Potsdam : Eintritt ins Paradies

Stibadium ist restauriert und wird zum Tag des Denkmals zugänglich gemacht

Erhart Hohenstein
Das Stibadium im Paradiesgärtl erstrahlt wieder in altem Glanz.
Das Stibadium im Paradiesgärtl erstrahlt wieder in altem Glanz.Foto: Manfred Thomas

Die Bau- und Restaurierungsarbeiten am Stibadium im Paradiesgärtl an der Maulbeerallee sind abgeschlossen. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Schlösserstiftung, bedankte sich gestern bei den an der Restaurierung Beteiligten und den Förderern. Dazu zählt der Freundeskreis des Botanischen Gartens mit seiner Ehrenvorsitzenden Ingrid Stolpe und deren Ehemann, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe. Sie hatten den Großunternehmer Hasso Plattner dazu bewegt, über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 265 000 Euro für die Rettung des Bauwerks zur Verfügung zu stellen. Die Schlösserstiftung stockte diese Summe mit Hilfe der Sonderzuwendungen des Bundes und des Landes Brandenburg auf 863 000 Euro auf.

An dem Gartenpavillon, der verschiedene Elemente antiker Architektur mischt, wurden die Mauerrisse, die Schäden am Putz und am hölzernen Dach beseitigt. Aufgearbeitet wurden das Fußbodenmosaik und die aus Terrakotta bestehenden Säulen. Die Türen wurden restauriert, das Wandgitter sowie die Halbrundbank nachgefertigt. Durch Andreas Liebe konserviert und teilrestauriert wurden die von den Hofmalern Lompeck und Ossowski im pompejanischen Stil gemalten Wandbilder, die Landschaften darstellen. Die Ausmalung der Wände und der Holzdecke im Inneren wurde in Struktur und Farbigkeit erlebbar gemacht, aber nicht hundertprozentig wiederhergestellt. Wie Dorgerloh erklärte, sollen die Spuren der Geschichte des Jahrzehnte lang vernachlässigten Bauwerks sichtbar bleiben. Ein Glanzpunkt des Pavillons sind die 40 Glasvasen in den Öffnungen des Frieses. Die 40 bis 60 Zentimeter hohen Gefäße unterschiedlicher Farben brechen das Sonnenlicht und verleihen dem Inneren eine ungewöhnliche Leuchtkraft. Kustodin Käthe Klappenbach ließ die Vasen in Böhmen nachfertigen. Das als Ruheplatz genutzte Stibadium (Atrium) war 1844/45 nach Ideen des Friedrich Wilhelms IV., der dazu Beschreibungen des Römers Plinius d. J. zu Rate zog, und Zeichnungen von Ludwig Persius errichtet worden. Es besteht aus einem unüberdachten zentralen Raum mit einem von Säulen umstandenen Becken, das wieder mit Wasser gefüllt wird. In der Beckenmitte befindet sich auf einem Sockel die Skulptur eines Adlers, der ein Reh schlägt. Das von Leopold Bürde 1846 geschaffene Kunstwerk wurde ebenfalls wieder aufgestellt. An der Westseite schließt sich eine überdachte Konche (Nische) an. In unmittelbarer Umgebung des Stibadiums wird die ursprüngliche gärtnerische Gestaltung des Paradiesgärtls erneuert, das heute von der Uni für den Botanischen Garten genutzt wird. Wegen des hohen Denkmalwertes wird das Stibadium nur von außen durch die drei großen, mit Metallgittern abgeschlossenen Öffnungen zu betrachten sein. Ins Innere kommt man nur bei Führungen, Lesungen und Konzerten. Dazu besteht erstmals am Tag des Denkmals, dem kommenden Sonntag, ab 13 Uhr Gelegenheit. An den folgenden vier Sonntagen gibt es Innenbesichtigungen. Erhart Hohenstein