• Es gibt ein Kupferdach: Die Krönung für das Schloss

Es gibt ein Kupferdach : Die Krönung für das Schloss

UPDATE. Hasso Plattner hat Potsdam noch eine Millionen gestiftet. Nun kann die edlere historische Variante gebaut werden

Guido Berg

Er hat es wieder getan: Der Mäzen und Gründer des SAP-Konzerns Hasso Plattner gibt eine neue Millionenspende für den möglichst originalgetreuen Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses, das derzeit als künftiger Landtag Brandenburgs auf dem Alten Markt errichtet wird. Das bestätigte Plattners Büro am Mittwoch auf Anfrage. Zur genauen Höhe und weiteren Einzelheiten wurden noch keine Angaben gemacht.

Nach der Erklärung aus der SAP-Zentrale in Walldorf übernimmt Aufsichtsratschef Plattner mit seiner Spende die Mehrkosten, damit das Gebäude doch noch das frühere Kupferdach wie der berühmte Knobelsdorffsche Vorbildbau erhält. Bislang ist aus Kostengründen ein billigeres Zinkdach geplant – das Material dafür lagert bereits auf der Baustelle.

Plattners erneute Spende löste große Freude aus: Er habe „bereits in der vergangenen Woche“ zu hoffen gewagt und freue sich nun „von ganzem Herzen“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Dank Hasso Plattner „wird Landtag, Nikolaikirche und altes Rathaus nun das grüne Dach einen“. Er danke Plattner außerordentlich, dass er seine Überlegung in die Tat umgesetzt und sich einmal mehr als engagierter Potsdamer gezeigt habe, so Platzeck. „Wunderbar! Wir freuen uns alle riesig!“, hieß es von Finanzminister und Vizeregierungschef Helmuth Markov (Linke), und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagte, Plattner habe sich „einmal mehr verdient gemacht um Potsdam“. Durch seine Großzügigkeit bekomme der Landtag nun „seine Krone aufgesetzt“ und Potsdams Mitte erstrahle „in noch schönerem Glanze“. Die Generosität Plattners „beispiellos in Deutschland“, selten habe ein einzelner Spender soviel getan für die Öffentlichkeit, sagte Jürgen Kuke von der Bürgerinitiative Mitteschön. Das edle Material Kupfer sei „das Angemessene“ für das künftige Landtagsschloss.

Die Kupfer-Mehrkosten waren auf 1,6 Millionen Euro geschätzt worden. Der als einer der reichsten Deutschen geltende Plattner, der einen seiner Wohnsitze in der Churchill-Villa am Griebnitzsee in Babelsberg hat, hatte 2007 bereits 20 Millionen Euro für die historische Schlossfassade gespendet. Aber „die öffentlichen Mittel und privaten Spenden für den Wiederaufbau des Potsdamer historischen Stadtschlosses haben nicht ausgereicht, um die Sanierung mit einem historischen Kupferdach abzuschließen“, heißt es in der Plattner-Erklärung. Doch hätten sich „viele engagierte Potsdamer Bürgerinnen und Bürger und der Verein Potsdamer Stadtschloss ... nachdrücklich für ein originalgetreues Kupferdach eingesetzt. Das Land Brandenburg befürwortet ebenfalls die Kupferdachvariante, verfügt allerdings nicht über die notwendigen Mittel.“ Daher habe „Herr Plattner seinen Spendenbeitrag nochmals aufgestockt, damit das Stadtschloss sein ursprüngliches Kupferdach erhalten kann.“

Im Termin- und Kostenplan liegt eine Hürde. Denn nach Angaben von Finanzministerium und BAM-Konzern ist der Auftrag für das Zink-Dach bereits ausgelöst. Und Hasso Plattner dürfte keinen Wert darauf legen, mit seiner neuen Spende auch noch Stornokosten zu finanzieren. Das Finanzministerium sucht derzeit nach einer Lösung. Die BAM wiederum hat sich den Ruf erarbeitet, bei Nachverhandlungen über Zusatzleistungen und Mehrkosten „knallhart“ zu sein. Und es wird versucht, den Stadtschlossförderverein – er wollte einmal 400 000 Euro für das Kupferdach übernehmen – in die Finanzierung einzubinden. BAM-Landtagsprojektleiter Frank Gerald Lange sagte am Mittwochnachmittag auf PNN-Anfrage, man wisse nichts von einem Plattner-Angebot für ein Kupferdach. Ein Teil des Zinkdachs sei bereits geliefert und bezahlt worden, die Platten lägen bereits neben dem Dachstuhl. Anfang kommender Woche sollen sie montiert werden.

Unterdessen gibt es an anderer Stelle erneut Streit um die historische Gestaltung des Landtags: Nachdem BAM und Finanzministerium im Konflikt um die barocken Schlossfenster auf die Knobelsdorff-Linie zurückgeschwenkt sind, geht es nun um die Türen. Die Bauverwaltung der Stadt hat einen Antrag abgelehnt, auf der dem Alten Markt zugewandten Fassade Metalltüren einzubauen. Konkret gehe es um zwei Türen in den Kopfbauten und je zwei weitere in den Seitenflügeln rechts und links vom Fortunaportal. Deren Erscheinungsbild sei historisch uneinheitlich gewesen, sagte Lange. Von den zwei Türen in den Kopfbauten etwa habe eine aus Holz, die andere aus Metall bestanden. Landtagsarchitekt Peter Kulka habe sich daher in Abstimmung mit dem Land dafür entschieden, Türen aus in mattem Anthrazit gestrichenem Metall einzubauen. Da die Stadt dies für die marktseitige Fassade abgelehnt habe, werde man nun in die Kopfbauten Holztüren einbauen, die wie früher als Fluchtwege dienen sollen, so Lange. Die Türen in den Seitenflügeln sollten auf Wunsch des Landes eingebaut werden und als Zugang für eine Polizei- und Feuerwehrstation dienen. Lange wies auf eine Diskrepanz zwischen Bebauungsplan und der von der Stadt erteilten Baugenehmigung hin. Der B-Plan stelle auf das Erscheinungsbild des Stadtschlosses „um 1912“ ab – zu dieser Zeit habe es besagte Türen in den Seitenflügeln gegeben. Die Stadt habe allerdings für die Seitenflügel ausschließlich Fenster genehmigt. „Die Stadt muss sich entscheiden, was sie nun eigentlich will“, so Lange.

Der Schloss-Landtag wird von der BAM für 130 Millionen Euro reine Baukosten in öffentlich-privater Partnerschaft errichtet. Heute in einer Woche wird Richtfest gefeiert.

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