• Einkaufen zu Corona-Zeiten: Der Sturm auf die Oster-Ware

Einkaufen zu Corona-Zeiten : Der Sturm auf die Oster-Ware

Was sollten Kunden in der Corona-Zeit beachten? Wie kann die Gesundheit geschützt werden? Die PNN geben Tipps für einen möglichst stressfreien Ostereinkauf.

Einkaufen kann derzeit zum Stressmoment werden. Jedoch nicht, wenn man sich an ein paar Regeln hält. 
Einkaufen kann derzeit zum Stressmoment werden. Jedoch nicht, wenn man sich an ein paar Regeln hält. Foto: Ottmar Winter

Der Gründonnerstag gilt in den Supermärkten als der umsatzstärkste Tag des Jahres, die Nachfrage ist größer als vor Weihnachten. Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag sind die meisten Geschäfte geschlossen, nun rechnen die Händler mit einem gewaltigen Ansturm. Viele Verbraucher fragen sich, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf den Einkauf hat und welche Empfehlungen beachtet werden sollten. Die PNN haben sich bei Experten umgehört.

Ist es sinnvoll, einen Supermarkt mit Mundschutz und mit Handschuhen zu betreten?

Unter Umständen. „Ein Mundschutz kann hilfreich sein, besonders, um Risikogruppen zu schützen“, sagt Katja Hanack, Professorin für Immuntechnologie an der Potsdamer Universität. Handschuhe seien weniger sinnvoll, weil man dazu neige, sich mit den Händen ins Gesicht, ans Telefon oder die Autoschlüssel zu fassen. Dann sei „auch mit Handschuhen kein größerer Schutz gegeben. Außerdem infiziere das Virus nicht durch die Haut, es gelange durch die Schleimhäute und Atemwege in den Körper. Gründliches Händewaschen sei nach dem Einkauf wichtig. Bei Rewe im Potsdamer Marktcenter heißt es übrigens: „Wir tragen Mundschutz und schützen Sie, tragen auch sie Mundschutz und schützen uns."  Dort werden wie berichtet einfache Gesichtsmasken für einen Euro verkauft, die für 1,50 Euro eingekauft wurden. Für die Mitarbeiter des Markts hat der Seniorenverein Falkenrede Masken hergestellt und ihnen kostenlos überlassen.

Wir groß ist das Infektionsrisiko, wenn man lose angebotene Produkte wie Obst und Gemüse kauft? 

Nicht sehr hoch. „Die sollte man generell vor jeden Verzehr waschen“, empfiehlt Hanack. Das Infektionsrisiko halte sie „für nicht größer, als wenn man Türklinken, Lichtschalter oder Aufzugknöpfe drückt“. Veronika Wrobel von der Potsdamer Beratungsstelle der brandenburgischen Verbraucherzentrale sagt, es gebe „derzeit keine nachgewiesenen Fälle, in denen sich Menschen durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen mit dem Coronavirus infiziert hätten“.

Kunden werden, wie im Rewe-Markt im Markt-Center, nur hereingelassen, wenn andere rausgehen.
Kunden werden, wie im Rewe-Markt im Markt-Center, nur hereingelassen, wenn andere rausgehen.Foto: Andreas Klaer

Ist es im Moment sicherer, verpacktes Obst und Gemüse zu kaufen?

Nein. Damit erreiche man, so die Potsdamerin Hanack, „keine größere Sicherheit, da die Produkte „ja auch von jemandem verpackt wurden und man Lieferketten nicht personengenau nachvollziehen kann“.Geht von rohen pflanzlichen Lebensmitteln also keine besondere Gefahr aus? Nein, zumindest nicht, wenn sie vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass das Infektionsrisiko weiter reduziert werden könne, wenn das Obst und Gemüse nach dem Waschen unter fließendem Wasser geschält werde. „Um eine Vermehrung vorhandener Krankheitserreger zu verhindern, sollten Obst, vor allem Melone, Gemüse und Blattsalate nach dem Kleinschneiden umgehend verzehrt oder im Kühlschrank zwischengelagert werden“, empfiehlt das Institut. Da die Viren hitzeempfindlich seien, könne das Infektionsrisiko „durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich verringert werden“. Das gelte vor allem für tiefgekühlte Beeren und rohe Sprossen.

