Potsdam : Erinnern an Sally Bein

Jugendliche stellen ihr Projekt im Rathaus vor

Vorbild. Sally Bein leitete eine jüdische Schule für behinderte Kinder. Repro: Thomas
Vorbild. Sally Bein leitete eine jüdische Schule für behinderte Kinder. Repro: Thomas

70 Jahre sind seit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vergangen. Mehr als eine Million Menschen kamen dort zu Tode. Einer von ihnen war wahrscheinlich auch der deutsch-jüdische Volksschul- und Taubstummenlehrer Sally Bein, der in Beelitz eine israelitische Erziehungsanstalt für geistig und körperlich behinderte Kinder leitete. Am gestrigen Dienstag, mehr als 70 Jahre nach seinem Tod, eröffnete die Wanderausstellung „Erinnerung macht Zukunft – Im Andenken an Sally Bein und seine Kinder“ vor dem Büro des Oberbürgermeisters im Stadthaus. Die Ausstellung ist Teil eines gemeinsamen Projekts des Sally-Bein-Gymnasiums Beelitz, des Potsdamer Hermann-von-Helmholtz-Gymnasiums und des Jugendzentrums „Lifroach“ der Jüdischen Gemeinde Potsdam.

Entstanden ist die Zusammenarbeit als Begegnungsprojekt zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Jugendlichen. Für viele Schüler war es die erste Begegnung mit dem Judentum, so auch für die 16-jährige Matthea Kiesant. „Das Projekt hat sich für mich sehr interessant angehört, weshalb ich mehr über die jüdische Religion erfahren wollte“, erzählte die Schülerin des Hermann-von-Helmholtz-Gymnasiums. Im Rahmen des Projekts wurde den Jugendlichen beider Schulen unter anderem die jüdische Kultur in Form einer gemeinsamen Sabbatfeier näher gebracht. „Wir haben den Schülern erklärt, warum und wie wir überhaupt Sabbat feiern. Die meisten wussten das gar nicht“, sagte Margaryta Paliy, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Potsdam.

Neben dem Kennenlernen einer bisher weitgehend unbekannten Religion entwickelten die Projektteilnehmer zwei Themenbereiche im Hinblick auf die Ausstellung im Potsdamer Rathaus. Besonders wichtig war es allen, das Leben des Sally Bein vorzustellen, der sich stets für seine Schüler eingesetzt haben soll. „Ein Mensch wie Sally Bein darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagte Matthea Kiesant. Für Evgeni Kutikow, den stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Potsdam, ist es eine Herzensangelegenheit, die Erinnerung an Sally Bein und sein Wirken wachzuhalten. bf/mor