Potsdam : Einzug in die Plattner-Villa

ILB und US-Firma investieren in den „Brutkasten“ von Hasso Plattner in der ehemaligen Reichsbahnvilla

Babelsberg – Mit jeweils fünf Millionen Euro wird die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und das kalifornischen Hochtechnologie-Unternehmen CMEA (Silicon Valley) in den Gründer-Brutkasten von Hasso Plattner einsteigen. Das als „Inkubator“ bezeichnete Unternehmen HassoPlattnerVentures (HPV) will in der ehemaligen Reichsbahnvilla in Babelsberg mit einen Fonds-Kapital von 50 Millionen Euro starten. Wie ein HPV-Sprecher gestern gegenüber den PNN sagte, habe Plattner sein Engagement noch einmal um zehn Millionen auf 35 Millionen Euro aufgestockt. Demnach fehlen nun noch fünf Millionen Euro, um den Topf mit Risiko-Kapital wie geplant zu füllen.

Gestern fand aus Anlass des Umzuges von HassoPlattnerVentures in die neue „Hasso-Plattner-Villa“ ein Empfang statt. Am Rande wurde bekannt, dass sich mittlerweile weit über 100 Bewerber für die jährlich fünf geförderten Start-Up-Firmen gemeldet haben. Die Entscheidung für die jeweiligen Firmen stehe unmittelbar bevor. Es werde bei der Auswahl sehr kritisch hingesehen. „Wir lassen uns etwas Zeit, um dann die Besten zu bekommen“, so HPV-Sprecher Hans-Joachim Allgaier. Gefördert werden sollen deutsche Gründer aus dem IT-Bereich mit Ideen, die für den Weltmarkt Erfolg versprechend sind. Gefragt sei dabei auch ein hohes Maß an unternehmerischen Fähigkeiten. „Da wird die Luft schon recht dünn“, so Allgaier.

Ausgesucht werden die Unternehmen von Plattner selbst und dem israelischen Venture Capital- und Inkubator-Spezialisten Eran Davidson (46). Maximal rund vier Millionen Euro sollen jeweils in die ausgewählten Firmenprojekte investiert werden. Das „kick-start-investment“ werde bei etwa einer halben Million Euro liegen, sagte Davidson. Im Gegenzug übertragen die neu gegründeten Unternehmen Firmenanteile. Davidson rechnet damit, dass die Startup-Firmen im Durchschnitt zwei Jahre lang im Inkubator bleiben. Unter Anleitung erfahrener Berater und mit Unterstützung durch das Risiko-Kapital sollen in dem Inkubator Produktideen ausgebrütet und marktreif gemacht werden. Einerseits soll das Projekt eine „verlängerte Werkbank“ für das benachbarte Hasso-Plattner-Institut (HPI) werden, andererseits steht es aber auch anderen Start-Up-Firmen aus der IT-Branche offen. Das wirtschaftliche Risiko der Gründer soll durch den „Inkubator“ vermindert werden. „So sollen in Deutschland neue, wertige Start-up-Unternehmen entstehen“, sagte Davidson. Hasso Plattner, Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Software-Riesen SAP, wird für das „Hightech Park-Projekt“ in direkter Nachbarschaft zu dem ebenfalls von ihm gestifteten HPI am Uni-Campus Griebnitzsee noch einmal sieben Millionen Euro investieren. Insgesamt fließen dann 18 Millionen Euro in das Projekt. Für das HPI, das in Partnerschaft mit der Uni Softwaresystem-Ingenieure ausbildet, will Plattner in einem Zeitraum von über 20 Jahren mehr als 200 Millionen Euro aufbringen.

Die gestern von HassoPlattnerVentures bezogene Villa war 1902 von der Berliner Kaiser-Wilhelm-Stiftung als Invalidenheim erbaut und später von der Deutschen Reichsbahn erworben worden. Danach war sie in den Besitz der Deutschen Bahn gelangt. Im Herbst 2004 erwarb die Hasso-Plattner-Förderstiftung das Anliegen an der August-Bebel-Straße mit einer Größe von rund 13 000 Quadratmetern. Die Villa selbst hat drei Geschosse mit einer Bruttogeschossfläche von rund 2090 Quadratmetern. Pro Etage stehen im Durchschnitt sechs große Räume plus Nebenflächen zur Verfügung. Die Gebäudetechnik ist mit Einrichtungen wie Videokonferenz-Anlagen und Funknetzwerken (WLAN) auf dem neuesten Stand. Eine Tiefgarage vor der Villa bietet 51 Stellplätze. Zum Ausbau bei weiterem Wachstum des „Hasso Plattner Hightech Parks“ sind zwei Anbauten vorgesehen. Hier könnten noch weitere 4300 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen.

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