• "Ernst von Bergmann" Klinikum in Potsdam: Klinikum darf Bettenhäuser aufstocken

"Ernst von Bergmann" Klinikum in Potsdam : Klinikum darf Bettenhäuser aufstocken

Kulturministerin Sabine Kunst hat im Streit um die Sichtachsen entschieden: Das Potsdamer Klinikum "Ernst von Bergmann" darf um ein Geschoss aufstocken. Es entstehen dadurch 40 zusätzliche Betten für Privatpatienten.

Noch eins drauf. Die Bettenhäuser des Bergmann-Klinikums sollen ein zusätzliches Geschoss bekommen. In der künftigen neunten Etage sollen rund 40 zusätzliche Betten untergebracht werden. Die Oberste Denkmalbehörde des Landes war dagegen – sie hält die Aufstockung für eine „schwere Maßstabsstörung“.Alle Bilder anzeigen
Foto: Andreas Klaer / Visualisierung: Klinikum „Ernst von Bergmann“
27.10.2015 22:40Noch eins drauf. Die Bettenhäuser des Bergmann-Klinikums sollen ein zusätzliches Geschoss bekommen. In der künftigen neunten Etage...

Potsdam - Der Streit ist entschieden: Das kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ darf seine drei Bettenhochhäuser um eine Etage aufstocken und dort Zimmer für Privatpatienten einrichten. Das hat Brandenburgs Kulturministerium Sabine Kunst (SPD) jetzt verfügt und sich damit gegen die Oberste Denkmalbehörde des Landes gestellt. Die Hochhäuser des Klinikums stellten nach Ansicht des Landesamtes schon jetzt eine „schwere Maßstabsstörung“ in der barocken Innenstadt dar. Solche Gebäude weiter aufzustocken hieße, die unseligen Eingriffe aus DDR- Zeiten fortzusetzen und die Störwirkung weiter zu verstärken, hatte Landeskonservator Thomas Drachenberg erklärt.

Die Ministerin vertritt eine andere Auffassung. Weil die zusätzliche Etage als Staffelgeschoss gebaut werden und farblich dezent gestaltet werden soll, sei die Beeinträchtigung nicht so stark, dass man die Erlaubnis verweigern könne, sagte Ministeriumssprecher Martin Sand auf PNN-Anfrage. Zudem sei in diesem Fall das öffentliche Interesse an der Gesundheitsfürsorge wichtiger als die Belange des Denkmalschutzes – weil das Bergmann-Klinikum die zusätzlichen Kapazitäten andernfalls nur durch Neubauten anderswo auf dem Gelände schaffen könnte und dies mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verbunden wäre, so Sand.

Privatpatienten sollen schöne Aussicht genießen können

In der künftigen neunten Etage der drei Bettenhäuser C, D und E, deren Giebel zur Charlotten- und zur Hebbelstraße weisen, will das Klinikum rund 40 zusätzliche Betten unterbringen, in denen vor allem Privatpatienten genesen sollen und dabei den Blick über die Dächer von Potsdam genießen können. Bereits jetzt ist die Station „Belvedere“ – also übersetzt „schöne Aussicht“ – im Obergeschoss untergebracht. Das Geschäft ist lukrativ: Für die Nacht in der „Seniorsuite“ mit abtrennbarem Schlafraum mit Komfort-Bett, Fernseher am Bett und Nachttisch werden 146,64 Euro fällig, das Familienzimmer kostet 155 Euro.

Nachdem das Ministerium nun grünes Licht gegeben hat, will das kommunale Krankenhaus die Planungen zügig vorantreiben. Der Baustart sei für 2017 vorgesehen, schon Mitte 2018 soll alles fertig sein, sagte Klinikum-Sprecherin Damaris Hunsmann den PNN. Die Finanzierung erfolge aus Eigenmitteln, zu den voraussichtlichen Kosten wollte sie keine Angaben machen.

Mit dem Projekt schließt das kommunale Unternehmen seine Bautätigkeit auf dem Campus vorläufig ab. Das kommt überraschend: Noch vor vier Jahren hatte Klinikumchef Steffen Grebner von einem Investitionsbedarf von 100 Millionen Euro gesprochen, gestreckt über zehn Jahre. So sollte unter anderem hinter dem Schwesternwohnheim an der Berliner Straße ein u-förmiger Neubau entstehen, in dem unter anderem die Psychiatrie untergebracht werden sollte, die sich jetzt noch An der Aue in Babelsberg befindet. Davon ist nun keine Rede mehr – wohl nicht zuletzt, weil das Land die geforderten Investitionsmittel nicht in dieser Höhe zur Verfügung gestellt hat. Aktuell überweist das Gesundheitsministerium aus der sogenannten Baupauschale jährlich vier Millionen Euro an das Klinikum.

Baulich ausgereizt

Auch der für 2017 geplante Umzug der Psychiatrie ist nunmehr auf unbestimmte Zeit verschoben. Derzeit sei noch unklar, ob die Einrichtung in einem Bestandsgebäude untergebracht werde oder doch ein Neubau errichtet werden müsse, erklärte Hunsmann.

Der Klinikum-Campus zwischen Charlotten-, Hebbel-, Gutenberg- und Berliner Straße sei baulich ausgereizt, so die Sprecherin. Die Aufstockung der drei Bettenhäuser um ein Geschoss sei daher die einzige Möglichkeit, „weitere dringend benötigte Stationen und Betten“ zu schaffen, die direkt an die klinischen Prozessabläufe, die Diagnostik und die Operationssäle angeschlossen sind. Nur so könne das Krankenhaus dem wachsenden Bedarf gerecht werden.

Mehr Patienten für das "Ernst von Bergmann" Klinikum

Hunsmann verwies auf die rasante Entwicklung des Klinikums. So sei das Klinikum seit Jahren in seiner „medizinischen Kompetenz nachhaltig und strategisch weiterentwickelt worden“. Seit 2007 seien Bereiche wie Kinder-Notaufnahme, Neurochirurgie, MKG-Chirurgie, Plastische Chirurgie, Handchirurgie, Adipositaschirurgie, Palliativstation und das Präventionszentrum und Sportmedizin hinzugekommen, 2014 seien die Fachbereiche Geriatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und das Beckenbodenzentrum aufgebaut worden. Als Folge sei die Zahl der stationär behandelten Patienten von rund 36 000 im Jahr 2007 auf 45 500 im vergangenen Jahr gestiegen, so Hunsmann.

Für seinen anhaltenden Expansionskurs – unter anderem hat das Klinikum die Krankenhäuser in Bad Belzig und Forst übernommen – hatte das kommunale Unternehmen auch Kritik einstecken müssen. Einen Dämpfer erhielt das Krankenhaus nun allerdings bei dem erneuten Versuch, sich als weiteres Zentrum für Herzchirurgie in Brandenburg aufzustellen. Die Pläne für ein Herzzentrum seien vom Land abermals abgelehnt worden, sagte Gesundheitsdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos), die zugleich Aufsichtsratschefin des Klinikums ist, den PNN. Der Bedarf an herzchirurgischen Leistungen in Berlin und Brandenburg werde durch vier Herzzentren gedeckt, erklärte Gesundheitsministeriumssprecherin Marina Ringel auf Nachfrage. Beide Länder sähen darin eine ausreichende Versorgung.

 

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