• Einschulungen in Potsdam: Mit einer Zuckertüte Abstand

Einschulungen in Potsdam : Mit einer Zuckertüte Abstand

Kann trotz Corona ein Kita-Abschiedsfest gefeiert werden? Kommen alle Kinder an ihre Wunschschule? Wie sehen die Einschulungsfeiern aus? Die wichtigsten Antworten für das bewegte Jahr.

In rund zwei Monaten geht für viele Potsdamer Kinder der Schulalltag los (Symbolbild).
In rund zwei Monaten geht für viele Potsdamer Kinder der Schulalltag los (Symbolbild).Foto: picture alliance / dpa

Potsdam - Noch rund zwei Monate, dann steht für viele Potsdamer Kinder der erste Schultag an. Seit einigen Tage ist immerhin klar, dass die Brandenburger Schulen nach den Sommerferien wohl im Regelbetrieb starten, Erstklässler im Homeoffice wird es also wohl nicht geben. 

Und dennoch herrscht in vielen Familien Verunsicherung darüber, wie der Abschied aus der Kita und der Beginn in der Schule angesichts der Corona-Pandemie ablaufen wird – ganz abgesehen vom üblichen Kopfzerbrechen über Wunschschule und Einzugsgebiet. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur diesjährigen Einschulung in Potsdam.  

Wie wird der Abschied aus der Kita aussehen?  

In vielen Kitas werden die Schulkinder mit einer Feier vor der Sommer-Schließzeit verabschiedet, im Osten oft Zuckertütenfest genannt. Doch in diesem Jahr können die Feiern, bei denen meist kleine Zuckertüten als „Früchte“ aufgehängt werden, nur unter Auflagen stattfinden. So ist es per Eindämmungsverordnung explizit untersagt, Zuckertütenfeste in den Räumlichkeiten der Kindertagesstätte zu veranstalten. 

Auf PNN-Nachfrage sagte ein Sprecher des Gesundheitsamtes aber, die Feste könnten stattdessen im Freien stattfinden. Da sie als „Feiern zum Schulanfang“ gelten, sind sie von der Zehn-Personen-Begrenzung ausgenommen. Wichtig sei hierbei eine Erfassung der Teilnehmer mit Anschrift und Telefonnummer, um eine Kontaktaufnahme bei einem möglichen Corona-Fall zu erleichtern, so der Sprecher. 

Auch müsse dafür gesorgt sein, dass der Zugang beschränkt sei und der Mindestabstand eingehalten werde – zum Beispiel, indem Sitz- und Stehplätze gekennzeichnet werden. Gerade bei kleinen Kindern seien Abstandsregeln natürlich schwierig, räumte der Sprecher ein. Man gehe aber davon aus, dass bei den Zuckertütenfesten die Maximalanzahl von 150 Teilnehmern nicht ausgereizt werde, sondern dass hier die Betreffenden verantwortungsvoll handelten.  

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Wird es Einschulungsfeiern geben?  

Auch die Einschulungsfeiern, die in der Regel am Samstag vor dem eigentlichen ersten Schultag an den Grundschulen stattfinden, sind erlaubt. In diesem Jahr ist der erste Schultag am 10. August, die Feiern finden also am 8. August statt. Laut „SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung“ des Landes sind „bis zu 75 Besucherinnen und Besuchern in geschlossenen Räumen und mit bis zu 150 Besucherinnen und Besuchern unter freiem Himmel“ erlaubt. 

Wie die Feiern aussehen, kann aber jede Schule selbst entscheiden, wie das Bildungsministerium auf Anfrage sagte. „Die Einschulungsfeiern (meist) am Samstag vor Schulbeginn sind eine schöne Tradition, jedoch keine pflichtige schulische Veranstaltung“, so eine Sprecherin. Die Entscheidung liege daher bei der jeweiligen Schulleitung, in Absprache mit den schulischen Gremien. „Natürlich sind auch hierbei die pandemiebedingten Abstands- und Hygieneregeln zu beachten.“ 

Wegen der sehr unterschiedlichen räumlichen Bedingungen an den Schulen würden die Entscheidungen der Schulleiter auch sehr unterschiedlich ausfallen, so die Prognose der Sprecherin. Denkbar ist zum Beispiel, dass nur die Eltern, aber keine anderen Verwandten oder Freunde zu der Feier kommen dürfen. 

Den Familien selbst überlassen bleibt die private Feier, die meist an die offizielle Einschulung angeschlossen wird. Eine Empfehlung dazu an die Eltern wollte das Bildungsministerium auf PNN-Anfrage aber nicht abgeben. Hier ist auch noch Bewegung möglich. Ab dem 15. Juni soll es in Brandenburg weitere Lockerungen geben, dann wird auch die maximale Personenzahl bei Veranstaltungen aufgehoben.

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Wie viele Kinder werden dieses Jahr in Potsdam eingeschult?  

