• Elias' Mutter sagt im Prozess gegen Silvio S. in Potsdam aus: Der Tag, an dem Elias verschwand

Elias' Mutter sagt im Prozess gegen Silvio S. in Potsdam aus : Der Tag, an dem Elias verschwand

Am 8. Juli, dem Tag, an dem Elias verschwand, war eigentlich alles wie immmer. Das sagte Elias' Mutter im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörders ihres Kindes im Landgericht Potsdam. Dabei war sie immer besonders vorsichtig.

Alexander Fröhlich
Gedenken am Bürgerhaus am Schlaatz. Das Foto wurde Anfang November 2015 aufgenommen, kurz nachdem bekannt wurde, was mit Elias passiert ist.
Gedenken am Bürgerhaus am Schlaatz. Das Foto wurde Anfang November 2015 aufgenommen, kurz nachdem bekannt wurde, was mit Elias...Foto: R. Hirschberger/dpa

Potsdam - Die Mutter von Elias sagte am Dienstag nach den mit zahlreichen Verzögerungen und hohen Sicherheitsmaßnahmen gestarteten Prozess als erste Zeugin in dem Mordprozess gegen Silvio S. aus. Die 26-jährige Anita S. lebt noch immer in Potsdam und ist Übersetzerin. Im Sommer 2014 war sie nach Potsdam gezogen. Sie wollte, dass Elias dort zur Schule geht. In ihre Wohnung im Stadtteil Am Schlaatz, gerade mal zwei Querstraßen und fünf Minuten von der alten Wohnung entfernt, war sie mit ihrem Lebensgefährten erst zwei Wochen vor der Entführung von Elias gezogen. Die Kisten waren noch nicht ausgepackt, die Möbel waren noch nicht komplett.

Elias war bereits mit fünf Jahren eingeschult worden. In der ersten Klasse fuhr die Mutter ihn jeden Tag zur Schule und holte ihn wieder ab. Sie wollte nicht, dass er schon allein zur Schule geht. Auch sonst war die Mutter vorsichtig. Selbst wenn sie Elias zum Einkaufen allein in der Wohnung gelassen hatte, sollte er selbst ihr nicht die Tür öffnen. Sie habe ihm gesagt, es könne ihn jemand austricksen, um in die Wohnung zu kommen und ihm wehzutun.

Elias ging, wie jeden Tag, auf dem Hof spielen

Der 8. Juli, also der Tag, an dem Elias verschwand, verlief nach ihrer Aussage wie immer. Sie brachte Elias zur Schule, dann fuhr sie nach Hause, putzte die Wohnung, suchte im Internet nach Jobs. Etwa gegen 16 Uhr holte sie ihn wieder aus dem Hort ab. Dann aß Elias etwas, sie ging mit ihrem Lebenspartner kurz einkaufen. Danach ging Elias, wie wohl jeden Tag, auf den Hof spielen. Aber er sollte, so hatte sie es ihm erklärt, immer im Blickfeld bleiben. Daran hielt er sich auch meist. Und wenn nicht, ging sie raus, und fand ihn doch, wie er mit Stöcken und Steinen spielte, "er erfand gern etwas". Anita S. brachte ihrem Sohn bei, dass er nie mit Fremden mitlaufen dürfe, immer in ihrer Nähe bleiben müsse. Es gab feste Absprachen. Elias war offenbar "ein folgsamer Junge", wie der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter sagte.

Plötzlich war Elias weg

Auch am 8. Juli 2015 war eigentlich alles wie immer. Elias spielte im Hof. Alle 10 bis 15 Minuten schaute Anita S. aus der Parterrewohnung hinaus auf den Hof. Alles war in Ordnung. "Als ich rausschaute, hat er im Sandkasten gehockt oder ist zwischen den Sträuchen hin- und hergehopst", sagte Anita S. dem Gericht. Gegen 18.30 sei sie dann - vor dem Abendessen - hinausgegangen, um eine Zigarette zu rauchen. Sie rief und schaute nach ihm. Doch Elias war weg. Sie stürmte zu ihrem Lebenspartner, beide liefen sie den Block ab. Doch nichts. Ihr Partner telefonierte Freunde und Bekannte heran, die bei der Suche halfen. Dann um 19 Uhr, 11 Minuten und 47 Sekunden erfolgte der Notruf bei der Polizei.

Die Polizei schickte Beamte vorbei, "die haben das erstmal aufgenommen", aber sie habe sich von der Polizei "am Anfang nicht so ernst genommen gefühlt". Dann setzte die Polizei zwei Streifenwagen für die Suche ein, am Abend wurden es immer mehr Beamte, sogar Hubschrauber. "Ich war zuhause und habe gewartet", sagte Anita S.

Zu diesem Zeitpunkt aber war Elias laut Anklage der Staatsanwaltschaft längst tot. Demnach soll Silvio S. den sechsjährigen Elias zwischen 17.30 und 18.45 Uhr entführt und in seinen Wagen gezerrt haben. Dort soll er ihn geknebelt und geschlagen haben, um ihn sexuell zu missbrauchen. Die Details in der Anklage sprechen dafür, dass die Tat sorgfältig geplant war. Weil Elias weiter weinte und schrie, soll Silvio S. ihn dann stranguliert und getötet haben.

 

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