• Ellen Chwolik-Lanfermann geht in den Ruhestand: Wechsel an der Spitze des Potsdamer Landgerichts

Ellen Chwolik-Lanfermann geht in den Ruhestand : Wechsel an der Spitze des Potsdamer Landgerichts

Ellen Chwolik-Lanfermann (65) war die erste Frau an der Spitze des Potsdamer Landgerichts. Nun wird sie von Ramona Pisal (62) abgelöst.

Ellen Chwolik-Lanfermann verabschiedet sich in den Ruhestand.
Ellen Chwolik-Lanfermann verabschiedet sich in den Ruhestand.Foto: ZB

Sie war die erste Frau an der Spitze des größten Landgerichts in Brandenburg: Ellen Chwolik-Lanfermann, Präsidentin des Potsdamer Landgerichts, verabschiedet sich Ende Februar im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand. Zur Nachfolgerin wurde vom Richterwahlausschuss bereits im Oktober 2019 Ramona Pisal bestimmt, wie eine Gerichtssprecherin auf PNN-Anfrage bestätigte. Die 62-Jährige ist bislang Präsidentin des Landgerichts Cottbus.

Chwolik-Lanfermann hatte das Amt der Potsdamer Landgerichtspräsidentin im Oktober 2017 übernommen, zuvor war die in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen geborene Juristin bereits seit 1997 in Brandenburgs Justiz tätig.

Die 65-Jährige zog eine positive Bilanz ihrer Amtszeit. So hätten beispielsweise zehn junge Richter eingestellt sowie die Vorsitze von sechs Zivil- und Strafkammern neu besetzt werden können, erklärte sie mit Blick auf die personell chronisch unterbesetzte und überlastete Justiz in Brandenburg. Für den Abbau von Altverfahren, vor allem im Bereich des Strafrechts, sei zum Jahreswechsel eine weitere Strafkammer eingerichtet worden, hieß es.

Chwolik-Lanfermann kämpfte gegen Antisemitismus

Einen Namen machte sich Chwolik-Lanfermann auch im Kampf gegen den Antisemitismus. Zum Gedenken an die von den Nazis verfolgten Menschen jüdischen Glaubens wurde etwa der Besprechungsraum des Landgerichts nach dem Potsdamer Fritz Hirschfeld benannt. Der jüdische Amtsrichter wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Außerdem erinnert im Justizzentrum in der Jägerallee seit Anfang 2019 eine Dauerausstellung an jüdische Juristen, die im Landgerichtsbezirk Potsdam von den Nazis verfolgt worden waren. Derzeit wird sie von einer Wanderausstellung ergänzt, die sich mit jüdischen Juristinnen befasst.

Die Juristin, die mit ihrem Mann, Brandenburgs früherem FDP-Landeschef Heinz Lanfermann seit fast 20 Jahren in Potsdam lebt, hatte sich in der Landeshauptstadt über die Jahre hinweg auch immer wieder beim Thema Stadtgestaltung engagiert. Sie war Mitbegründerin der Bürgerinitiative Freies Tor, die kurz nach der Jahrtausendwende den geplanten Anbau von Seitenflügeln in moderner Architektur an das Brandenburger Tor verhindert hatte.

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