• Eis-Projekttag an der Internationalen Schule Potsdam: Auf Skiern durchs Grönlandeis

Eis-Projekttag an der Internationalen Schule Potsdam : Auf Skiern durchs Grönlandeis

Künstlerin Geertje Jacob an der Internationalen Schule.
Künstlerin Geertje Jacob an der Internationalen Schule.Foto: A. Klaer

Potsdam - Die Motorsäge kreischt, Geertje Jacob schneidet damit durch den Eisblock wie durch Butter. Anstelle von Sägespänen staubt weißer Schnee auf dem Schulhof der Internationalen Grundschule/Internationalen Gesamtschule „Alfred Nobel“ – zur Freude der Fünftklässler, die das Schauspiel gebannt beobachten. Als die Säge schweigt, fahren sie mit den Fingern über die glänzende Oberfläche des Eisblocks. „Das ist eiskalt!“, ruft ein Mädchen. Zwei große Würfel, jeweils rund zweieinhalb Kilogramm schwer, hat die Babelsberger Eiskünstlerin Geertje Jacob ausgesägt. Einer wandert durch die Hände der Schüler, der andere in einen Eimer mit Wasser. Dabei gibt es das erste Aha-Erlebnis: Der Klumpen schwimmt – genau wie ein Eisberg – mit dem Großteil unter Wasser. Eine halbe Stunde später dann die zweite Erkenntnis: Der Blick auf die Waage zeigt den Kindern, dass der Klumpen aus dem Wasser schon fast um die Hälfte geschrumpft ist, während der an der Luft gebliebene kaum Gewicht verloren hat. Der Wärmeaustausch im Wasser geht viel schneller als in der Luft, erklärt Wilfried Korth, Grönlandreisender, Professor für Vermessungskunde an der Beuth-Hochschule in Berlin und Gletscherexperte: „Wenn das Eis ins Wasser fällt, ist es praktisch vorbei.“

Korth und Jacob sind die Mitgründer des Vereins Iceploration – der Name verbindet die englischen Worte für Eis und Erkundung. Die beiden Potsdamer eint ein Faible für polare Regionen – und für die Veränderungen, die mit dem Klimawandel dort sichtbar werden. Korth hat vor 30 Jahren, nach seinem Studium, zum ersten Mal die Antarktis bereist und schon mehrfach Grönland auf Skiern durchquert, um zentimetergenaue Daten zur Größe des Eisschildes zu erheben. Jacob nähert sich Schnee und Eis künstlerisch: Sie hat mehrfach an internationalen Schneeskulptur-Wettbewerben teilgenommen. Mit dem neuen Verein wollen sie und ihre Mitstreiter Projekte rund um Schnee, Eis und den Klimawandel anbieten – unter anderem für Schulen. Der Workshop am Dienstag war der Auftakt, mit der Industrie- und Handelskammer Potsdam sei man für einen weiteren Termin, an dem Schüler mehrerer Schulen teilnehmen könnten, im Gespräch.

Wie und wozu er durch Grönland wandert und warum er dabei auf Skier setzt, erläuterte Korth den Kindern anschaulich. Hubschrauber könnten die lange Strecke – 700 Kilometer – nicht ohne Sprit-Nachschub zurücklegen, Motorschlitten würden wegen ihres Gewichts in Gletscherspalten einbrechen. Bei Hundeschlitten wiederum müssten Unmengen an Hundefutter mitgenommen werden. Für Erheiterung sorgten Korths Erläuterungen zum Speiseplan der Expeditionsteilnehmer: Es gibt eine Art Fertigessen, das mit Wasser angerührt wird – und „zwei Tafeln Schokolade pro Tag“. Spätestens damit hatte Korth einige neue junge Grönlandfans gewonnen. Jana Haase

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