• Entwickelt vom Hasso-Plattner-Institut: Neue Schul-Cloud geht in Potsdam an den Start

Entwickelt vom Hasso-Plattner-Institut : Neue Schul-Cloud geht in Potsdam an den Start

Brandenburgweit soll der Unterricht künftig mit einer Schul-Cloud unterstützt werden. Eine der Pilotschulen ist die Sportschule Potsdam - dort probieren Lehrer und Schüler die Plattform nun aus. 

An der Jahn-Sportschule wurde die Schul-Cloud am Mittwoch vorgestellt.
An der Jahn-Sportschule wurde die Schul-Cloud am Mittwoch vorgestellt.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Die Englisch-Hausaufgabe direkt am Smartphone eintippen, den Stundenplan für den Tag nochmal schnell auf dem Weg in die Schule checken, Langzeitprojekte gemeinsam mit anderen online bearbeiten – der Schulalltag wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. In Brandenburg soll dies wie berichtet mit Hilfe einer neuen Schul-Cloud geschehen, die vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam entwickelt wurde. 51 Brandenburger Schulen nehmen an einem Pilotprojekt teil, in dem die Cloud auf Alltagstauglichkeit in getestet werden soll. Im gerade begonnenen Schuljahr ging es los, auch drei Potsdamer Einrichtungen sind dabei. Am Mittwoch wurde ein erstes Fazit in der Potsdamer Sportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ gezogen, die ebenfalls Teil des Pilotprojekts ist. 

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) und HPI-Direktor Christoph Meinel waren gekommen, um sich über die ersten Eindrücke mit der Schul-Cloud zu informieren. Tatsächlicher Unterricht findet zwar noch nicht statt, es gibt erst einige wenige Probe-Accounts. Mathematik- und Englisch-Lehrerin Pia Söder hat sich aber schon mit der Plattform beschäftigt.

To-Do-Listen zum Abhaken

Die Handhabung sei sehr intuitiv, sagte sie, während sie den Zuhörern die Cloud, auf die man über den Internet-Browser zugreifen kann, auf einem großen Bildschirm zeigte. Neben einem interaktiven Stundenplan gibt es persönliche To-Do-Listen zum Abhaken oder Teams mit mehreren Mitgliedern zu bestimmten Themen, in denen Dateien hochgeladen, Termine angelegt oder Neuigkeiten ausgetauscht werden können. In so einem Team kann sich zum Beispiel eine Klasse oder gleich eine ganze Jahrgangsstufe austauschen, was in Zeiten des fächerübergreifenden Unterrichts durchaus hilfreich sei, so Söder. 

„Die Cloud wird die tägliche Informationsflut reduzieren“, glaubt sie. Für die Lehrer verbessere sich außerdem der Überblick über die Leistungen der Schüler – weil Aufgaben online erledigt oder hochgeladen werden und womöglich auch gleich von den Lehrern bewertet werden können.

Die Schüler können zeitgleich schreiben

Zur Demonstration, wie die Cloud im Unterricht angewandt werden könnte, hatte Söder vier Schüler mitgebracht und simulierte mit ihnen eine Englisch-Aufgabe. „Name three things that describe you the best“, lautete diese, die Schüler sollten sich also selbst mit einzelnen Worten beschreiben. „Sport“, schrieb Julian Hierschke wenig überraschend als erstes, die Schrift erschien für Lehrer und Schüler gleichermaßen sichtbar in einem Dialogfeld. Sein Mitschüler Finn Bergmann setzte daneben mit anderer Schriftfarbe: „friendly, open-minded, curious“. 

Sie glaube, dass die digitale Herangehensweise mehr Schüler als bislang zum Mitmachen motiviere, so Lehrerin Söder. Und sie denke auch, dass schüchterne Schüler, die sonst im Klassenalltag kaum zu Wort kämen, sich hier eher trauten, sich einzubringen.

Vor allem für die Sportschule ist digitales Lernen sinnvoll

„Ich finde es praktisch, dass man sehen kann, was die anderen schreiben“, sagte Schülerin Frédérique Hanna Delapné. Und Nele Brachmann ergänzte: „Vor allem wenn man im Trainingslager ist, kommt man so einfacher an die Unterlagen, um alles nachzuholen. Das ist momentan noch manchmal ziemlich stressig.“

Gerade weil die Schüler der Sportschule oft in Trainingslagers und auf Wettkämpfen seien, sei man gerade hier besonders froh über die Schul-Cloud, so Schulleiterin Iris Gerloff. Bislang nutze man die Plattform Moodle, doch während man dort vor allem Dokumente hochladen könne, biete die Schul-Cloud deutlich mehr Funktionen. Durch die Teilnahme am Pilotprojekt habe man auch die Möglichkeit, die Cloud mitzugestalten und an die Bedürfnisse der Schule anzupassen, sagte Gerloff. Im zweiten Halbjahr sollen dann alle Lehrer und Schüler eigene Accounts zur Cloud bekommen und mit ihr arbeiten. In Forbildungen sollen alle Lehrer darauf vorbereitet werden. 

Einiges ist noch ungeklärt

Dass die Sportschule ihr Feedback zur Cloud gebe und sie so mitgestalte, sei ausdrücklich erwünscht, so HPI-Chef Meinel. Sein Institut habe die Cloud gefördert durch das Bundesbildungsministerium mit einem Team von rund 20 Mitarbeitern entwickelt und betreue nun die Pilotphase. Laut Ernst sollen in zwei Jahren möglichst alle Brandenburger Schulen die Cloud benutzen – auf freiwilliger Basis mit einer Eigenbeteiligung von 800 Euro pro Schule und Jahr. 
Unklar ist allerdings, wer nach der Pilotphase für die technische Unterstützung zuständig sein wird – beziehungsweise wer dies bezahlt. Klar sei, dass dies eine Aufgabe des Schulträgers sei, so Ministerin Ernst. In den meisten Fällen ist dies in Potsdam die Stadt. Doch dort ist man jetzt schon teilweise mit der Digitalisierung überfordert. Längst gibt es nicht an allen Schulen zuverlässiges WLAN, auch an der Sportschule wird es jetzt erst so nachgerüstet, dass es auch in allen Klassenräumen und Sportstätten funktioniert. 

Landesministerin Ernst zeigte sich am Mittwoch überzeugt, dass dies mit den Mitteln aus dem kürzlich beschlossenen Digitalpakt kein Problem mehr sein könne. „Ich glaube nicht, dass wir uns über Geldmangel beschweren werden“, sagte sie. Bei der Stadt sieht man das aber offenbar anders. Potsdam bekomme aus dem Digitalpakt 9,5 Millionen Euro, so Potsdams Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel, die ebenfalls bei der Vorstellung war. „Das hilft uns sehr, aber es wird nicht reichen, alle Schule zu verkabeln und mit Endgeräten auszustatten“, sagte sie. Auch verwies sie erneut auf das Personalproblem in der IT-Abteilung im Rathaus. Die Stadt sei hier eben nicht der attraktivste Arbeitgeber, so Aubel.

Die Endgeräte sind aus Sicht von Schulleiterin Gerloff nicht das Problem. Es stünden ein Computerraum, Laptops und nun auch Tablets zur Verfügung. Außerdem hätten ausnahmslos alle Schüler ein mobiles Endgerät, mit dem sie auch von zu Hause auf die Cloud zugreifen können. „Da gibt es keine Ausnahmen mehr.“ Sie hofft, dass ihre Kollegen ebenso begeistert von der Cloud sind, wie sie. Denn eins ist für die Schulleiterin klar: „Es müssen alle mitmachen.“