• Etwas HELLA: Smart City wird’s richten

Etwas HELLA : Smart City wird’s richten

Zuerst las ich es in der Zeitung und nun lockt sie auch von den Litfaßsäulen: die smarte Stadt. Ach, denke ich, wenn sie doch bald käme mit den intelligenten Mülltonnen und den Ampeln, die grün zeigen, wenn ich vor lauter Warten an einer unbefahrenen Kreuzung nur noch rot sehe.

Für den Haushalt soll es ja schon Kühlschränke geben, die ihrem Besitzer sagen, was gerade an unverzichtbaren Lebensmitteln fehlt, etwa eine der fünf bevorzugten Sorten Joghurt oder der Lieblingskäse oder ein schönes kühles Bier, weil ja längst Frühlingsanfang war. (Gucken Sie jetzt bitte nicht aus dem Fenster.) Mein Kühlschrank ist noch eine echte Dumpfbacke und ich muss mir mit den schnöden altmodischen Einkaufszetteln helfen. Auch der Herd sagt noch nicht Bescheid, wenn gleich der Braten anbrennt oder das Eierwasser verkocht ist. Aber da sinne ich schon auf Abhilfe und kaufe mir demnächst ein Kochgerät mit Zeitschalter. Dass der Herd mich im Nachbarzimmer anruft, weil ich mal wieder vor dem Fernseher hängen geblieben bin und die neuesten Wetternachrichten abrufe, ist wohl selbst in einem intelligenten Haushalt noch zu viel verlangt. Und wer erfindet endlich eine Such-App, die in der Handtasche das nach oben befördert, was man gerade braucht, statt es in deren letzter Ecke zu verstecken.

Auf die intelligenten Mülltonnen und die auf Bedarf umschaltenden Ampeln warte ich auch schon sehnsüchtig und ich wünsche mir ein Kehrgerät, dass Dreck und Hundehäufchen aufnimmt, ehe ich hineingelatscht bin. Vielleicht so in der Art der unermüdlichen, automatisch gesteuerten Rasenmäher. Der Winterdienst, angetrieben durch menschliche Intelligenz, klappt vor meiner Haustür recht gut. Das lassen wir erstmal noch so.

Doch grundsätzlich ist die moderne Technik ja längst viel besser geworden als der moderne, leider aber oft Dienst nach Vorschrift machende Mensch. Auf solche Blitzideen wie das zusätzliche Aufstellen einer braunen Tonne im Sommer und Herbst in Gegenden mit Hausgärten, warte ich zum Beispiel bisher vergebens. Um die Weihnachtsfeiertage mal eine blaue Papiertonne mehr herauszurücken, weil sehr viel Verpackung anfällt, geht wohl auch nicht. Und die Ampeln, die sind so etwas von stur, dass ich … Nein ich gebe jetzt keine Verkehrssünden zu.

Sinnvoll wäre es auch, Straßen und Gehwegen eine Bedarfsheizung zu verpassen, die sich bei Glatteis anschaltet. Oder zumindest modische Schuhe zu kreieren, die Spikes ausfahren oder sich selbsttätig abstumpfen. Die müsste der Mensch aber immer noch ganz persönlich aus dem Schrank nehmen und anziehen.

Dass es die Potsdamer bei klirrender Kälte zum Schlittschuhfahren auf den Heiligen See zog, verstehe ich natürlich. Dass sie nicht runter wollten, eher nicht. Das war sehr leichtsinnig. Ich schlage deshalb das Anbringen von Zäunen vor, die aus der Erde herausfahren, wenn die Eissicherheit nicht mehr gegeben ist.

Denn auf den gesunden Menschenverstand sollte man nicht allzu sehr vertrauen. Seine technischen Parameter sind leider immer noch weitgehend unbekannt.

Unsere Autorin ist langjährige Redakteurin und jetzt freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Potsdam

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