• Einzelhandelskonzept: Die Potsdamer werden zu ihrem Einkaufsverhalten befragt

Einzelhandelskonzept : Die Potsdamer werden zu ihrem Einkaufsverhalten befragt

Passanten in der Potsdamer Innenstadt und in den Einkaufscentern werden in den kommenden Tagen zu ihrem Shoppingverhalten befragt. Die Stadt plant eine Studie.

In der Brandenburger Straße haben die kleinen Geschäfte mit der Konkurrenz im Internet zu kämpfen. 
In der Brandenburger Straße haben die kleinen Geschäfte mit der Konkurrenz im Internet zu kämpfen. Foto: PNN / Ottmar Winter

Die Bedingungen für den Start einer Umfrage waren am Mittwoch nicht optimal – es nieselte. Das hielt die Stadtverwaltung allerdings nicht davon ab, ihre Passantenbefragung zu starten: Dabei sollen noch bis Samstag Potsdamerinnen und Potsdamer zur Qualität der ortsansässigen Geschäfte befragt werden. Diese Passantenbefragung ist Teil des Stadtentwicklungskonzepts Einzelhandel. Das wird derzeit als Fortschreibung des 2014 beschlossenen Einzelhandelskonzepts erarbeitet.

„Die Befragung ist gesamtgesellschaftlich wichtig. Damit sichern wir die verbrauchernahe Versorgung“, sagte am Mittwoch Erik Wolfram, Bereichsleiter für Stadtentwicklung. Bernd Rubelt, parteiloser Baubeigeordneter der Stadtverwaltung, ergänzte: „Die besonderen Herausforderungen, denen sich der Einzelhandel heute und in den kommenden Jahren stellen muss, sind ein wichtiger Grund für diese Untersuchungen.“

Es werden Fragen zur Anreise, Einkaufsort und Produkten gestellt

Insgesamt 900 Potsdamern sollen Fragen beantworten – unter anderem zu ihrer Anreise zum Einkaufsort und den Produkten, die sie kaufen. „Auch interessiert uns, was die Potsdamer an den Einkaufsmöglichkeiten schätzen, aber auch, was sie in der Stadt vermissen“, sagte Stefan Frerichs, Leiter der Wirtschaftsförderung. Der Fokus wird laut Wolfram auf Kunden gelegt, die in Potsdam oder im Umland wohnen und auch häufiger ihre Einkäufe in der Stadt erledigen. Dadurch erhalte die Umfrage eine höhere Qualität und Aussagekraft.

Anzutreffen sind die Fragesteller in der Innenstadt, in Babelsberg, sowie in den Bahnhofspassagen und im Stern-Center. Der Fokus liegt laut Wolfram aber klar auf der Innenstadt und Babelsberg. „Da sind wichtige Einkaufsorte, an denen nicht nur Lebensmittel erworben werden.“ Besonders in Hinblick auf die Veränderungen in der Branche, die aufgrund des Internethandels stattfinden, sei es wichtig, diese Standorte attraktiv zu halten. „Der Einzelhandel steht eben nicht still“, so Wolfram.

Verdrängt die Gastronomie den Einzelhandel?

Frerichs sagte, dass er eine Gefahr darin sehe, dass in Potsdam die Gastronomie immer mehr den Einzelhandel verdränge: „Die Kunden, aber auch Touristen, erwarten da oft mehr Einkaufsmöglichkeiten.“ Auch müsse man sehen, wie dieser Wandlungsprozess besser gesteuert werden könne. „Im Stern-Center könnten die Verantwortlichen leichter reagieren und die Öffnungszeiten gegebenenfalls anpassen. In der Innenstadt und in Babelsberg ist das aber nicht so einfach.“

Das aktuelle Einzelhandelskonzept wurde im Mai 2014 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Darin enthalten sind Strukturdaten zur Einzelhandelsentwicklung, künftigen Entwicklungsspielräumen und dem Zentrenkonzept mit Grundsätzen und Leitlinien zur räumlichen Entwicklung. Den Erarbeitungsprozess hat der Arbeitskreis Einzelhandel begleitet. Ihm gehören Vertreter des Handels, der Politik und der Verwaltung an. Das gerade erarbeitete Stadtentwicklungskonzept Einzelhandel ist die Fortschreibung des Konzepts von 2014.

Im Sterncenter sollen 200 Kunden interviewt werden.
Im Sterncenter sollen 200 Kunden interviewt werden.Foto: Sebastian Gabsch/PNN

In den vergangenen Wochen wurde dazu bereits ein Großteil des Einzelhandelsbestands in Potsdam durch das beauftragte Planungsbüro erfasst. Die Daten sollen helfen, das Einzelhandelsangebot später besser zu analysieren. „Wir ergänzen die gewonnen Ergebnisse anschließend mit den Antworten der Kunden“, so Wolfram.

Potsdam soll mit anderen Städten verglichen werden

Am Ende der Passantenbefragung sollen die vier untersuchten Standorte auch untereinander verglichen werden. Ebenfalls ist ein Abgleich mit den Ergebnissen von anderen Städten laut Wolfram denkbar. Unterstützung erhält die Landeshauptstadt von der Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK). Sie finanziert die Befragung. Tilo Schneider, Leiter des IHK-Regionalcenters Potsdam und Potsdam-Mittelmark erhofft sich nicht nur eine Übersicht über die Branchen, welche die Kunden in die Stadt locken. Er ist optimistisch, dass auch der öffentliche Nahverkehr von der Befragung profitieren wird. „Es wird auch danach gefragt, wie die Menschen den Weg zum Einkauf zurücklegen“, so Schneider. „Die Ergebnisse werden auch in der Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzepts Verkehr Ende des Jahres einfließen.“ 

Hört man sich in der Brandenburger Straße um, dann ist die Meinung zum Einzelhandel gespalten. Maximilian Müller, 22, kauft oft nach der Arbeit in der Straße ein. „Hier bekommt man eigentlich alles, was man braucht, von Tee über Bücher bis hin zum Wein.“ Wird es etwas spezieller, kämen manche Geschäfte aber an ihre Grenzen. „Ich habe einmal nach einer Laptopmaus gesucht. Die musste ich dann letztlich aber im Internet bestellen“, sagt Müller. 

"Ich scheitere hier oft"

Auch Katharina, 29, aus Potsdam-West, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist bei der Suche in den Läden nicht immer erfolgreich. „Ich versuche immer wieder, hier in der Brandenburger Straße einzukaufen, scheitere aber leider oft.“ Vor allem in der Innenstadt sei das Angebot auf Touristen ausgelegt, so die 29-Jährige. „Ich gehe dann oft ins Stern-Center. Da ist eigentlich alles da.“

In der Brandenburger Straße haben die Gewerbetreibenden nicht nur mit den Konkurrenten im Onlinehandel zu kämpfen. Auch der Zustand der Straße ist sanierungsbedürftig. In drei Bauabschnitten soll der 1998 verlegte Belag erneuert werden. Viele Kunden sehen das Pflaster als Stolperfalle. Auch die Händler sind mit dem optischen Erscheinungsbild nicht zufrieden. Die Bauarbeiten dafür beginnen im Frühjahr 2020 und sollen vier Jahre später abgeschlossen werden.