Etwa 2100 Kinder werden dieses Jahr in der Landeshauptstadt eingeschult, das sind 140 mehr als 2019 und damit besonders viele. „Dieser verhältnismäßig hohe Anstieg im Vergleich zum Vorjahr wird im nächsten Jahr wieder etwas geringer ausfallen“, heißt es dazu auf PNN-Anfrage von der Stadt. „Der allgemeine Trend der steigenden Schülerzahlen im Primarbereich hält aber weiter an.“ 

Wer kommt auf welche Schule?  

Insgesamt gibt es in Potsdam 21 städtische Grundschulen und zwei städtische Oberschulen mit Primarstufe. Darüber hinaus können die Kinder zehn Grundschulen und die Waldorfschule in freier Trägerschaft besuchen. Bei den städtischen Schulen haben die Eltern in Potsdam im Prinzip freie Wahl, denn die Stadt wird als einziger Schulbezirk betrachtet. Eltern können bei der Schulanmeldung zwei Wunschschulen angeben.

Allerdings gibt es bestimmte Regeln, die greifen, wenn mehr Kinder auf eine Schule wollen als es Plätze gibt. Bislang war in solchen Fällen die Zugehörigkeit zum Schuleinzugsbereich ausschlaggebend – je nach Adresse war das eine bestimmte Grundschule. 

Doch weil das gerade für Familien, die am Rand des Einzugsbereichs wohnten, oft gar nicht die geografisch nächste Schule war, wurde dies nun geändert. Seit diesem Schuljahr ist stattdessen die tatsächliche Nähe zum Wohnort entscheidend bei der Auswahl der Schüler – falls es an einer Schule zu viele Bewerbungen gibt. Die „Einzugsschule“ ist jetzt nur noch für die Koordination des Aufnahmeverfahrens zuständig – und verschickt zum Beispiel die Aufforderungen zur Schulanmeldung. 

Wie viele Kinder haben keinen Platz in  einer ihrer Wunschschulen bekommen? 

Das konnte die Stadt auf Nachfrage noch nicht sagen. Hier lägen noch nicht alle Daten vor, hieß es. Allerdings gibt es nach PNN-Informationen Kinder, die weder an der Erst- noch an der Zweitwunschschule genommen wurden. Besonders problematisch scheint es dieses Jahr in der Templiner und der Teltower Vorstadt zu sein, weil es dort besonders wenige Grundschulen gibt. Für die Familien dort ist die neue Regel offenbar sogar ein Nachteil: denn bei einer Auswahl nach Wohnortnähe gingen sie bei den meisten Schulen leer aus. 

Besonders begehrt scheint etwa die Rosa-Luxemburg-Schule in der Innenstadt zu sein. Nach PNN-Informationen hatten dort 126 Eltern ihre Kinder angemeldet – bei nur 100 Plätzen. Der Kreiselternrat kennt das Problem. Sprecher Markus Kobler bestätigte den PNN, dass es durch die neue Regelung „manchmal leichte Ungerechtigkeiten“ gebe. Insgesamt sei die Schulplanung der Stadt aber doch vernünftig, man habe sich „große Mühe gegeben, hier möglichst gerecht zu sein“, so Kobler. 

Wann kommt das frühere  Anmeldeverfahren?  

Schon 2018 hatte die Stadt angekündigt, das Anmeldeverfahren vom Februar auf den Herbst vorzuverlegen, damit die Familien künftig früher wissen, welche Schule das Kind besuchen wird. Angedacht war ein Start zu diesem Schuljahr, aber das hat nicht geklappt. Im Gegenteil: Die Bescheide für die Schulaufnahme wurden statt wie geplant am 15. erst am 26. Mai versendet. Und auch für die nächste Runde wird es wohl nichts mit der früheren Anmeldung. 

So hieß es jetzt auf PNN-Anfrage von der Stadt: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage ist die Umstellung des Anmeldesystems in diesem Jahr nicht durchführbar und wird frühestens im kommenden Jahr möglich sein.“ Das heißt, die Kinder, die im Sommer 2021 in die Schule kommen, werden erst im Februar 2021 angemeldet. Und die, die im Sommer 2022 eingeschult werden, vielleicht schon im Herbst 2021. Vielleicht.

+++ Abitur 2020: Feiern mit Corona +++

1150 Potsdamer haben in diesem Jahr das Abitur geschrieben – unter erschwerten Bedingungen wegen er Corona-Epidemie. Doch die Lockerungen kommen gerade rechtzeitig, um die Zeugnisverleihung doch noch einigermaßen feierlich zu gestalten – sie findet je nach Schule zwischen dem 13. und dem 24. Juni statt.  

In der jüngsten Eindämmungsverordnung ist geregelt, dass „Feiern zum Schulabschluss“ erlaubt sind. Bis zu 75 Teilnehmer dürfen es in geschlossenen Räumen sein, 150 unter freiem Himmel.  

Gleiches gilt auch für den Abiball, den die Schüler selbst planen – und das oft Monate im Voraus. Während es lange Zeit so aussah, als könnten die Partys gar nicht stattfinden, sind sie nun wenigsten unter Auflagen wieder möglich. Und der ein oder andere Abitur-Jahrgang spekuliert womöglich auch noch auf den 15. Juni. Ab dann sollen in Brandenburg weitere Lockerungen gelten, vielleicht wird dann auch die maximale Personenanzahl gekippt. 

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