kläranlage in Stahnsdorf gepumpt, die es reinigt und aufbereitet. 

4,2 Millionen Euro wurden investiert

Die Technik liegt unter der Erde. Seit 2015 wurde sie für 4,2 Millionen Euro komplett erneuert, neue Pumpen, ein neues Fundament, neue Rohre, neue Filter. „Das war eine ingenieurtechnische Meisterleistung“, sagte Sophia Eltrop, Geschäftsführerin der Energie und Wasser Potsdam (EWP), am  Donnerstag bei einer Führung durch das Werk für die Presse. Der Grund für die Komplexität des Vorhabens: Es musste bei laufendem Betrieb geschehen. Die Ingenieure mussten also schrittweise umbauen, während die Anlage weiterlief. Erschwerend hinzu kommt, dass der Untergrund unter dem Fundament des zehn Meter in den Boden eingelassenen Gebäudes feucht und weich ist. „Das steht hier im Grundwasser, deshalb gibt es Auftrieb“, erläuterte Norbert Schwentke, der die Abteilung Wassernetze der EWP leitet. Wenn man also die Hälfte der Pumpen und Speicher abgerissen hätte, wäre das ganze Gebäude womöglich in Schieflage geraten. „Wir haben in 133 Etappen gearbeitet, eine Wand abgerissen, und dann neu gebaut und so weiter, damit die Anlage nicht kippt“, beschreibt Schwentke. 

Der Umbau musste in 133 Einzelschritten erfolgen, weil das Gebäude sonst zu kippen drohte, erklärt Norbert Schwentke, Abteilungsleiter Wassernetze der EWP.
Der Umbau musste in 133 Einzelschritten erfolgen, weil das Gebäude sonst zu kippen drohte, erklärt Norbert Schwentke,...Foto: Andreas Klaer


Das alte, in den 1970ern erbaute Pumpwerk war in die Jahre gekommen. Bei einer umfangreichen Untersuchung zeigte sich, dass neben den Pumpen auch das Fundament erneuert werden musste, da es von Betonkrebs zerfressen war. Das neue Werk hat eine höhere Kapazität als das alte, das System wurde modernisiert und kann laut Schwentke auch besser mit starken Regenfällen umgehen. 
Nun wird das Abwasser in zwei separaten Sammelräumen aufgefangen. 450.000 Liter passen in jeden von ihnen. Wenn ein Raum voll ist, springt vollautomatisiert die Pumpe an – Mitarbeiter braucht es nur für Wartung und Überwachung – und pumpt das Wasser Richtung Stahnsdorf. Die Fließgeschwindigkeit ist hoch, 110 Liter – der Inhalt zweier voller Badewannen – werden pro Sekunde durch die Rohre geschickt. Das stellt sicher, dass möglichst wenig Ablagerungen die Rohre verschmutzen. 

Feuchttücher können zu Verstopfungen führen

Ursprünglich sollte die Sanierung des Pumpwerks bereits im Dezember 2017 abgeschlossen sein. Dass es eineinhalb Jahre länger gedauert hat, lag vor allem an Verstopfungen. Insbesondere Feuchttücher, die die Potsdamer in die Toilette werfen, sind ein großes Problem. Es entstehen meterlange „Verzopfungen“, die die Pumpen lahmlegen können. Mitarbeiter müssen diese stoppen, öffnen und von Hand die Feuchttuchzöpfe entfernen. „Im vierwöchigen Probebetrieb mit den neuen Pumpen hatten wir im Schnitt mehr als einen solchen Vorfall pro Tag“, erinnert sich Schwentke. Also musste in Zusammenarbeit mit der Pumpenfirma noch einmal nachgebessert, die 3,5 Tonnen schweren Pumpen erneut ausgetauscht werden. 
Ebenfalls neu ist der so genannte Biofilter. Die insgesamt 32 Meter langen, containerartigen Klötze sind mit Rindenmulch gefüllt. Wer auf eine Leiter steigt, sieht, wie dieser mit Pflanzen bewachsen ist und mit Wasser besprengt wird. Die stinkende Luft aus den Sammelräumen wird hier durchgeleitet und kommt tatsächlich geruchsneutral oben heraus.

Der Biofilter, eine Art mit Rindenmulch gefüllter Container, reinigt die stinkende Luft aus den Sammelbehältern für Abwasser.
Der Biofilter, eine Art mit Rindenmulch gefüllter Container, reinigt die stinkende Luft aus den Sammelbehältern für Abwasser.Foto: Andreas Klaer


Das Hauptpumpwerk Am Stern ist eines von fünf Hauptpumpwerken in der Stadt, die das Abwasser direkt in die Klärwerke leiten. Insgesamt gibt es 160 Pumpanlagen, die das Wasser zu den fünf großen pumpen. Das Abwasser aus dem Potsdamer Süden landet in Stahnsdorf, das aus dem Potsdamer Norden in den Kläranlagen Potsdam-Nord in Nedlitz und in Satzkorn. 
Auch diese beiden Anlagen soll in den nächsten Jahren umgebaut und erweitert werden. Wie berichtet planen die kommunalen Stadtwerke bis zum Jahr 2030 Investitionen von 350 Millionen Euro im Bereich Wasser. Rund 23 Millionen Euro sollen in die Kläranlage Potsdam-Nord fließen. Die Bauarbeiten haben im September begonnen, derzeit sind laut Eltrop die Erdarbeiten im Gange. Um 30 Prozent soll die Kapazität gesteigert werden, 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Im Anschluss soll auch die Kläranlage in Satzkorn aufgerüstet werden. „Wir wollen die Kapazität verdoppeln“, erklärt Schwentke. Das sei insbesondere im Hinblick auf das Wachstum der Stadt im Norden und die Pläne für das neue Viertel in Krampnitz nötig. Ein weiteres Großprojekt, auch dieses bedingt durch das Wachstum der Stadt, ist eine zweite große Abwasserdruckleitung durch Babelsberg. Der erste Bauabschnitt von der A115 bis zur Gartenstraße soll 2022 beginnen. 

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