Wie lange halten sich Viren auf den Regalen der Supermärkte?

Unterschiedlich. Es gebe dazu noch keiner belastbaren Daten, sagt die Potsdamer Hochschullehrerin Hanack. Nach Studien überleben Viren bis zu drei Stunden in Tröpfchen, vier Stunden auf Kupferoberflächen, 24 Stunden auf Pappkartons und auf Metall- oder Plastikoberflächen bis zu drei Tage.

Wegen der Hamsterkäufe beschränken etliche Märkte die Mengen bei der Abgabe etwa von Toilettenpapier oder Küchenpapier auf die sogenannten haushaltsüblichen Mengen. Ist das erlaubt?

Ja. „Kunden können einen Händler grundsätzlich nicht zwingen, ihnen eine bestimmte Menge an Waren zu verkaufen. Die Beschränkung durch die Händler ist zulässig“, so Veronika Wrobel von der Verbraucherzentrale.

Wann ist die beste Zeit für den Einkauf?

Immer außerhalb der Stoßzeiten. Jessica Bogen, Filialleiterin bei Lidl in Bornstedt, empfiehlt, „mittags zu kommen, dann flacht die Nachfrage etwas ab“. Oder ab 20 Uhr, eine Stunde vor Geschäftsschluss. „dann besteht allerdings das Risiko, dass nicht mehr alles da ist“.

Manche Supermärkte fordern Kunden auf, eineinhalb Meter Abstand zum nächsten Kunden zu halten, andere zwei. Manche haben Eltern mit Kindern den Zutritt schon rigoros verweigert. Dürfen die Märkte das?

Ja. Zu den von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zum Abstandsgebot gebe es „keine konkreten Ausführungsbestimmungen“, sagt Günther Päts, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Die Geschäfte müssten „die Regeln selbst umsetzen“. So ließen manche Drogeriemärkte nur zwei oder drei Kunden gleichzeitig herein, in Baumärkten seien Kunden schon durch die großen Wagen gezwungen, sich nicht zu nahe zu kommen. In den Rewe-Markt von Siegfried Grube an der Breiten Strasse werden zum Beispiel keine Ehepaare eingelassen, „immer nur eine Person, ein Wagen“.

Ein Problem gibt es oft in den schmalen Gängen zwischen den Regalen, wo Kunden sich im risikoreichen Abstand von weniger als einem Meter begegnen. Wie verhält man sich am besten?

Experten wissen, wie schwierig das ist. Sie raten, auf jeden Fall zurückbleiben und den Gegenverkehr passieren zu lassen. Die mancherorts praktizierte Einbahnstraßenregelung.

Der Mundschutz könnte beim Einkaufen Pflicht werden.
Der Mundschutz könnte beim Einkaufen Pflicht werden.Foto: Ottmar Winter

Kann man sich in Supermärkten beim Atmen infizieren?

Die Gefahr ist nicht sehr groß. Professor Christian Drosten ist Leiter der Virologie an der Berliner Charité. „Viele Supermärkte und ähnliche öffentliche Räume haben raumlufttechnische Anlagen, die eine erhebliche Austauschrate der Raumluft ermöglichen, so dass man auch nicht unbedingt in der ängstlichen Vorstellungleben muss, dass die Luft jetzt überall voller Virus ist, dass das Virus in der Luft steht. Aber es gibt diesen Übertragungsweg“, heißt es in einem seiner täglichen Podcasts für den NDR. Einfache Masken, so Drosten, seien dagegen keine Hilfe, nur hochtechnische Masken, die im professionellen Bereich getragen würden, könnten die in der Luft stehenden sogenannten Aerosole „zu guten Teilen wegfiltern“.

Sollte man möglichst ohne Begleitung einkaufen?

Ja. Im Kaufland an der Zeppelinstraße werden Kunden auf einem großen Schild dazu aufgefordert. Aber Kinder werden in Begleitung eines Elternteils toleriert. „Wenn eine Mutter mit ihrem vierjährigen Kind einkaufen will, müssen die Geschäfte großzügig sein. Wo soll die ihr Kind sonst lassen?“, fragt Handelsverbands-Sprecher Päts.

