• Erstes Projekt der Stiftung Ludes: Potsdam bekommt Skulpturenpark

Erstes Projekt der Stiftung Ludes : Potsdam bekommt Skulpturenpark

Auf dem Gelände um die Villa Jacobs will die Stiftung Ludes die Grenzen zwischen Bildender Kunst, Literatur und Musik ausloten. Auch wöchentliche Führungen werden angeboten.

Marianne Ludes im Park der von ihr und ihrem Mann nach historischem Vorbild neu errichteten Villa Jacobs. 
Marianne Ludes im Park der von ihr und ihrem Mann nach historischem Vorbild neu errichteten Villa Jacobs. Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Potsdam soll an herausgehobenem Ort einen neuen Skulpturenpark erhalten. Dieser sei das erste Projekt der neu gegründeten Stiftung Ludes, die Bildende Kunst, Literatur und Musik fördern soll, wie die Stifter Marianne und Stefan Ludes am Donnerstag mitteilten. Das Ehepaar hat die Villa Jacobs nach historischem Vorbild wiedererrichten lassen – den Ursprungsbau hatte Friedrich Ludwig Persius 1835 im toskanischen Landhausstil für den Zuckerfabrikanten Ludwig Jacobs gebaut. 

Die Villa thront auf einer Anhöhe am Ufer des Jungfernsees am Bertiniweg, ihr 80.000 Quadratmeter großer Park – dies entspricht knapp zwölf Fußballfeldern – der in direkter Nähe zum Neuen Garten liegt, gehört zum Unesco-Welterbe. Er wurde einst vom preußischen Gartenkünstler Peter Joseph Lenné entworfen.

Wöchentliche Führungen durch den Park

Als erstes Kunstwerk soll im neuen Skulpturenpark am 21. Mai um 14 Uhr das Werk „Fragments of Pound“ von Alexander Polzin aufgestellt werden, teilte das Ehepaar Ludes mit. Der Künstler tue mit seinen Arbeiten das, was auch die Stiftung Ludes sich vorgenommen habe, hieß es: die Grenzen zwischen Bildender Kunst, Literatur und Musik immer wieder neu auszuloten. Immer samstags soll es ab dem 21. Mai Führungen durch den Park geben.

Werke des 49-jährigen, in Berlin lebenden Polzin sind den Angaben nach weltweit im öffentlichen Raum ausgestellt – so ist beispielsweise von ihm „Der gefallene Engel“ vor der Semper-Sternwarte Collegium Helveticum in Zürich zu sehen, das Denkmal für Giordano Bruno auf dem Potsdamer Platz in Berlin, der „Sokrates“ auf dem Campus der Tel Aviv University und „Das Paar“ im Foyer der Opera National de Bastille in Paris. Wie die Stiftung Ludes weiter mitteilte, sei Polzin eng mit dem Schriftsteller und Lyriker Thomas Brasch befreundet gewesen und habe dessen Grabskulptur geschaffen. Zudem habe er Bühnenbilder für viele Operninszenierungen kreiert.

„Alexander Polzin gehört zu den interessantesten zeitgenössischen Künstlern“, sagte der Potsdamer Architekt und Bildhauer Stefan Ludes. „Sein Werk, mit dem wir den Skulpturenpark eröffnen dürfen, inspiriert, ganz im Sinne unserer Stiftungsidee, zu einem steten Blickwechsel zwischen Bildender Kunst, Literatur und Natur.“ Im Park der Villa Jacobs ausgestellt wird die zweiteilige Granit-Skulptur „Fragments of Pound“ aus dem Jahr 2016. Sie sei zuvor nur einmal öffentlich zu sehen gewesen, heißt es – beim Aldeburgh Music Festival in England.

Diese Skulptur von Alexander Polzin zieht in den Park. 
Diese Skulptur von Alexander Polzin zieht in den Park. Foto: promo/A. Roderick

Der Park der Villa Jacobs ist jedoch schon jetzt ein Kulturort. Regelmäßig laden die Eigentümer zu Weinfesten ein, bei denen auch Weine aus Trauben vom Weinberg des Hauses verkostet werden. Zudem ist die Villa Jacobs seit Jahren ein Spielort für das Potsdamer Literaturfestival lit:potsdam. Gastgeberin Marianne Ludes ist nicht nur selbst als Autorin tätig, sondern auch Vorsitzende des zugehörigen Vereins lit:potsdam e.V.. Der Festival-Termin für dieses Jahr steht bereits: Am 1. Juli wird lit:potsdam an der Villa Jacobs zu Gast sein. Zuvor soll am 11. und 12. Juni das Weinfest an der Villa gefeiert werden, ebenso im Spätsommer am 10. und 11. September.

Stadt zahlt Vandalismusversicherung für den Park

Dass der Welterbe-Park der Villa regelmäßig öffentlich zugänglich ist, liegt auch an einem städtebaulichen Vertrag, den die Eigentümer im Jahr 2021 nach längeren kontroversen Debatten in der Stadtpolitik mit der Stadt Potsdam geschlossen haben. Dieser Vertrag sieht vor, dass der Park an zwölf Wochenendtagen im Jahr geöffnet sein muss. 

Beim Weinfest im Park kann der Ausblick genossen werden. Foto: M. Thomas
Beim Weinfest im Park kann der Ausblick genossen werden. Foto: M. ThomasFoto: Manfred Thomas

Im Gegenzug billigten die Stadtverordneten dem Ehepaar Ludes zu, die einst verwilderte Gartenanlage der Villa inklusive des Rundwegs Hippodrom wiederherzurichten und einzuzäunen. Zuvor war auf der Fläche Wald. Dessen Umwandlung war damals auch von der Landesforstbehörde befürwortet worden; zudem war die Anlage, auch wenn nur rudimentär vorhanden, bereits seit 2013 Gartendenkmal. Die Stadt Potsdam zahlt wegen der öffentlichen Zugänglichkeit eine Vandalismusversicherung für den Park.

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Jetzt soll das Kulturdenkmal mit dem Skulpturenpark selbst dauerhafter Kulturort werden. Dabei ist das erste gezeigte Werk ein durchaus kritisches: Mit „Fragments of Pound“ setze sich der Bildhauer Polzin mit dem Dichter Ezra Pound (1885-1972) auseinander, heißt es. Die letzten Verse dessen Langgedichts „Cantos“ hat Polzin in die Steinquader seines Werkes eingraviert: „I have tried to write Paradise/ Do not move/ Let the wind speak/ that is paradise.// Let the Gods forgive what I/ have made/ Let those I love try to forgive/ what I have made.“ Polzin spiele so darauf an, dass Pound auch umstritten sei, weil er dem Faschismus huldigte und antisemitische Stereotypen aufgriff.

Auch zur Potsdamer Identität gehöre diese Ambivalenz, heißt es von der Stiftung Ludes: Für die Nationalsozialisten sei die Stadt ein Symbol des Preußen-Mythos gewesen, den sie für sich ausnutzten. Zugleich sei Potsdam seit der Regentschaft von Friedrich II. eine „prachtvolle Kulturstadt eine zentrale Begegnungsstätte von Aufklärung, Freigeist und Kunst“.

Der Park der Villa Jacobs/ Stiftung Ludes, Bertiniweg 2, kann ab dem 21. Mai samstags im Rahmen von Führungen um je 14 und 16 Uhr besucht werden. Karten für die Skulptureneinweihung gibt es über Reservix.

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