• Potsdamer Müllgebühren werden etwas günstiger

Entsorgung : Potsdamer Müllgebühren werden etwas günstiger

Nach Jahren steigender Preise sollen diese ab Januar für Potsdamer geringfügig sinken. Grund dafür sind hohe Erlöse für Altpapier und Schrott sowie sinkende Restmüllmengen.

Mehr Sicherheit: Müllfahrzeuge in Potsdam werden nun mit Abbiegeassistenten ausgerüstet.
Mehr Sicherheit: Müllfahrzeuge in Potsdam werden nun mit Abbiegeassistenten ausgerüstet.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Diesen Satz hat sich der künftige Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) zurechtgelegt und sich sichtlich darauf gefreut, ihn zu sagen: „Hätte ich diese Zahlen vor drei Wochen vorgelegt, hätte mir jeder Wahlkampf vorgeworfen.“ Denn: Die Müllgebühren in Potsdam sollen im kommenden Jahr sinken. Zwar werden diese nur etwas günstiger, aber es ist die erste Senkung nach mehreren Jahren mit stetig steigenden Preisen für die Abfallentsorgung. Die neue Abfallgebührenverordnung stellte Schubert am gestrigen Donnerstag der Presse vor, am 7. November soll sie von den Stadtverordneten beschlossen werden.
Die jährliche Grundgebühr pro Person soll demnach von derzeit 27,99 Euro ab Januar 2019 auf 27,03 Euro sinken. Damit liegt der Gebührensatz zwar immer noch über dem Preis von 25,08 Euro im Jahr 2017 und deutlich über den 20,62 Euro von 2016 – ist aber um knapp einen Euro günstiger als dieses Jahr. Auch die Leerung der Restmülltonnen wird etwas günstiger: Die vierzehntägige Leerung einer 120-Liter-Restmülltonne kostet künftig pro Jahr 79,86 Euro, das sind 3,68 Euro weniger als derzeit. Beim Biomüll wird die Jahresgebühr für kleinere Tonnen bis 120 Liter um einige Cent günstiger, für 240 Liter dagegen etwas teurer. Für die größten Tonnen mit 660 Litern sinken die Gebühren deutlich, je nach Häufigkeit der Leerung um rund 50 bis 100 Euro im Jahr.

Gestiegene Erlöse für Altpapier und Schrott

Als Grund für die Senkung nannte Nicole Prestin, Leiterin des Bereichs Abfallentsorgung, eine sogenannte „Überdeckung“ in Höhe von 900000 Euro. Diese Summe sei im laufenden Jahr durch Mehreinnahmen und geringere Ausgaben, als veranschlagt, übriggeblieben und wird nur für die Gebührensenkung eingesetzt. Der Löwenanteil ergibt sich dabei aus gestiegenen Erlösen durch die Verwertung von Altpapier und Schrott. In der Tat lag der Großhandelsverkaufspreis für Altpapier im Jahr 2018 weit über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Laut einem aktuellen Bericht des Statistischen Bundesamtes ist das sogar der zweithöchste Wert seit dem Jahr 2000.
Ein weiterer Grund für die Senkung sind Investitionen, die niedriger ausfielen, als geplant. Dazu kommt die sinkende Menge von Restmüll. „Die Potsdamer trennen besser“, so Schubert. Als 2016 die Biotonne eingeführt wurde, musste sich das System erst etablieren. „Das hat sich mittlerweile eingespielt“, so der Beigeordnete. Das zeige auch die gestiegene Menge Biomüll, erklärte Prestin. Waren es im Jahr der Einführung noch 6500 Tonnen Biomüll in der Stadt, kamen 2017 schon 7100 Tonnen zusammen. Im Gegenzug sank die Menge Restmüll. Laut Statistischem Jahresbericht produzierte jeder Potsdamer im Jahr 2017 im Schnitt 142 Kilogramm Hausmüll – 2013 waren es noch 177 Kilogramm.

Den Vergleich hat die Stadt selbst berechnet

Besonders wichtig war es Schubert, unvorteilhaften Vergleichen mit anderen Städten vorzugreifen. Der Hintergrund: Vor zwei Jahren hatte eine Studie gezeigt, dass Potsdams Müllgebühren die höchsten aller Landeshauptstädte und aller ostdeutschen Städte sind. Dem hatte die Stadt widersprochen – und stellt nun eine eigene Vergleichsrechnung auf. Acht Städte vergleicht die Tabelle mit Potsdam, neben Cottbus und Brandenburg/Havel etwa Rostock, Erfurt, Jena und Dresden. Demnach landet Potsdam im Mittelfeld. „Wir bieten hier quasi einen Rundumservice, von Sperrmüll bis zu giftigen Lacken kann man hier per Bring- und Holservice fast alles kostenlos entsorgen“, erklärte Schubert. Das sei mit einbezogen worden in die Rechnung. „Das haben andere nicht.“ Dadurch, so die Hoffnung, steige die Hemmschwelle, Sondermüll einfach im Wald zu entsorgen.
Einen Trend könne man aber noch nicht ablesen aus der Senkung, betonte Schubert. Strom-, Benzin- und Personalkosten könnten sich ändern, die Preise für Altpapier und Schrott hängen vom Markt ab und zum Januar 2020 werden einige Teile der Entsorgung neu ausgeschrieben. Schubert betonte aber: „Unser Ziel sind stabile Preise.“