Werden Einkaufswagen, Tür- und Fahrstuhlgriffe in Supermärkten desinfiziert?

Ja, aber unterschiedlich oft und unterschiedlich intensiv. Im Kaufland an der Zeppelinstraße ist es den Kunden überlassen, ihren Einkaufswagen an einer Station im Eingangsbereich selbst mit bereitliegenden Einmaltüchern zu desinfizieren, Griffe an den Fahrstühlen werfen mehrmals täglich auf diese Weise gereinigt. Bei Lidl in Bornstedt wird der Griff jedes Wagens für jeden Kunden neu mit einem Desinfektionstuch abgewischt. In Grubes Rewe wird seit vier Wochen jeder Einkaufswagen desinfiziert, zudem die Griffe an Tiefkühlschränken und Truhen fast stündlich. 

Oft werden die Einkaufswagengriffe in Supermärkten regelmäßig desinfiziert. 
Oft werden die Einkaufswagengriffe in Supermärkten regelmäßig desinfiziert. Foto: Ottmar Winter

Sollte man sich mit einem Einkaufszettel auf den Weg machen?

Unbedingt. Das erspart anderen Kunden unnötige Wartezeiten, gerade, weil sich vor den Türen jetzt oft Schlangen bilden. Vorbei sein sollten die Zeiten, in denen Kunden von den Märkten aus zuhause anriefen, um sich mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin darüber abzustimmen, ob es der weiche, langgereifte Camembert auf den Abendbrottisch schaffen sollte oder vielleicht doch lieber ein Epoisses. Als eine Potsdamerin vorige Woche von Rewe-Chef Grube dabei beobachtet wurde, dass sie eine gute Viertelstunde im Markt telefonierte, schritt er ein, und die Kundin entschuldigte sich.

Wie sollte man reagieren, wenn andere Kunden sich einem zwischen den Regalen oder in der Schlange an der Kasse näher als zwei Meter nähern?

Sie freundlich darum bitten, sich etwas zu entfernen. Dabei darauf achten, sich nicht gegenseitig ins Gesicht zu sprechen, da Viren durch Tröpfchen übertragen werden können. Besser ist es, zur Seite zu sprechen oder sich die Hand vor den Mund zu halten. Trotzdem kommt es zu Auseinandersetzungen. Zwar eskalierte in Potsdam nicht, wie vergangene Woche im niedersächsischen Northeim bei Göttingen, ein Streit in einem Supermarkt um einen Einkaufswagen bis zu einer veritablen Körperverletzung, aber auch in der Landeshauptstadt wurde die Polizei schon zur Streitschlichtung gerufen. 

Sind Supermärkte in der Coronakrise Hotspots des Aggressionsabbaus? Sind sie ein willkommenes Ventil dafür?

Nein, sagt Barbara Krahé, Psychologie-Professorin an der Potsdamer Universität, „das Ausagieren von Ärger ist generell keine gute Lösung“. Die Gebote schafften, „der Not gehorchend, viele Einschränkungen der persönlichen Freiheit, auf die Menschen sehr empfindlich reagieren“. Insofern schaffe das Kontaktverbot “eine Lage, die aggressive Reaktionen begünstigt“. Wer sich ärgere, sollte „Ärger reduzieren und abpuffern“, etwa durch seine Lieblingsmusik oder „erst einmal bis zehn zählen, bevor man jemanden anschnauzt“. Handelsverbands-Vizechef Päts ist skeptisch: „Es wird immer Störenfriede geben, die mit Verordnungen nicht gut leben können.“

Die meisten Märkte fordern dazu auf, nicht mit Bargeld, sondern mit Kreditkarte zu bezahlen. Ist das sinnvoll?

Unbedingt. Es kam schon vor, dass ein Mann sich in die Hände nieste, sie sich kurz an der Hose abwischte und der Kassiererin sein Geld übergab. Wäre er infiziert, könnten sich die Viren auf den Weg über die Scheine zur Kassiererin machen.


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