• Erinnerung an Bücherverbrennungen in Potsdam: Ausschreibung für Gedenkort am Bassinplatz

Erinnerung an Bücherverbrennungen in Potsdam : Ausschreibung für Gedenkort am Bassinplatz

Das Denkmal soll bis 2023 errichtet werden. An welcher Stelle der Gedenkort entstehen soll, steht aber noch nicht fest. Andere Nutzer des Bassinplatzes sollen nicht verdrängt werden.

Die katholische Kirche St. Peter und Paul auf dem Bassinplatz.
Die katholische Kirche St. Peter und Paul auf dem Bassinplatz.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Es soll ein Ort der Erinnerung werden, der Mahnung, der aber auch auf die Aktualität blickt: Die Pläne für einen Gedenkort für die Bücherverbrennungen am Bassinplatz im Jahr 1933 nehmen langsam Gestalt an. Vergangenen Sonntag fand zum 89. Jahrestag der Verbrennungen eine Ideenwerkstatt statt. „Es herrschte Einigkeit darüber, dass wir die Gestaltung über eine Ausschreibung Künstlerinnen und Künstlern überlassen möchten“, zieht Pete Heuer, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, eine Bilanz des Workshops.

Die Einrichtung des Gedenkortes geht zurück auf einen Stadtverordnetenbeschluss aus dem Sommer 2020. Die Initiative war fraktionsübergreifend zustande gekommen.

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Das Denkmal soll bis 2023 auf dem Bassinplatz entstehen. Wo genau, ist allerdings noch unklar. Das liegt zum einen daran, so Stadtsprecherin Christine Homann, dass keine anderen Nutzer wie die Skater vom Platz verdrängt werden, sondern diese einbezogen werden sollen, um dem Gedenkort Sichtbarkeit zu verleihen.

Unklar, wo genau die Verbrennungen stattgefunden haben

Zum anderen, so der SPD-Politiker Heuer, wisse man bis heute nicht genau, wo die Verbrennungen damals stattgefunden haben. Bekannt ist, sagte Heuer in Berufung auf den Historiker Tobias Büloff, der sich in der Stadtverwaltung mit dem Thema Erinnerungskultur befasst, dass nationalsozialistische Jugendorganisationen sich am 22. Mai 1933 in der Hegelallee getroffen hätten und durch die Stadt zum Bassinplatz gezogen seien. „Es gibt aber kein Foto der Bücherverbrennung“, betonte Heuer. Es handle sich um eine offene Forschungsfrage – Hinweise von Bürgern oder sogar Bilder von damals seien daher willkommen.

Pete Heuer (SPD), der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung.
Pete Heuer (SPD), der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung.Foto: Andreas Klaer

Zur Umsetzung des Gedenkortes habe es aus der Runde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer viele Ideen gegeben, sagte Heuer. So sei beispielsweise der Vorschlag aufgekommen, Bücher der damals verbotenen Autoren zur Verfügung zu stellen – sei es in einem Regal in Zusammenarbeit mit der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek oder auch audiovisuell auf Bildschirmen oder anderen technischen Hilfsmitteln. Weitere Anregungen waren nach Angaben von Stadtsprecherin Homann die Einrichtung einer Hör- und Klanginstallation oder einer temporären Aufenthaltsmöglichkeit am Bassinplatz für Writers in Exile.

„Wichtig ist es mir, und auch den Teilnehmern, dass sich der Ort nicht allein auf die Vergangenheit bezieht, sondern ihn in die Jetztzeit holt“, erläutert Heuer. Mit Blick auf die vielen Länder der Erde, in denen Autorinnen und Autoren von Zensur betroffen oder bedroht seien, gehe es darum, die Bedeutung für die heutige Zeit herauszuarbeiten.

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